Abgeblitzte Flashmobs
„Man kann ja schon nicht mehr aus der Haustür treten, ohne dass man unbemerkt in einen Flashmob gerät“, schimpfte Andreas mal wieder. Wir gingen über den Neupfarrplatz und fanden uns mitten in einem Flashmob wieder. „Flashmob?“, werden ein paar Wenige jetzt noch fragen, „Flashmob? Was zum Teufel ist ein Flashmob?“
Ein Flashmob, liebe Leute, das ist, wenn ein paar (meist) junge Menschen gemeinsam irgendwas Überraschendes tun, was sie vorher (meist) im Internet untereinander abgemacht haben. „Als wir noch jung waren, sind wir in der Freizeit ins Kino gegangen. Oder vielleicht mal ins Theater“, lästert die graumelierte Dame hinten rechts?
Ja, mit Theater hat ein Flashmob ja auch irgendwie zu tun. Die Teilnehmer führen etwas auf. Einen „Freeze“ zum Beispiel, wenn sie sich auf Kommando für einige Minuten wie eingefroren nicht bewegen. Da sind da alle anderen Leute, die zufällig des Wegs kommen, überrascht. Und sie freuen sich.
Gut, aber: Derzeit finden in Regensburg nahezu täglich Flashmobs statt. Schüler, Studenten und Gewerkschaftler zünden Wunderkerzen an, frieren ein oder malen Kreidekreise. Weil sie so ihre Anliegen in die Öffentlichkeit tragen. Der Bologna-Prozess ist verkehrt, Studiengebühren auch, die Beschäftigung ist prekär und und und…
Die Stadt Braunschweig versteht den Spaß nicht mehr und ging kürzlich gegen einen Flashmobs auf ihrem Schlossplatz vor. Flashmobs würden, so berichtet Die Zeit, „keinem öffentlichen Interesse genügen und auch nicht der stadtgeschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung des Platzes Rechnung tragen“.
Flashmobs sind dort abgeblitzt.
P.S.: Hier nochmal alle verlinkten Flashmob-Videos:
