Laute Lacher im Turmtheater

Die Sommerkomödie des Turmtheaters bietet witzige Unterhaltung, getragen von ausgezeichneter schauspielerischer Leistung.

Die beiden Spaßvögel Oliver Severin und Bettina Schönenberg leisten Großes in der Turmtheater-Sommerkomödie.

So schön vorhersehbar, so schön klischeehaft, so schön witzig – das bestätigten die lauten Lacher aus dem Publikum–, so schön leicht. So schön ist die diesjährige Sommerkomödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ im Turmtheater. Manni (Oliver Severin) und Chantal (Bettina Schönenberg) planen den großen Deal, das ganz große Geld. Feinstrumpf auf, Pistole in den Gürtel, böses Gesicht aufsetzen und los. Es könnte so einfach sein. Würde nicht die zuckersüße aber dümmliche Chantal Mannis Pläne durchkreuzen.

Einmal schnappt sie sich bei der Flucht die falsche Tüte, ein anderes Mal kommt das Gaunerpaar zu spät zur Bank und auch der nächste Versuch scheitert – Chantal besorgt die falsche Ausrüstung!

Manni und Chantals große Vorbilder Bonnie Parker und Clyde Barrow – die immer wieder musikalisch eine Rolle im Stück spielen – schafften es, mit einer Reihe spektakulärer Banküberfälle ganz Amerika in Atem zu halten. Die Turmtheater-Spaßvögel allerdings glänzen hauptsächlich durch Dummheit. Manni gibt sich als großer Planer. Doch jeder Plan hat seine Tücken, und die stecken bekanntlich im Detail. Aber Manni und Chantal wären nicht „Zwei wie Bonnie und Clyde“, wenn sie sich davon entmutigen lassen würden. Wirklich gelingen will es trotzdem nicht. Mut hin oder her. Am Ende scheint alles klar. Doch dann kommt die große Wende, die Till Rickelt (für die Inszenierung und die Bühne des Stückes, das aus der Feder von Tom Müller und Sabine Misiorny stammt, verantwortlich) unvorhersehbar gestaltet hat.

Doch leider ist das Ende eines der wenigen Dinge, die nicht absehbar waren. Chantal kommt aus ihrem Blondinen-Klischee nicht heraus, das ändert sich das ganze Stück hindurch nicht. Manni gibt den Macho, der sich bedienen lässt und auf Chantal herabschaut – was soll er aber auch sonst anstellen mit seinem Blondchen?

Sehr, sehr leicht kommt die Komödie daher. Fast schon zu leicht. Doch Bettina Schönenberg und Oliver Severin reißen’s raus. Die beiden spielen so erfrischend, so exakt und so witzig, dass sie wunderbar an der flachen Story vorbeitäuschen können. Schönenberg und Severin sieht man die Spielfreude an. Vor allem Schönenberg, die im Gegensatz zu Severin, der als Manni irgendwann verzweifelt, während des ganzen Stückes ihre fröhlich-dümmliche Unbeschwertheit spielen darf, ist ein Hingucker und Lichtblick. Beide überzeugen – was die Story nicht immer schafft. Doch wenn man „Zwei wie Bonnie und Clyde“ einfach und schlicht als das nimmt, was es ist, nämlich eine Sommerkomödie und das Theater machen lässt, was es möchte, nämlich einfach unterhalten, dann steht einem ein toller Abend bevor. Verschwiegen werden soll außerdem auch nicht, dass recht oft laute Lacher durchs Publikum gingen. Spaß gemacht hat das Stück also allemal.

„Zwei wie Bonnie und Clyde“ läuft ab sofort bis einschließlich Sonntag, 9. September von Donnerstag bis Sonntag um 20 Uhr (Einlass: 19.30 Uhr). Im Anschuss zeigt das Turmtheater im September „Mei Fähr Lady“, „Sosani Tanztheater“, „Faltsch Wagoni – Deutsch ist dada hoch 3“, „Katharinas Schaubude“, „Sebastian Nicolas – Magic Dienstag“ und „Fanny macht Ernst“.

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