Eingetaucht in Farben

Wassermanns Fiebertraum veröffentlichen ihr zweites Album „Tauche die Welt in Farben“. Am Freitag, den 13. Dezember findet das Release-Konzert im Büro statt. Gitarrist Michael Lobesan gibt erste Einblicke.

Das Release-Konzert des neuen Albums „Tauche die Welt in Farben“ findet am 13. Dezember im Büro statt.

„Die Wolken sehen aus wie ein riesiger Ozeandampfer", träumte sich Joschka fort, während er summend auf dem Bett lag und seinen Wuschelkopf in die Hände stützte. Dabei stellte er sich vor, wie sich der kleine Bach in der Nähe des Hauses allmählich in ein rauschendes Meer verwandelt, das er in einem selbst gebauten Holzboot erkundet...“

kult: So beginnt die Konzeptgeschichte für „Tauche die Welt in Farben“. Worin besteht das Konzept?

Michael Lobesan: Das Konzept des Albums dreht sich um einen kleinen, verträumten Jungen, der mit seiner alltäglichen Gewohnheit brechen will. Aus Motiven eines stechenden Fernwehs, der Sehnsucht nach der Fremde und neuen Welten verlässt er seine Heimat und macht sich auf Abenteuersuche. Mehr verraten wir noch nicht!

Seid ihr mit dem Album zufrieden?

Unser Zweitlingswerk fällt, entsprechend dem Konzept, ziemlich fröhlich, heiter, verspielt und dynamisch aus und folgt recht gängigen Strukturen. Auf Ohrwurmcharakter und Prägnanz haben wir in diesem Rahmen beim Songwriting sehr großen Wert gelegt. Der Schreibprozess von „Brandung“ hatte für mich überwiegend eine kathartische, therapeutische Funktion, das heißt negative Gefühle und Gedanken in der Musik verarbeiten. „Tauche die Welt in Farben“ funktioniert gegenteilig: Die Lieder haben einen so positiven Charakter, dass man sie nutzen kann, um in eine gehobene, zuversichtliche, fröhliche Stimmung zu kommen. Das gefällt mir.

Wie ist das Album entstanden?

Im Vergleich zu unserer ersten Scheibe entstand unser Folgealbum mehr aus kollektiver Arbeit - direkt live und loud im Proberaum, über den Austausch von musikalischen Ideen und Skype-Konferenzen über musikphilosophisches Geplänkel im Internet. Die Geschichte bastelten Peter und ich sukzessive an gemeinsamen Abenden bei Kerzenschein und Jazzmusik zusammen (lacht). Rein technisch gesehen wurden die Lieder auf „Tauche die Welt in Farben“ in einem Tonstudio in Passau aufgenommen, wohingegen Markus Pissarek die Konzeptgeschichte in Regensburg vertonte.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Dr. Pissarek von der Universität?

Ich hatte Dr. Markus Pissarek in einem Uni-Seminar, das sich mit der Förderung von Mündlichkeit im Deutschunterricht auseinandersetzte. Er selbst vertonte in seiner Laufbahn schon mehrmals Gedichte mit Kindern, leitete Poetry Slams und ist Teil des literarischen Kabaretttrios Erdbeermund. Nachdem Peter und ich die Konzeptgeschichte geschrieben hatten, musste ich aufgrund seiner Erfahrung an ihn denken, worauf ich ihn kontaktierte. Er sagte sofort zu!

Wie würdest du eure musikalische Entwicklung beschreiben?

Ich hasse es, wenn alles gleich und unverändert bleibt! Also finden sich auf unserer zweiten Platte ein paar Midi-Keyboardeinsätze sowie so manche Gesangspassagen, die mit der Musik mitschweben. Das Songwriting wurde dieses Mal mehr auf Prägnanz, Gängigkeit und verspielte Gitarrenarbeit ausgerichtet.

Ihr habt auch einen neuen Bassisten, genannt Michi oder Bert. Wie kam es zum Wechsel?

Ich kenne Michi über die alternative Gitarrenmusikszene in Regensburg und über sein Wirken in einer befreundeten Postpunkgruppe. Die Trennung von unserem ehemaligen Bassisten Reini hatte persönliche sowie musikalische Gründe. Wir sind im gegenseitigen Einverständnis und Respekt auseinander gegangen, was uns sehr wichtig war.

„Tauche die Welt in Farben“ wird auf dem Label „Catanarchy Records“ veröffentlicht. Um welches Label handelt es sich dabei?

Catanarchy Records wurde von befreundeten Veranstaltern aus Österreich frisch aus dem Boden gestampft. Domenik Riedl aus Linz, der das Label hauptsächlich leitet, spielte schon länger mit dem Gedanken, ein Label zu gründen. Gegenseitig spornten wir uns an, diese Idee in die Realität umzusetzen. Es fühlt sich sehr gut an, in dieser Angelegenheit mit vertrauten, bekannten Personen auf einer Ebene zusammenzuarbeiten.

Was erwartet die Gäste auf dem Release-Konzert?

Wir präsentieren von vorn bis hinten komplett eins zu eins unsere „Tauche die Welt in Farben“ mit eingebauten Schnipseln der vertonten Geschichte. Mit im Gepäck haben wir sie dann auch noch vorerst als CD-Rom, bald danach auch als Vinyl, beide gekleidet in farbkräftiges Artwork.

Wie geht´s nach der Albumveröffentlichung mit euch weiter?

Nach dem Albumrelease werden wir weiterhin viele Konzerte spielen. So steht im April 2014 beispielsweise eine Tour mit Dornenreich und Heretoir an, die sich über Deutschland nach Österreich bis hin in die Schweiz zieht. Uns wächst zudem schon der dicke Schaum vor unseren Mündern, da wir wieder länger in den Proberaum, experimentieren und neue Lieder entwerfen wollen.

Wer sich vom gitarrenlastigen Alternative-Postrock der Band überzeugen will und bereit ist, sich einer Geschichte aus Sehnsucht und Abenteuerlust und einem Zustand losgelösten Hineinfallens in eine Welt voller Träume hinzugeben, dem ist das Albumrelease am Freitag, 13. Dezember im Büro wärmstens ans Herz zu legen.

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