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Titelfoto: Barbara Simon
26. Januar 2018

Entgiften light

Neujahrsvorsätze? Diät? Nein, danke! Allerdings spricht nichts gegen eine Verjüngungskur mit Tee und ayurvedischen Gewürzen, dachte sich Redakteurin Barbara Simon. Sie startete einen Selbstversuch.

„Wie neugeboren durch modernes Ayurveda“ - kult-Redakteurin Barbara Simon startet den Selbstversuch.Barbara Simon

Regensburg. Höchste Zeit für frischen Wind in meiner Küche: Die dunklen Winterwochen, aber auch Plätzchen und Marzipan haben Körper und Gemüt zugesetzt. Vor allem erweist sich die Erkältung mal wieder als ziemlich hartnäckig. Als zusätzlicher Motivationskick – weniger Süßkram, mehr Grünes – erscheint mir die Investition von knapp 17 Euro in die Erweiterung meiner ayurvedischen Büchersammlung sinnvoll: „Wie neugeboren durch modernes Ayurveda“ verspricht der Ratgeber vollmundig. Die Autorin Kulreet Chaudhary ist Neurologin und Ayurveda-Ärztin, also in der Schulmedizin und in der ganzheitlichen Medizin zu Hause. Klingt immerhin fundiert. Erschienen ist das Buch im Februar 2017 im Riva-Verlag. Hilft das jahrhundertealte Heilwissen tatsächlich gegen die Stresssymptome des modernen Büroalltags? Die Erfahrungen meiner Viermonatskur gibt es hier monatlich auf kult.

Nach ein paar Seiten Lektüre holt mich allerdings die Skepsis ein: Wieviel Aufwand und Kosten ist mir mein Wohlbefinden wert? Zwar macht mich die Autorin mit ihrem Erfahrungsbericht von chronischen Kopfschmerzen, Praxis-Hopping, Heißhungerattacken und mehr schnell zur Leidensgenossin und Komplizin, aber ihre Methode greift um einiges weiter, als mein bisheriger Ayurveda-Horizont reicht: In zehn Jahren bin ich über das Basiswissen, ein paar Kochbücher und Gewürze, die man für einfache Gerichte und Reinigungsrituale braucht, nicht hinausgekommen. Dennoch beschließe ich, mich an die mehrwöchige Kur und die exotisch klingenden Gewürze und Pülverchen zu wagen. Dass man sich in vier Phasen schrittweise vortastet, macht die mehrmonatige Kur überschaubar. Ziel ist es, die Verdauung wieder auf natürliche Touren zu bringen und Gifte auszuschwemmen – mit dem „Nebeneffekt“, sich fitter und gesünder zu fühlen.

Die erste Phase klingt erfreulich praxisnah und einfach umsetzbar: Die Koriander-, Kreuzkümmel-, Fenchel- und Bockshornkleesamen für den Entgiftungstee sowie Lein- und Flohsamen für die Ballaststoffkur sind im Handel erhältlich und die Trockenmassage lässt sich, sofern kein rohseidenes Exemplar zur Hand ist, auch mit einem handelsüblichen Frotteewaschlappen durchführen. Die Gewürzmischung Triphala ist in Bioqualität kostengünstig online zu beziehen: Hinter dem exotischen Namen verbirgt sich das – wie sich herausstellt etwas bittere – Pulver dreier verschiedener Beeren, die laut der Autorin in Indien auch in der alltäglichen Küche verwendet werden. Für meinen Gaumen ist es allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Tatsächlich gestaltet sich die erste Phase so alltagstauglich, dass mir die Disziplin auch über den ersten Schwung hinweg keine Probleme bereitet: Essenstechnisch gibt es keine Einschränkung, der Tee schmeckt mild und wärmt den Bauch, ist leicht vorzubereiten und ein guter Ersatz für meinen üblichen Gewürzchai, den ich in den Wintermonaten ohnehin literweise trinke, und schon am dritten Tag freue ich mich auf die morgendliche Trockenmassage, denn sie hat einen wunderbaren Soforteffekt: Man fühlt sich danach erstaunlich frisch und munter. Der „Rest“ – Triphala-Pulver und Ballaststoffe – wird eine Stunde vor dem Schlafengehen mit lauwarmem Wasser schnell getrunken. Zeitaufwand inklusive Zubereitung: 1,5 Minuten! Schon nach wenigen Tagen machen sich die Effekte bemerkbar, wenn auch eher subtil: Der Kopf fühlt sich leichter an, der Geist etwas frischer, auch die Kopfschmerzen gehen zurück. Allerdings stellt sich nach wenigen Tagen schon frühabends eine bleierne Müdigkeit ein, wohl ein Symptom der Entgiftungsvorgänge im Körper. Und der fallen unglücklicherweise auch immer öfter die abendlichen Yogaübungen zum Opfer.

Derweil laufen die Vorbereitungen für die zweite Phase, die Anfang Februar beginnt. Sie wird die erste wirkliche Herausforderung bringen, denn auf dem Programm steht täglich ein Glas frisch gepresster Gemüsesaft. Nach meiner bisherigen Erfahrung mit diesem Lebensmittel – ich bin bekennender Gemüsesaftverweigerer – dürfte das Auftreiben einer gebrauchten Saftpresse das kleinere Problem sein. Mehr davon im nächsten Teil des Entgiftungstagebuchs.