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Veronika Königer
21. März 2019

Flüssiges bricht Fasten nicht

Vielleicht nimmt sich so mancher vor, in der Fastenzeit auf Alkohol zu verzichten – dabei ist gerade da auch Starkbierzeit.

Nicht schlecht Herr Specht: Das stärkste Starkbier hat 57,5 Prozent Alkoholgehalt. Was den sogenannten „Bock“ sonst noch so ausmacht, wir verarten es euch. Foto: qwasder1987 - stock.adobe.com

Regensburg. Von ungefähr kommt diese Parallele zwischen Fasten und Starkbier nicht. Bayerische Paulaner-Mönche im Mittelalter, die in der Fastenzeit streng auf feste Nahrung verzichten mussten, beschlossen, dann eben die flüssige Nahrung gehaltvoller zu machen. Sie brauten ihr Bier stärker ein, verwendeten also mehr Hopfen und Malz, wodurch das Getränk mehr Nährstoffe erhielt. Damit stieg der sogenannte Stammwürzgehalt – und nebenbei auch der Alkoholanteil. Heraus kam eine Art des Starkbiers, der sogenannte Doppelbock: nach heutigen Richtlinien ein Bier mit mindestens 18 Prozent Stammwürze und damit einen Alkoholgehalt zwischen fünf und zwölf Prozent. Noch heute endet der Name von Doppelbock-Bieren oft auf die Nachsilbe -ator. Das ist eine Anlehnung an den Salvator, das erste Doppelbockbier der Paulaner-Mönche.

Die bayerischen Mönche waren aber nicht die ersten, die Starkbierbrauten: Eigentlich kommt es aus der niedersächsischen Stadt Einbeck. Daher kommt auch das „Bock“ im Namen des Biers; mit dem Ziegenbock, der auf so manchem Etikett abgebildet ist, hat das nichts zu tun. In der Stadt wurde im Mittelalter viel Bier gebraut und sogar bis nach Italien geliefert. Damit das Bier auch so lange haltbar blieb, wurde es mit einem hohen Stammwürzgehalt gebraut. So entstand das Bockbier als erste Form des Starkbiers. Nach heutigen Richtlinien muss es mindestens einen Stammwürzgehalt von 16 Prozent aufweisen, was einen Alkoholgehalt von rund sechs Prozent bedeutet – das ist generell die Untergrenze für alle Arten von Starkbier.

Nach oben hin gibt es aber kein Limit: das stärkste Starkbier hat 57,5 Prozent Alkoholgehalt! So hochprozentiges Bier kann man aber nur auf eine Art herstellen, ohne das Reinheitsgebot zu verletzen: Das Bier wird so lange heruntergekühlt, bis der Wasseranteil gefriert und extrahiert werden kann. Heraus kommt der sogenannte Eisbock, ein sehr alkoholhaltiges Starkbier. Man erzählt sich, dass der erste Eisbock durch Zufall entstand. Nachlässige Brauereigesellen ließen über Nacht Bierfässer an der frischen Luft, wodurch der Wasseranteil gefror und sich der Alkohol im Inneren des Eises sammelte. Zur Strafe mussten die Gesellen das Eis aufschlagen und die Flüssigkeit heraustrinken – die entgegen aller Erwartungen erstaunlich gut schmeckte.

Obwohl Starkbier dickflüssig und süß ist, ist es eigentlich kein Dickmacher – ein Doppelbock hat zum Beispiel weniger Kalorien als Vollmilch, sollte aber natürlich in Maßen getrunken werden, da der hohe Alkoholgehalt schnell in dem gehaltvollen Aroma untergeht und deshalb leicht unterschätzt wird! Übrigens am besten nicht einfach das Starkbier aus dem Kühlschrank nehmen und trinken: Der Geschmack entfaltet sich am besten, wenn das Getränk nicht kühler als zehn Grad ist. Natürlich gibt es auch bei uns in der Gegend viele Starkbierfeste, zum Beispiel am 23. März in der Bischofshof- Braustubn oder am Palmsonntag, den 14. April, bei Prösslbräu auf dem Adlersberg. Und wer in der Fastenzeit sein Alkoholverbot nicht brechen, aber trotzdem Starkbier haben will, sei auf den Mai vertröstet: Da gibt es dann den Maibock, zum Beispiel ab dem Maibockanstich am 1. Mai im Spitalgarten.

Veronika Königer