Hemdsärmeliger Blog für Fans

„Heartcooksbrain“ ist ein neuer, vielleicht aufstrebender Musikblog mit deutlichem Hang zum Rock. Die Macher: Zwei Regensburger und ein Hamburger.

Die zwei Regensburger Blogger von Heartcooksbrain Martin Oswald (links) und Martin Smeets.

Den Blog gibt es seit Ende 2010: Martin Smeets, 25-jähriger Student aus Regensburg, hat ihn als Ein-Mann-Projekt gestartet. „Das war nicht mords geplant“, sagt er. „Ich wollte schon immer so etwas in der Art machen.“ Gesagt, getan: Plattform eingerichtet, die ersten Sachen geschrieben und gleich auf Facebook verlinkt. In kurzer Folge stießen Martin „Modl“ Oswald (27) und der Hamburger Student Dominik Iwan, den sie von früher kennen, dazu. „Heartcooksbrain“ bietet Musikliebhabern verschiedene Kategorien zum Stöbern: News, Platten(-kritiken), Wiederhören (für Tonträger, die man nach Jahren wieder ausgräbt), Fundgrube (kleine und noch unbekanntere Bands, die hier vorgestellt werden), Live (Konzert- und Festivalberichte), Meinung (Lifestyle und Politisches im Bezug auf die Musikszene) und ein Best of. Allerdings eben für Liebhaber bestimmter musikalischer Nischen.

Hier sind die Zuständigkeiten klar: „Der Modl ist mehr für das Heulsusen-Zeug zuständig“, sagt Smeets. „The Unwinding Hours, Sigur Rós und sowas. Ich mache die Hardcore-Themen, der Dominik ist unser Punker.“ Man beschränkt sich eher auf Independent, Postrock, Hardcore, Punk, Modern Hardcore. „Pop oder Metal wird man für gewöhnlich nicht bei uns finden“, sagt Oswald. „Wir sind schon rocklastig.“ Für andere Sachen gebe es ja eh unzählige Fanzines, so Smeets „Wir sind kein Szenemagazin. Wir besprechen, was wir selber hören.“ Und das seien eher kleine Bands, über die sonst wenig geschrieben wird.

„All das, was in der breiten Öffentlichkeit stattfindet wird man bei uns eher nicht finden“, sagt Oswald. „Von hemdsärmelig bis dilettantisch“ beschreiben die Blogger sich selbst in ihrem Facebook-Auftritt. „Wir schreiben von Fan zu Fan, wir sind ja keine professionellen Musikjournalisten“, sagt Smeets. „Es ist immer anmaßend, Kunst zu bewerten“, so Oswald. „Man hat ein Werk vor sich, und wenn man das bewertet, stellt man sich auf ein Podest – deshalb hemdsärmelig. Aber wieso nicht? Ich höre viel Musik, beschäftigte mich viel damit, also wieso nicht auch darüber schreiben?“

Möglichst täglich wollen die drei Artikel veröffentlichen. „Manchmal bleibt viel auf der Strecke, was wir uns so vornehmen“, sagt Oswald. „Das ist abhängig von der Zeit, wir studieren und arbeiten ja noch.“ Anfangs wurden Platten besprochen, die sie mochten. Aber ist es dann nicht ein Problem, dass man durchwegs gute Kritiken veröffentlicht? Klar, sagen Smeets und Oswald, grundsätzlich sei mehr Positives dabei, das sei aber dem Fan-Status geschuldet. „Aber wenn eine Band mal ein Album vergeigt, dann muss man das auch sagen“, meint Oswald.

Mittlerweile bekommen sie auch Musikproben von Kleinstlabels zugeschickt. „Das war cool“, erzählt Smeets. „Als ich nach Wochen in unseren Mailordner gesehen und entdeckt habe, dass uns Labels angeschrieben hatten.“ Finest Noise, 100 Kiloherz oder Fluttery Records beispielsweise. Auch kleinere Bands schicken ab und an Anfragen für eine Besprechung oder Konzerte. „Mit unsren Klickzahlen können wir trotzdem noch nicht hausieren gehen“, sagt Smeets. Wenn mal längere Zeit nichts veröffentlicht wird, sei die Anzahl der Aufrufe kaum nennenswert. „Wenn wir allerdings viel veröffentlichen und auf Facebook verlinken, merkt man schon, wie die Klickzahlen steigen. Bei manchen Sachen sogar in den höheren dreistelligen Bereich.“ Und das nicht nur aus Deutschland. „Wir haben auch Aufrufe aus den USA, Schweden, Norwegen, Österreich oder Lettland“, sagt Smeets.

Des öfteren nehmen die Autoren in ihren Kritiken auch Bezug auf die bekannten Magazine. „Manchmal macht’s ja auch Spaß, wenn man den Etablierten ein bisschen auf die Füße treten kann“, sagen sie. Feste Sitzungen oder Besprechungen gibt es nicht, einzig ein grober Plan wird erstellt. „Wir sind noch dabei, uns zu strukturieren; wir sind noch oft im Verzug“, so Oswald. „Wir müssten schon noch disziplinierter werden. Aber es ist ja Hobby, kein Job. An der ganzen Sache verdienen wir keinen Cent. Aber es ist ein Aufwand, den wir gerne betreiben.“

Leidenschaftliche und laienhaft – so beschreiben sie selbst ihr Musikblog. Laienhaft versteht sich von selbst. Und leidenschaftlich? Leidenschaftlich verteidigen sie jedenfalls, was sie tun und sie tun es auch mit viel Herz. Das merkt man ihnen an, wenn sie in Zwiegespräche verfallen. Ein Hobby, das zu einer kleinen Obsession wurde. Und die Internetgemeinde darf daran teilhaben.

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