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23. Januar 2019

Regional, nachhaltig, vegan

Liefern lassen mit gutem Gewissen? Könnte bald gehen. Das Regensburger Start-up vanilla bean plant einen veganen, verpackungsfreien Lieferservice – allerdings erstmal in Berlin.

Der derzeitige Prototyp der Mehrwegverpackungen besteht aus Reisfaser. Foto: Holger Riegel

Regensburg. Wer kennt sie nicht, die Berge an Pizzaschachteln, Tüten und leeren Nudelboxen, die auf dem Couchtisch zurückbleiben, wenn man sich mal wieder Essen nach Hause liefern lassen hat. Knapp 50 Prozent des weltweit erzeugten Plastikmülls stammt von Verpackungen, acht Millionen Tonnen landen jährlich in den Weltmeeren und Schätzungen zufolge wird bis 2050 mehr Plastik in den Meeren schwimmen als Tiere, so steht es in der Pressemeldung, die vanilla bean vergangene Woche zum Start ihrer Crowdinvesting-Kampagne auf Companisto auf ihrer Homepage veröffentlicht hat.

Das Regensburger Unternehmen vanilla bean hat vor knapp vier Jahren einen mobilen Restaurantführer entwickelt, der uns die veganen Hotspots in Deutschland in Österreich aufs Handy spielt. Jetzt geht es einen Schritt weiter und will den ersten verpackungsfreien Restaurant-Lieferdienst aufziehen. „Wer online Essen bestellt, bestellt jede Menge Verpackungsmüll dazu“, sagt Fabian Kreipl, Mitgründer und CEO von vanilla bean. „Es ist frustrierend, nach einer Bestellung zu Hause vor einer kleinen Müllhalde zu sitzen. Wir wollen das ändern. Es ist Zeit für eine neue Art des Lieferns.“ Damit beschäftigt sich jetzt auch die Technische Universität Berlin, die als wissenschaftlicher Partner eng mit vanilla bean zusammenarbeitet.

Berlin – natürlich in Sachen veganer Ernährung ein großer Markt – ist auch die Stadt, in der das Projekt im Herbst starten soll, so Bastian Schumacher, COO von vanilla bean. Rund 500 000 Euro brauchen die Gründer, um ihre neueste Geschäftsidee groß ausrollen zu können. CO2-frei, fair und 100 Prozent vegan lautet die Devise, die die Gründer mit Hilfe einer Crowdinvesting-Kampagne verwirklichen wollen. Dabei verzichtet das Start-up komplett auf Einwegverpackungen und verwendet ein Mehrwegsystem aus wiederverwendbaren Reisfaser-Boxen, die kompostierbar und fair produziert sind – eine ökologische Alternative zur herkömmlichen Take-away-Schachtel. Auch die Lieferung soll mit Hilfe von Lastenrädern CO2-neutral gehalten werden.

Für Bastian ist die App-Erweiterung ein weiterer Schritt, Verpackungsmüll langfristig aus dem Alltag zu streichen. Wer sich beteiligen möchte, bekommt anders als bei einer Crowdfunding-Kampagne nicht die erste Box geschenkt oder etwas Ähnliches, sondern virtuelle Firmenanteile. Ein Investment, das sich aber gleich in doppelter Hinsicht lohnen könnte. Wir können uns definitiv vorstellen, die Crowd auch in Testprozesse einzubeziehen“, sagt Bastian. Jetzt muss allerdings erst mal das Projekt in Berlin anlaufen. Dass wir irgendwann auch in Regensburg verpackungsfrei Essen bestellen können, kann sich Bastian gut vorstellen. Immerhin sind auch hier 68 vegane Locations gelistet.