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27. November 2018

Echt indisch, echt bayerisch

Zum ersten Mal gibt es auf dem Lucrezia-Markt einen Stand mit indischem Curry. Die Rezepte hat Anna Probst von ihren Reisen mitgebracht. Vom Holz, aus dem die Hütte gebaut ist, bis zu den frischen Zutaten für die Gerichte stammt dagegen alles aus der Region.

Nachhaltig und lecker: Anna Probst verkauft auf dem Lucrezia-Markt frisch gekochte südindische Gerichte. Foto: Maria Stich

Regensburg. Wenn am Freitag der Lucrezia-Markt auf dem Haidplatz öffnet, findet sich zwischen den Buden mit Kerzen, Tonarbeiten und Bratwurstsemmeln zum ersten Mal auch ein Stand, der indische Currys verkauft. Anna Probst ist eigentlich Krankenschwester und Yogalehrerin in Regensburg, hat sich aber mit dem Stand einen Traum erfüllt. Vier Wochen tauscht die 24-Jährige die Schwesternkleidung gegen eine Kochschürze und zaubert für die Besucher des Christkindlmarkts authentisch südindisches Essen. „In indischen Restaurants gibt es hier meistens Gerichte aus dem Norden. Die südindischen schmecken leichter, frischer und trotzdem leicht scharf. Sie nutzen auch die Gewürze ganz anders“, erklärt sie.

Auf der Speisekarte stehen Köstlichkeiten wie traditionelle Vollkornweizenfladen – sogenannte Chapatis –, gefüllt mit Karottenkrautgemüse, gelbes Linsencurry, ein Erdnuss- und ein Kokos-Chutney, Zimtschnecken mit Vanille und Kardamom sowie hausgemachter Apfelpunsch, Chai und warmer Birnenlikör. Das Besondere: Wo es nur geht, stammen die Zutaten aus der Region. Das Gemüse von einem Bauern in Alteglofsheim, der Saft für den Punsch von Hunderten von Kilos an Äpfeln aus dem Garten der Großmutter, das Mehl für die Chapatis aus Kötzting.

Sie lege auch im Alltag sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit, sagt Anna. Da sei es nur logisch, dass sich das auch im Standkonzept widerspiegelt. Mit ihrer Mutter hat sie in der Bäckerei des Onkels schon 1500 Fladen von Hand gebacken. „Keine Ahnung, ob und wie lange das reicht. Das ist alles einfach mal geschätzt. Wir haben ja überhaupt keine Erfahrungswerte. Es ist generell ungewöhnlich, dass so Grünschnäbel wie wir das machen.“

Auf der Speisekarte stehen unter anderem Chapatis, traditionelle Weizenfladen. Foto: Anna Probst

Ihr Freund und sie hätten zwar schon länger davon geträumt, einen eigenen Essensstand auf einem Christkindlmarkt zu haben. Alexa vom Laden Hantwerck, die selbst mit einem Stand auf dem Lucrezia-Markt vertreten ist, machte Anna aber bei einem Töpferkurs im Juli erst darauf aufmerksam, dass die Stadt zufällig auf der Suche nach jemandem ist, der ausgerechnet indische Gerichte anbietet. Seit sie nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester mit 19 nach Indien geflogen ist, zieht es Anna jedes Jahr wieder zurück. Insgesamt sechsmal war sie dort – in Goa, Tamil Nadu und Kerala. Sie machte eine Ausbildung zur Yogalehrerin, besuchte Kochkurse und schaute sich die Arbeit in Ayurveda-Krankenhäusern an. Von jeder Reise brachte sie neue Ideen und Rezepte mit. „Ich koche eigentlich jeden Tag selbst, meistens tatsächlich indisch“, erzählt sie.

Das überzeugte auch die Veranstalter des Lucrezia-Markts: Noch am gleichen Abend, nachdem Anna ihr Konzept vorgestellt hatte, kam die Zusage. Seit ungefähr drei Monaten laufen mittlerweile die Vorbereitungen. Annas Freund, seine vier Brüder, ihre Cousinen – alle haben zusammengeholfen. Haben sich durch das bürokratische Chaos gekämpft und das Angebot, aber vor allem die Hütte geplant – denn auch die ist selbstgezimmert und mit Fichtenholz aus Annas Heimat, dem Bayerischen Wald, gebaut. Ihr Freund hatte den Plan gezeichnet und gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, einem gelernten Zimmermann, an acht Wochenenden umgesetzt, in denen sie quasi durchgearbeitet haben.

Als gelernter Zimmermann baute David Wörle (vorne) mit seinen Geschwistern die selbst geplante Hütte. Wie Annas Cousine (re.) wird er auch ein paar Schichten übernehmen. Foto: Maria Stich

In den nächsten vier Wochen bekommt Anna noch mehr Hilfe von ihrer Familie und ihren Freunden, die sich mit ihr die Arbeit im Stand teilen. „Ich weiß nicht, wie das Essen von den Leuten angenommen wird. Aber es hat bis jetzt schon sauviel Spaß gemacht und wir haben so viel gelernt“, sagt Anna. Doch auch, wenn man indische Gerichte bisher eher selten auf Christkindlmärkten gesehen hat, passen sie mit Gewürzen wie Zimt und der wärmenden Schärfe eigentlich sehr gut zu Weihnachten. Außerdem ist Punsch tatsächlich eine Erfindung aus Indien.

Wer schon mal einen Blick hinter die Kulissen und auf die Gerichte werfen will, kann sich auf ihrem Instagram-Account umsehen.

Der Lucrezia-Markt hat ab Freitag, 30. November bis einschließlich 23. Dezember von Sonntag bis Donnerstag jeweils von 11 bis 20 Uhr sowie Freitag und Samstag jeweils von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Alle weiteren Infos findet ihr hier.