„Franz muss in die Pötte kommen“

Die „Eberhoferkrimi“-Hauptdarsteller Sebastian Bezzel und Simon Schwarz äußern sich im Kreuzverhör zur „Grießnockerlaffäre“.

Sebastian Bezzel und Simon Schwarz stehen Redakteur Robert Torunsky Rede und Antwort.

In der „Grießnockerlaffäre“ gerät Franz Eberhofer diesmal selbst ins Fadenkreuz der Ermittlungen, als sein Vorgesetzter Barschl ermordet wird. Die Hauptdarsteller Sebastian Bezzel und Simon Schwarz berichten über die Dreharbeiten und die Erweiterung des ,Eberhofer-Kosmos‘.

Wie unterscheidet sich die „Grießnockerlaffäre – außer natürlich vom Drehbuch – von ihren drei Vorgängern?

Simon Schwarz: Ich finde, dass dieser Teil ernster ist, auch wenn er natürlich wieder sehr lustig ist. Er ist aber auch berührend. Es wird etwas aus dem Ebehofer-Kosmos erzählt, das wir noch nicht kennen. Und natürlich, der Umstand, dass man angeklagt ein Mörder oder verdächtig zu sein, ist jetzt auch Nichts, was nicht ohne Tragik und inneren Druck abgeht.

Sebastian Bezzel: Der Druck auf den Eberhofer ist dieses Mal auch sehr viel größer, denn er muss jetzt nochmal anders in die Pötte kommen. Das Bluesige vom „Dampfnudelblues“ nach dem Motto „Mal schauen, was die Ermittlungen so bringen“, geht jetzt nicht mehr. Und ganz wichtig ist auch noch die Geschichte mit der Oma, da sie auch noch einmal was aufmacht, was die ganze Familie betrifft. Ich finde, das ist eine schöne Geschichte, denn sie ist nicht so draufgesetzt und trotzdem sieht man, was bei Familien so alles sein kann. Und das tut meiner Meinung nach der ganzen Geschichte sehr gut, dass es ein bisserl ernster wird.

Waren die neuen Facetten schwieriger zu spielen?

Simon Schwarz: Nein.

Sebastian Bezzel. Nein, es wäre, glaube ich, viel schwieriger zu spielen gewesen, wenn es wieder genau gleich gewesen wäre. Man hätte sich gefragt: Was mache ich jetzt neu? Wir hatten wieder so ein gutes Buch und das regt die Fantasie an.

Simon Schwarz: Stimmt. Auch wenn man eine Figur schon öfter gespielt hat, ist es trotzdem jedes Mal etwas Neues, denn die Emotionen muss ich ja wieder neu darstellen.

Sebastian Bezzel: Je differenzierter eine Figur ist, umso spannender ist es.

Ist es für den Birkenberger auch schwieriger, weil diesmal sein – wie er im Film gesteht – „einzig wahrer Freund“ unter Mordverdacht steht?

Simon Schwarz: Der Rudi zweifelt nie daran, dass der Franz etwas falsch gemacht hat.

Sebastian Bezzel: Er fragt auch nie: „Warst Du es eigentlich?“

Simon Schwarz: Das steht für ihn außer Zweifel. Er verbeißt sich ja ohnehin in jeden Fall, egal was es ist. Das ist ihm einfach auch wichtig, da ist er fast fundamentalistisch. Deswegen ist er ja auch nicht zur Polizei zurückgekehrt, da er damals es überhaupt nicht eingesehen hat, sich auf irgendeinen Kompromiss einzulassen. Die Anklage macht es deswegen nicht schwerer, sondern für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, weil er ja auch loyal ist. Und der Franz ist zum Rudi ja auch extrem loyal. Sie sind ja tatsächlich ein Team.

Der Franz verträgt aber nur eine gewisse Dosis Rudi.

Simon Schwarz: Sie sind halt unterschiedliche Charaktere. Rudi hätte es gerne immer so und der Franz ist halt nicht der Typ dazu.

Sebastian Bezzel: Der Franz braucht ihn immer, aber in dem Fall braucht er ihn wirklich ganz besonders. Er sagt ja auch am Schluss zu ihm „Merci“ – das gab es ja noch nie.

Simon Schwarz: Und der Rudi sagt: „Jeder hat seinen Platz“, was auch eine Erkenntnis vom Birkenberger ist, dass sie doch nicht heiraten werden (lacht).

