Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Titelfoto: Barbara Simon
28. März 2018

Ingwer und Curry total

Fasten? Frühjahrsdiät? Nein, danke! Allerdings spricht nichts gegen eine Verjüngungskur mit Tee und ayurvedischen Gewürzen, dachte sich Redakteurin Barbara Simon und startete den Selbstversuch.

Neben Ingwer und selbstgemischtem Curry legt Kulreet Chaudhary ihren Ayurvedajüngern ein Zaubermittel namens Guggul ans Herz.Barbara Simon

Regensburg. Die heiße Phase beginnt: Und das ist wortwörtlich gemeint – dank Ingwer und Curry satt, die ich jetzt mittags und abends scheiben- und teelöffelweise unter mein Essen mische. Elf Wochen dauert meine Kur inzwischen, fünf Wochen liegen noch vor mir: Laut dem Begleitbuch - „Wie neugeboren durch modernes Ayurveda“ von Kulreet Chaudhary, erschienen im Riva-Verlag für 17,90 Euro – befinde ich mich jetzt endlich in der Hauptphase des Entgiftungsprogramms. Insgesamt vier Phasen empfiehlt die Autorin, eine US-amerikanische Neurologin und Ayurveda-Ärztin, für eine umfassende, auf den ganzheitlichen Prinzipien der uralten indischen Gesundheitslehre basierende Darmentgiftungs- und Aufbaukur. Ich habe mich für die sanfte Variante entschieden, bei der jedes Stadium über einen Zeitraum von vier Wochen beibehalten wird. Erst dann wird das Programm um neue Nahrungsergänzungen, Rituale und Pflanzenpulver erweitert. Die einzelnen Phasen und meine Erfahrungen stelle ich alle vier Wochen im Rahmen eines Entgiftungstagebuchs vor.

Nebst Ingwer und selbstgemischtem Curry (aus Kreuzkümmel, Koriander, Fenchel, Kurkuma, Ingwer und Amalaki, einer indischen Stachelbeere, die als Frucht der ewigen Schönheit und Jugend gilt, allerdings nur in ausgewählten Online-Shops erhältlich ist) , die mein Verdauungsfeuer, das sogenannte Ama, auf Hochtouren bringen sollen, legt Kulreet Chaudhary ihren Ayurvedajüngern ein Zaubermittel namens Guggul ans Herz. Dahinter verbirgt sich ein Pflanzenextrakt aus indischer Myhrre, das morgens und abends als Kapsel eingenommen wird - und das es offensichtlich ziemlich in sich hat. Die erste Herausforderung besteht darin, Guggul in Bio-Qualität und in Reinform aufzutreiben: In den einschlägigen Online-Ayurveda-Shops ist es entweder gar nicht im Sortiment vorhanden, beziehungsweise Anfang des Jahres wochenlang ausverkauft. Offensichtlich ist Guggul unter Abnehmwilligen längst ein echter Geheimtipp – mit gutem Grund, wie sich noch herausstellen wird. Es braucht einige Anläufe, bis die Kapseln endlich über einen namhaften niederländischen Ayurveda-Vertrieb erhältlich sind.

Angekündigt wird es von meinem Entgiftungs-Guru als ayurvedische Wunderwaffe: Guggul regt laut der Medizinerin die Lebertätigkeit an und intensiviert so die Entgiftungsprozesse im Körper. Laut meiner Entgiftungsbibel nicht ohne Nebenwirkungen – und deren Liste ist beträchtlich: von Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, Hautausschlag bis hin zu emotionalen Verstimmungen, Reizbarkeit und Weltschmerz ist offensichtlich mit einigen vorübergehenden Beeinträchtigungen des alltäglichen Lebens zu rechnen. Die Gewichtsabnahme ist da sicherlich die angenehmste von allen. Vorsichtshalber steige ich in der ersten Woche mit der halben Dosis ein, zumal immer noch die Grippewelle über Regensburg hinwegrollt. Zwar fallen die Entgiftungsymptome weit erträglicher aus als erwartet, doch an manchen Tagen fühle ich mich durchaus ähnlich schlapp wie während einer ausgewachsenen Erkältung. Leichte Kost, Saft, Brühe und viel Schlaf schaffen immerhin zwischenzeitlich etwas Abhilfe – und es geschieht im Wissen um ein langfristiges Ziel, mehr Gesundheit, Energie und ein besseres Körpergefühl. Die Kilos purzeln allerdings erst, als kurz vor Ostern die Temperaturen steigen und ich endlich meinen Süßhunger etwas bändigen kann.

Tatsächlich stellen sich jetzt nach knapp drei Monaten auch erste „Ermüdungserscheinungen“ ein, denn das Programm wird von Phase zu Phase umfangreicher. Dabei ist es weniger eine Frage der Zeit – die Zubereitung des Tees und der Pülverchen sowie die Trockenmassagen nehmen nur wenige Minuten in Anspruch – sondern vielmehr der Disziplin und der Organisation: Zum Frühstück und Abendessen Brahmi, Ashwagandha und Guggul , eine gehörige Abreibung vor der Morgenwäsche, nebenbei den Tee aus Bockshornkleesamen, Koriander, Kreuzkümmel und Fenchel zubereiten und in der Thermoskanne bereitstellen, zum Mittag Curry und Ingwer und eine Stunde vor dem Zubettgehen nochmal Triphala und warmes Wasser mit Leinsamen und Flohsamenschalen. Nicht zu vergessen die fünf Rationen frischen Gemüsesaft und Hühnerbrühe pro Woche, die man in der Häufigkeit und Menge nach einiger Zeit etwas über hat.

Erstmals komme ich auch an meine Grenzen: An die Geschmackskombination Ingwer mit Zitronensaft und Salz kann ich mich auch nach mehreren Versuchen nicht gewöhnen und improvisiere mit in warmen Wasser eingelegten Scheiben der scharfen Wurzel. Schon diese Light-Variante ist für mich eine echte Herausforderung. So ganz nebenbei scheint das Körpergefühl „Wie Neugeboren“ doch nicht zu haben sein.