Landeanflug auf Regensburg

Sie sind die Überflieger der neuen Volksmusik. Und sie sind am Mittwoch, 11. Juli in Regensburg: HMBC.

Philipp Lingg, Frontmann der Band HMBC weiß, wovor er redet, wenn’s um Musik geht. Er und seine vier Kollegen sind Profis auf ihrem Instrument(en) und von Kindesbeinen an in die Kunst der Volksmusik eingewiesen.

Jeder kennt sie. Und erkennt sie aber nicht immer. Das liegt daran, dass man ihre Titel kaum aussprechen kann. Ihr Song „Vo Mello bis ge Schoppornou“ ist schon ein Zungenbrecher. Der Bandnamen setzt noch einen drauf: Holstuonarmusigbigbandclub heißen die fünf Jungs aus Vorarlberg. Gängiger und Eingängiger ist die offizielle Abkürzung: HMBC. Am Mittwoch, 11. Juli darf gemeinsam die Aussprache geübt werden. Da ist der HMBC nämlich im Gloria Kulturtheater. Mit dabei ist – freilich – auch Frontmann Philipp Lingg.

kult: Ihr kommt zwar alle aus dem Vorarlberger Bregenzerwald, trotzdem trennen eure Heimatdörfer 70 Kilometer. Und auch die Orte, in denen ihr allesamt Musik studiert, sind in Österreich verstreut. Wie habt ihr euch zusammengefunden?

Philip Lingg: Wir kommen ja ursprünglich alle aus dem Bregenzerwald. Da gab es Seminare für Volksmusik, und unsere Eltern warn so gscheid und ham uns hingschickt. Da haben wir uns kennengelernt.

Warum muss es Volksmusik sein?

Muss es nicht. Wir arbeiten mit allen möglichen Musikstilen wie Pop, Jazz, Reggae und Hip-Hop und verändern sie bis zum Unkenntlichen. Mit Volksmusik sind wir aufgewachsen, deswegen wird sie immer eine Rolle spielen. Aber vorschreiben lassen wir uns nichts.

Und warum Dialekt?

Das ist die Sprache, mit der wir aufgewachsen sind, in der können wir uns leicht ausdrücken. Aber ich sehe die Sprache auch als Spielplatz. Ich nutze sie so, wie sie passt. Da ist es egal, ob Dialekt, Englisch oder Hochdeutsch.

Euer Song „Vo Mello bis ge Schoppornou“ schwappte von Österreich rüber nach Bayern und wurde prompt Bayern 3-„Liebling des Jahres“. War euch klar, dass ihr mit eurem Vorarlberger-Dialekt auch hier genau ins Schwarze trefft?

Das war ein glücklicher Zufall und eine sehr schöne Sache. Aber vorher erwartet haben wir das nicht.

Den Song gab’s bereits seit 2009. Aber nachdem ihr im Juli 2010 das Video auf YouTube veröffentlich habt, kam der große Erfolg. Wie groß ist der Anteil, den das Internet an eurem Durchbruch hat?

Als fast unbekannte Band ist diese Plattform eines der wichtigsten Elemente. Es gibt keine ehrlichere Meinung als Klickzahlen.

Auf euren ersten beiden Alben sind fast nur Coverversionen zu hören, und auch auf Konzerten spielt ihr immer wieder ein Cover. Habt ihr nicht genug eigene Sachen?

Doch, aber die Cover machen den Reiz aus. Wir haben mit Covern angefangen und so gelernt, wie wir mit der Band umgehen können. Die guten Nummern sind hängengeblieben, und die spielen wir immer noch.

Andreas Broger spielt Saxofon, Klarinette, und Flöte. Bartholomäus Natter kann Trompete und Flügelhorn. Stefan Bär weiß, wie man mit Tuba und Tenorhorn umgeht. Du spielst Akkordeon und Gitarre. Johannes Bär setzt noch einen drauf: Er spielt Euphonium, Posaune, Flügelhorn, Tuba, Helikon, Didgeridoo, Tamburin und Trompete. Wie viele Instrumente könnt ihr alle zusammen spielen?

Puh. So etwa 30?

Viele Bands geben vor, gar nicht am großen Erfolg interessiert zu sein, solange sie Musik machen können, die ihnen gefällt. Wie sieht’s da bei euch aus?

Das kommt darauf an, was Erfolg ist. Wenn Erfolg Geld meint, finde ich es natürlich wichtig, dass man seine Semmeln und seine Wohnung bezahlen kann. Aber für mich bedeutet es auch, neue Leute kennenzulernen und nach den Konzerten glückliche Gesichter zu sehen. Wir sind autark geblieben. Deswegen gibt es unsere Musik noch.

Bei den Amadeus Austrian Music Awards habt ihr Hubert von Goisern ausgestochen. „Vo Mello bis ge Schoppornou“ wurde zum Song des Jahres gekürt – und nicht „Brenna tuats guat“. Hättest du es Hubert von Goisern auch gegönnt?

Ja sicher! Hubert von Goisern ist schon so lange im Business, hat viele seiner Träume im Ausland bereits verwirklicht und sein Revival durchgezogen. Wir haben alle großen Respekt vor ihm. Im Juli dürfen wir mit ihm ein Konzert spielen, was uns sehr freut. Aber selbstverständlich freuen wir uns auch wahnsinnig über unseren Preis!

Karten für das Konzert am Mittwoch, 11. Juli um 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr) gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Musik.

Ein HMBC-Konzert schreit nach mehr.

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