Werden sie nach vier Teilen eigentlich zu sehr festgelegt auf diese Figuren?

Sebastian Bezzel: Wenn ich abends in der Kneipe in München sitze, was ab und zu vorkommt, wenn ich da bin, kann das schonmal passieren, dass man als Eberhofer angesprochen wird. Aber ansonsten haben wir beide ja das Glück, dass wir nicht Anfang 20 und es nicht die ersten Rollen sind, mit denen wir bekannt geworden sind. Ich schaue halt auch immer sehr, dass ich noch andere Sachen nebenbei drehe. Das habe ich aber früher beim „Tatort“ auch schon gemacht. Wenn jetzt irgendwelche bairisch-lustige Bauernhof-Polizei-Stoffe kämen, müsste man die auch halt mal absagen, um nicht den nächsten Eberhofer in Grün zu machen. Das ist eben aber auch die Chance, wenn man so eine schöne Rolle spielen kann.

Simon Schwarz: ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich festgelegt werde. Die Eberhofer-Reihe ist sehr erfolgreich, aber eben auch lokal begrenzt.

Sind die Dreharbeiten immer wie ein Klassen- oder Familientreffen?

Sebastian Bezzel: Dafür ist es zu viel Arbeit. Wir mögen uns alle ziemlich gern und es ist ein total nettes Miteinander. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her und wir haben mit Ed Herzog einen ganz tollen Regisseur, der mit sehr viel Ruhe und sehr viel Humor an die Sache herangeht. Aber trotzdem sind die Drehtage immer sauvoll. Es wird immer weniger Zeit, die man für so einen Film bekommt. Und deswegen hat man zu viel auf dem Zettel für ein reines Klassentreffen. Manchmal hat man was davon, wenn wir in Niederbayern drehen und alle im gleichen Hotel sind – wenn man sich dann abends trifft, ist es natürlich sehr nett.

Simon Schwarz: Dadurch dass wir vier Minuten Film am Tag drehen müssen und nur 28 Tage zur Verfügung haben, muss man einfach Gas geben. Man kann es sich nicht erlauben, einen Tag - oder manchmal sogar eine Szene – zu verlachen. Wenn die Klappe geschlagen wird, muss man eben einfach auch gut sein. Die Amis drehen sechs Monate an einem Film, laufen aber im gleichen Kino wie wir. Wir haben deswegen einen anderen Druck und müssen extrem konzentriert arbeiten.

Gerade beim Abspann und dem Lied von Christian Steiffen stell ich mir das sehr schwer vor.

Sebastian Bezzel: Das ist auch saulustig, aber beim Dreh eben nur beim ersten Mal. Die drehen dann die Einstellung und die Einstellung und als Schauspieler denkst Du „Gut, jetzt habe ich es geschafft“ und dann kommt „Nix da, wir brauchen noch drei andere Einstellungen.“ Und mit jeder Szene verliert es an Lustigkeit und erfordert noch mehr Konzentration. Das Niveau zu halten, ist dann das eben das schauspielerische Handwerkszeug.

Simon Schwarz: Das ist nix anderes wie ein Fußballer, der am Elfmeterpunkt steht. Der muss sich konzentrieren, damit er den Ball reinschießt und kann sich erst hinterher freuen. Die Schlussszene – ich war ja nicht dabei – war sicherlich schwierig. Es war spät in der Nacht, es dürfen keine Überstunden gemacht und Ruhezeiten müssen eingehalten werden. Auch beim Playback mitsingen darf kein Fehler unterlaufen, da ist hohe Konzentration gefordert. So wahnsinnig viel gelacht wird da gar nicht. Und hinter der Kamera – bei Maske, Garderobe et cetera – ist es genau das Gleiche.

Gibt es trotzdem eine Lieblingsszene?

Sebastian Bezzel: Nein, eher so Momente an die ich gerne denke und sich eingebrannt haben. Bei „Schweinskopf Al Dente“ war das die letzte Einstellung des Tages. Da sollten wir nochmal Berg rauffahren und Sigi Zimmerschied (Dienststellenleiter Moratschek) hat in seinem blauen Schlafanzug neben mir eine Panikattacke gespielt. Und da ist mir wieder eingefallen, dass der Sigi in den 80ern ein großes Vorbild war. Ich ein Jugendlicher, er ein wilder Kabarettist. Und jetzt liegt er da und wir spielen zusammen.

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