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16. Mai 2019

Die Alte Kuchl am Königshof

Das verwunschene Gebäude am Königshof wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen: mit Efeu bedeckte Mauern und ein schnuckliges Wirtshaus, in dem bayerische Tradition auf moderne Gemütlichkeit trifft.

„Ich fühle mich oft wie in einem verwunschenen Schloss“, sagt Kuchl-Wirtin Esther Schuml. Foto: Stina Walterbach

Regensburg. Wer oder was ist die Alte Kuchl und noch viel wichtiger, wo ist die eigentlich? Diese Frage stellen sich selbst eingefleischte Regensburger, wenn sie zum ersten Mal von dem verstecken Wirtshaus hinter der IHK hören. Dabei gibt es die Alte Kuchl, einstiges Nudeleck, schon ewig. Aber wie so oft gilt auch hier der Spruch: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ oder in diesem Fall: „Das findet er nicht“.

Für uns ein guter Grund, sich diese vergessene Perle bayerischer Wirtshauskultur mal genauer anzuschauen. Und eines fällt gleich auf: Hier steckt Herzblut drin. Vor rund drei Jahren übernimmt Esther Schuml mit 29 das kleine Restaurant mit Biergarten in der Nähe vom Dachauplatz. Mit ihr zieht nicht nur Koch René Schmitt, sondern auch mehr Licht, dekorative Kissen und Schafsfelle sowie eine Theke in die eher traditionell eingerichtete Gaststube. Dazu gibt’s dann noch eine reduzierte Speisekarte, auf der sich allerlei bekannte Gerichte unter neuem Namen verstecken. So betiteln „Sau im Goldmantel“, „Ein Männlein steht im Walde“ oder „Nudeldicke Dirn“ keine sagenumwobenen Gegebenheiten, sondern gut bürgerliche Gerichte. „Ich hab nach dem Abitur Hotelfachfrau in München gelernt“, erzählt Esther Schuml, die schon mit 18 Jahren von einer eigenen Gastronomie träumt. Dabei denkt sie aber immer eher an ein Café mit Frühstück, Kaffee und Kuchen. Wie so oft kommt am Ende alles anders, als Esther auf Facebook die Anzeige der Alten Kuchl entdeckt: „Ich wusste zuerst gar nicht, was die Alte Kuchl ist und hab nur gedacht: ,Des wird scho so a Boazn sei, sonst dad i‘s ja kenna.‘ Dann hab ich es besichtigt und war sofort begeistert“, erzählt die heute 31-Jährige.

Stina Walterbach

Liebe auf den ersten Blick also. Zusammen mit Koch René steht Esther von Mittwoch bis Sonntag täglich selbst hinter der Theke, denn Persönlichkeit spielt hier eine große Rolle. Sie selbst bezeichnet die Gaststube gerne als Wohnzimmer und die Speisekarte als bayerisch, gut bürgerlich. Wir würden eher „Pfiffig moderne Interpretation trifft auf bayerische Tradition“ sagen. Am Ende stimmt wohl beides, denn wer sich das Haus und die Speisekarte näher anschaut, könnte auch auf die Idee kommen, mitten in der Regensburger Altstadt aus Versehen in ein Märchen gerutscht zu sein.

Bekannt ist die Alte Kuchl übrigens vor allem für ihren Schweinebraten, den es nur auf Vorbestellung immer mittwochabends und sonntagmittags gibt. Wer spontan vorbeischaut, findet aber auch an diesen Tagen genügend Alternativen auf der Karte. Darunter zum Beispiel saftige Rinderlende oder Spinat-Käse-Spätzle. Wer es etwas ausgefallener mag, sollte die Wochenkarte im Blick behalten. Hier lässt sich Koch René immer neue Cordon-bleu-Variationen wie „Bayern Cordon bleu“ mit Speck, Käse, Senf und Zwiebeln oder das „Försterschnitzel“ mit Pilzen, Speck und Zwiebeln einfallen. Ein echter Geheimtipp ist auch der „Kuchl Burger“, den es nur alle vier bis sechs Wochen gibt und der aus Pulled Pork in einer Brezensemmel mit Krautsalat besteht.

Alles hausgemacht und aus der Region, darauf legt Esther Wert. „Wir haben eine sehr kleine Speisekarte, so können wir alles frisch produzieren. Und was aus ist, ist aus“, sagt die 31-Jährige. Dafür kommen bei ihr nur Kartoffel aus Pfatter, Eier aus Geiselhöring oder Bier von Kuchlbauer auf den Tisch. Alles schick angerichtet und mit dem gewissen Extra. Denn bedient wird nicht wie im traditionellen Wirtshaus üblich im Dirndl, sondern in Jeans und Mieder – das sei einfach praktischer. Wer will schon mit der Schürze am Türknauf hängenbleiben oder mit langem Rock auf die Theke kraxeln, um neue Gläser runterzuholen. Für alle Ripperl-Fans, die gibt’s immer donnerstags, dann allerdings ebenso wie beim Schweinebraten nur auf Vorbestellung. Ob nun spontan oder lange geplant, wir haben den Aufenthalt sehr genossen und können die Alte Kuchl am Königshof nur empfehlen.

Foto: Alte Kuchl - Esther Schuml

Alte Kuchl am Königshof

Am Königshof 2, 93047 Regensburg

www.altekuchl.de

Hat offen:

Mittwoch von 17.30 bis 23 Uhr, Donnerstag bis Samstag von 17.30 bis 24 Uhr und Sonntag von 11.30 bis 14 Uhr

Kostet:

Ein Hauptgericht gibt`s ab 10,90 Euro. Den berühmten Schweinebraten auf Vorbestellung bekommt ihr für 13,90 Euro.

Wir empfehlen:

Unbedingt probieren solltet ihr den Schweinebraten oder den selbstgemachten Pulled Pork Burger, aber Vorsicht: Ersteres müsst ihr unbedingt vorbestellen und Letzteres gibt es nur alle vier bis sechs Wochen auf der Wochenkarte. Wer einen spontanen Besuch plant, sollte gleich um 17.30 Uhr vorbeischauen, dann hat Esther sicher noch ein Plätzchen für euch frei.