2000 illegale Downloads

Der Regensburger Musiker Markus Hof produzierte aus eigener Tasche ein Album, das kostenlos auf zwei russischen Websites landete.

Das Album „Something in the Way“ von Markus Hof alias The Flood findet reißenden Absatz. Doch bezahlen mag für die Musik kaum jemand.

Markus Hof kann gerade die Welt nicht verstehen. Der Regensburger hat mit seinem Electro-Pop-Projekt „The Flood“ ein Album aufgenommen und sich erhofft, dass er dadurch zwar nicht zum Weltstar wird, aber wenigstens eingefleischte Fans seines Musik-Genres erreicht. Und er wollte zumindest auch die Unkosten für die Album-Produktion reinholen. Doch von der Realität wurde er vor den Kopf gestoßen. Erst knapp 20 Mal ging „Something in the Way“ bisher über den Ladentisch.

Im krassen Gegensatz stehen dagegen inzwischen mehr als 2000 illegale Downloads von seinem Debüt – eine Anzahl, die bei regulär verkauften Exemplaren sogar für eine ganz ordentliche Chartposition ausreichen würde. „Ich nehme an, dass jemand, der das Album gekauft hat, die Songs illegal ins Netz gestellt hat.“ Fakt ist: Kurz nachdem er „Something in the Way“ im Eigenvertrieb veröffentlicht hatte, tauchte eine illegale Version davon kostenlos auf zwei russischen Websites auf. Von dort wurden sie dann über 2000 Mal runtergeladen.

„Es freut mich natürlich schon, dass eine Menge Leute meine Musik runterladen“, sagt Hof mit einer Menge Galgenhumor in der Stimme. „Wenn nur ein Zehntel – oder wenigstens ein Hundertstel – der Downloads davon bezahlt wären, wäre ich schon froh.“ Der 38-Jährige nimmt seine Musik im eigenen Studio auf. Für das Mastering und die Herstellung von 300 CDs bezahlte er aus eigener Tasche 1200 Euro. Dass er das Geld je wieder hereinbekommt, glaubt Hof nicht. „Das ist eher unwahrscheinlich. Der Zug ist abgefahren.“

Illegale Downloads treiben Musikschaffenden seit Jahren den Schweiß auf die Stirn. Musik, die veröffentlicht wurde, taucht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in illegalen Tauschbörsen auf. Seine Lieblingsbands dort aufzustöbern, ist selbst für einen Laien eine Sache von wenigen Augenblicken. Dem bezahlten Download steht die gleiche Datei ein paar Mausklicks weiter kostenlos gegenüber. „Die Musikindustrie hat lange gepennt“, wirft Markus Hof den Plattenfirmen vor.

Er kann es aber auch nicht verstehen, warum Musikfans den Wert der Musik nicht anerkennen: „Wie schlimm ist die Mentalität, dass Leute nichts mehr dafür bezahlen wollen.“ Dabei ist sein zumindest bei illegalen Downloadern stark angesagtes Album verhältnismäßig günstig zu haben. Für 5,95 Euro bietet der Online-Versand Poponaut die CD an, nur 4,95 Euro kosten die MP3-Version bei einschlägigen Onlineportalen, wie iTunes oder Amazon.

„Für Nachwuchskünstler ist die Musik ist ein sehr teures Hobby geworden“, meint der Regensburger. Seinen Humor hat er aber nicht verloren: „Das Beste wäre es wohl, wenn ich jetzt in Russland auf Tournee gehen würde. Genügend Fans hätte ich den Downloadzahlen nach dort längst.“

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