Die Beats müssen tiefer gehen

Am Sonntag, 25. Dezember machen Andi und Hannes alias „Gebrüder Teichmann“ auf ihrer Album Release-Tour Halt im Gloria und stellen ihr neuestes Werk „They Made Us Do It“ vor.

Hannes (links) und Andi Teichmann stellen am Sonntag, 25. Dezember im Gloria ihre neue CD vor.

kult.de traf die beiden Exilregensburger und sprach mit ihnen bei Fingerfood und Spezi über Schnittstellen, Kultur und Techno- Partys.

Zwar haben die Brüder den Ursprung ihrer musikalischen Schaffensgeschichte in der eigenen Punkband Totalschaden, doch mittlerweile sind sie bei elektronischen Tönen gelandet. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war die Band BeigeGT, die die Beiden mitbegründeten. Hannes spielte dort den Moog, einen Synthesizer, den man lernen muss „wie eine Gitarre“, und somit eine perfekte Möglichkeit ist, den Live-Charakter der Rockmusik mit treibenden Sequenzen der Elektronik zu versehen.

Genau diese Schnittstelle ist den Teichmanns heute noch wichtig, egal ob bei Live-Auftritten oder bei der Studioarbeit. Die Mischung aus elektronisch-geschientem Clubsound, aus Sequenzern und Computern und der instrumentellen Freiheit des Live-Spielens macht’s.

Den Begriff „Genre“ mögen sie gar nicht. Nicht nur, wenn man über ihre Musik spricht. Ein „Genre“ ist Andi Teichmanns Meinung nach eine „fragwürdige Sache“ und definiert sich darüber, dass es erlernbar ist. „Belangloses Reproduzieren“, nennen es die Brüder. Wichtig sei das Schaffen von Neuem. Nicht nur eine belanglose Fusion, bei der irgendwo ein elektronischer Beat draufgesetzt wird. „Nein, es muss tiefer gehen“, so Andi.

2002 wurde den Brüdern der Kulturförderpreis der Stadt Regensburg überreicht. Eine große Ehre für die Brüder, für die jedoch der gesamte Kontext der vielen Nebenprojekte der Bandgeschichte entscheidend ist. Austausch und Inspiration plus die Schaffung eines Netzwerks sind Ziele, die für die Gebrüder wichtig sind.

Längst treten Andi und Hannes Teichmann nicht nur in Deutschland auf, sondern sind mittlerweile auf der halben Welt zu Hause. Mit Stationen wie den Philippinen, Sibirien, Kabul und Kenia stellen sie wohl eine der internationaleren Bands dar. Mittlerweile ist der Anspruch jedoch etwas höher, als nur hinzufahren, aufzulegen und dann wieder nach Hause zu fahren. Mit der Zeit machte sich bei den Teichmanns ein innerer Wunsch nach Austausch und Synergie mit den jeweiligen Künstlern des besuchten Landes breit.

Durch die Reisen entdeckten sie in den vergangenen zehn Jahren ein neues Feld, das ganz anders in die Musik mit einfließt. „Technopartys sehen vielleicht von außen aus, als würden da Leute tanzen und sich volllaufen lassen, aber es gibt dabei eine wahnsinnige Energie, die in jedem Land fließen kann“, weiß Andi Teichmann.

Mit dem Goethe-Institut reisten die Gebrüder 2011 unter anderem auch nach Indien, um den Menschen dort zu zeigen, dass es auch anders geht. Generationen und soziale Schichten werden bewusst ignoriert. Die Teichmanns versuchen, einen kleinen Anstoß zu geben, monopolisierte Institutionen wie Bollywood und Konsorten in Frage zu stellen. In Europa habe man das Glück, dass der Zugang zu allen Stilrichtungen offen ist und auch musikalische Bildung gegeben ist.

„Du gehst nur ein paar Länder weiter und es gibt keine Plattform, auf der Musik außerhalb von Mainstream existieren kann“, erzählt Hannes Teichmann. Wichtig ist für die Brüder, Leute dazu zu bewegen, sich etwas zu trauen und auf ein Schlagzeug zum Beispiel auch mal draufzuhauen, ohne es zuvor ausgiebig studiert zu haben. Hürden zu überwinden und sich eventuell auch mal eine Blöße zu geben, solange man etwas dabei lernt und sich getraut hat. Nur so komme man weiter.

Am Sonntag, 25. Dezember kehren die Brüder nach zweijähriger Abstinenz wieder zurück „nach Hause“ – ins Gloria. Mit dabei sind Toby Deschamps, ein weiterer Exil- Regensburger, und das neue Album „They Made Us Do It“.

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