Zehn jungen Kreativen Raum geben. Das ist Idee, Absicht und Verpflichtung der Oswald Zitzelsberger Kunst- und Kulturstiftung, die im Andreasstadel Ateliers eingerichtet hat, die Künstler fast kostenlos mieten können.
„Es werden nur die Verbrauchs- und Nebenkosten fällig. Das sind so zwischen 80 und 100 Euro pro Atelier für 50 bis 55 Quadratmeter“, rechnet Ursula Zitzelsberger vor. Die Stiftung, die sie verwaltet und in deren Stiftungsrat sie sitzt, entscheidet, wer eines der Ateliers mieten darf. Alle zwei Jahre darf man sich bewerben. Eine Jury vergibt die Plätze an die Förderkünstler. Heuer endet die Bewerbungsfrist für die Jahre 2013 und 2014 am 30. Juni.
Atelier zwei Jahre intensiv nutzen
Hobbykünstler haben bei diesem Auswahlverfahren allerdings keine Chance. Sowohl eine abgeschlossene Ausbildung als auch eine künstlerische Laufbahn sind Pflicht. „Die Künstler sollen die Ateliers in den zwei Jahren schließlich wirklich nutzen und darin arbeiten“, begründet Ursula Zitzelsberger. „Nebenbei“ ist fehl am Platz.
So wie bei Fabian Rabsch. Der Bildhauer lebt seit 2001 von seiner Kunst. Er war gerade frisch in Regensburg angekommen, als er „von dieser guten Sache hier Wind bekam“. Mit seinen Installationen und Skulpturen konnte er die Jury von sich überzeugen und sich gegen rund 30 andere Bewerber durchsetzen.
Auch Jutta Kohlbeck durfte eines der Ateliers beziehen. Sie (be-)stickt Quilts. „Meine Bilder entstehen aus Gefühlen, die ich habe“, erzählt Jutta Kohlbeck. Ihre Erinnerungen und Emotionen spielen bei ihrer Arbeit eine große Rolle.
„Die Ideen für neue Quilts sind in mir“, so die Künstlerin. Mittlerweile vertraue sie auch darauf, dass dort immer wieder Ideen sein werden. „Mein Herz blutet inzwischen nicht mehr, wenn ich einen Quilt verkaufe. Aber ich musste erst das Vertrauen gewinnen, dass neue Bilder entstehen.“ Gleichzeitig sei es natürlich eine große Anerkennung, wenn eines ihrer Kunstwerke gekauft wird.
Arbeitsatmosphäre im ganzen Haus
Im Gespräch wird klar: Beide Künstler schätzen eine Sache besonders im Andreasstadel. „Die Chance, mit anderen Künstlern in Kontakt zu treten.“ Und auch die Arbeitsatmosphäre, die in allen Stockwerken herrscht, erfreut sich großer Beliebtheit.
Am Tag des offenen Ateliers, am Sonntag, 22. April, geben Fabian Rabsch, Jutta Kohlbeck und alle anderen Künstler den Blick hinter die Kulissen frei. Und wer es sich bereits vormerken möchte: Vom 19. bis zum 21. Oktober finden die Kulturtage im Andreasstadel statt.
Herzstück der Stiftung: Das Künstlerhaus Andreasstadel
„Wir sind stolz auf das, was wir geschaffen haben“, sagt Ursula Zitzelsberger. Gemeinsam mit ihrem Mann Oswald Zitzelsberger hat sie die „Oswald Zitzelsberger Kunst- und Kulturstiftung“ ins Leben gerufen. Herzstück der Stiftung ist der Andreasstadel, den Oswald Zitzelsberger ins Herz schloss, sanierte und zu einem Künstlerhaus machte.
3,5 Millionen Euro teuer war das Projekt. Finanziert wurde es zu 30 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung für Regensburg, zu weiteren 30 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung des Freistaates und zu 40 Prozent von Oswald Zitzelsberger.
„Wir wollten der Gesellschaft etwas zurückgeben“, erzählt die Unternehmerin. Sie hatte alles erreicht. Doch zufrieden machte sie ihr Geld nicht. Mit der Verwaltung der Stiftung hat Ursula Zitzelsberger eine „schöne und erfüllende Aufgabe“ gefunden, die sie gerne macht.
Neben der Betreuung der Förderkünstler ist sie auch Ansprechpartnerin für die festen Institutionen im Andreasstadel: Kino, Kurzfilmwoche, Heimatverein StattamHoff, Stadtmaus, Schauspielschule, Akademie.Mit ihren Mieten tragen sie einen Teil zum Unterhalt bei. Den Rest legt die Stiftung drauf. Und zwar dauerhaft: Die Finanzierung des Andreasstadels ist langfristig gesichert.

