Zugegeben: An manchen Stellen gibt es Reibungspunkte zwischen den Inhalten der eben erwähnten Begrüßung, der anschließenden Einführung durch Kurator Reiner R. Schmidt und der Exposition durch Kuratorin Notburga Karl im Katalog der Ausstellung. Einerseits wird die Konkurrenz zur Fläche der Malerei erwähnt, andererseits die sinn- und genreübergreifende Auflösung und Verschmelzung von Raumdefinitionen. Jedoch sind genau diese Verwirrungen und Untrennbarkeiten der einzelnen Kernaussagen Hauptthema der Ausstellung: Klare Positionen sind während dem „Drifting Edges“- Besuch schlichtweg unangebracht.
„Drifting Edges“ erfreut sich keiner einheitlichen Übersetzung in die deutsche Sprache und kann von „fließende Grenzen“ bis „aufweitende Stoßkanten“ unterschiedlich ausgelegt werden. Das harmonisiert mit der Stimmung der Ausstellung: Abstraktion, Dekonstruktion, Auflösung von Raumbegriffen werden in flüssigem Übergang wie zum Beispiel einer Konstruktion von sanft und gediegen alternierend auf- und absteigenden silbermetallic- lackierten Luftballons behandelt. Auch das Gegenteil ist zu finden: Künstler Christian Schnurer zertrümmerte während der Eröffnung ohne Vorwarnung mit einem Eispickel eine Glasscheibe und stellte so aktivistisch-aggressiv die Zerstörung von Raumgrenzen dar.
Notburga Karl stellt fest: „Materielle Grenzen sind keine künstlerischen Grenzen.“ Und somit sollen die insgesamt etwas über 15 Exponate den Betrachter zur Erschaffung eines eigenen Imaginationsraumes um die Kunstwerke herum animieren. Wichtig sind hierbei nicht die Arbeitsweisen, sondern das Spannungsverhältnis zwischen Kunstwerk, Betrachter und Raum. Das zeigt sich besonders bei einer Installation der Kölner Künstlergruppe „Dan Dryer“ (Astrid Piethan und Jörg Koslowski). Mehrere Überwachungskameras im Hauptsaal speisen einen zentral aufgestellten Monitor mit verworrenen Bildern. Überforderung der Selbst- und Raumwahrnehmung, sicherlich eine Kritik an die mediale Schnelllebigkeit des Informationszeitalters.
„Drifting Edges“ will neue Positionen der Bildhauerei im 21. Jahrhundert festlegen: Stefanie Trojan aus Frankfurt versucht mit ihrer Performance-Kunst den räumlichen Faktor des Sozialen integrieren. Bei der Ausstellung zeigt ein weiterer Monitor die Performancekünstlerin, wie sie Anfang August zur Mittagszeit öffentlich im Brunnen am Regensburger Bismarckplatz nacktbadet und somit als Lebendskulptur die anwesenden Beobachter unfreiwillig zu Betrachtern eines Kunstwerkes macht.
Die Ausstellung läuft bis zum Sonntag, 8. Januar und ist dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr und an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: 3 Euro, rrmäßigt: 1,50 Euro (für Schüler, Studenten und Senioren). Mitglieder haben freien Eintritt.
Begleitprogramm der Ausstellung "Drifting Edges":
Sonntag, 8. Januar, 11 Uhr: Podiumsdiskussion.
Jeden Sonntag, 14 Uhr: Kuratorenführung.

