Allein und doch gemeinsam

Coworking heißt die neue Arbeitsform, die mittlerweile in vielen deutschen Städten den Alltag von Freiberuflern und Selbständigen bestimmt. Obwohl in Regensburg der Zuspruch noch nicht sehr groß ist, soll es bald ein neues Coworking Space geben.

Vier Köpfe, ein Ziel: Coworking in Regensburg. Sie wollen das erste Coworking Space der Stadt eröffnen. Zentrumsnah, mit guter Anbindung und Parkplätzen – und zu günstigen Preisen. Ende 2010 haben Daniel Wagner, Thomas Becheru, Evgenij Krysin und Alexander Becheru ihre Idee geboren. Seitdem eigneten sie sich jede Menge Wissen rund ums Coworking an, sie planen und treffen sich regelmäßig mit anderen Interessierten zum gegenseitigen Austausch. Nun scheint endlich eine geeignete Immobilie in Aussicht, die mit ihren fast 400 Quadratmetern alle Voraussetzungen erfülle und deren Vermieter offenbar gewillt ist, dem Projekt eine Chance zu geben. Unterschrieben ist allerdings noch nichts, sagt Mitinitiator Thomas Becheru, deswegen sei die Sache auch noch nicht hundertprozentig sicher.

Was ist das – Coworking? Der Begriff bedeutet so viel wie „zusammen arbeiten“, eben co-working. Der Trend kommt aus den USA, zeichnet sich seit einigen Jahren aber auch in vielen europäischen Metropolen und inzwischen auch in Deutschland ab. „Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden, die unabhängig voneinander agieren oder in unterschiedlichen Firmen und Projekten aktiv sind, arbeiten in meist größeren Räumen zusammen und können auf diese Weise voneinander profitieren“, heißt es auf der Website www.coworking.de, die alle bekannten und größeren Coworking Spaces in Deutschland auflistet. Das Coworking Space, eine Art Großraumbüro für verschiedene Einzelunternehmer, stellt genau diesen Arbeitsplätze und die notwendige Infrastruktur wie Netzwerk, Internet, Drucker, Scanner, Besprechungsräume, Beamer und so weiter zur Verfügung. Co-worken kann man dort dann auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis.

Beim Coworking kommen also Leute zusammen, die sonst irgendwo alleine arbeiten würden, oft im Home-Office. Die Coworking Spaces sollen ihnen einerseits einen gewissen Mehrwert, zum Beispiel durch geringe Fixkosten, bieten und ihnen gleichzeitig als Treffpunkt dienen. Die sogenannte Community steht vielerorts im Vordergrund und die wollen auch Daniel, Thomas, Evgenij und Alexander ganz groß schreiben. Für all diejenigen, die sich einen Arbeitsplatz buchen, soll das Coworking Space eine Art „zweites Wohnzimmer“ werden, verrät Thomas Becheru die Pläne. Er und seine Mitstreiter wollen eine gute Atmosphäre schaffen, in der sich die Coworker bei einem Kaffee gerne austauschen und in der sie sich wohlfühlen. Wenn alles gut geht, wollen die Vier nächstes Frühjahr ihr Coworking Space eröffnen.

Funktioniert das in Regensburg? Thomas Becheru und seine Freunde glauben „Ja“. Seit einem Jahr organisieren sie einmal monatlich einen Stammtisch. Jedes Mal seien bis zu acht Coworking-Begeisterte da. Insgesamt hätten sie bereits etwas mehr als zehn Interessierte für ihr Projekt. „Was wir jetzt schon Kontakte geknüpft haben“, sagt Thomas Becheru überzeugt. Das zeige: „der Bedarf ist da“. Auch seien es nicht mehr nur Freiberufler, Kreative oder Studenten, die das Coworking nutzen. In einigen Städten buchten mittlerweile auch Großkonzerne für einzelne Mitarbeiter einen Arbeitsplatz im Coworking Space, damit diese einmal die Möglichkeit haben, „aus ihrem Tunnelblick rauszukommen“, berichtet der 24-Jährige und hofft zugleich, dass auch in Regensburg einige Firmen das Angebot annehmen werden.

Doch ein ähnliches Konzept gibt es in Regensburg schon, im „HAUS Nr.3“ an der Nibelungenbrücke. Inhaberin Monika Gommel bezeichnet ihr „Office-Netzwerk“ auch als das erste Coworking Space in Regensburg. Im April 2010 haben sie und ihr Vater das Projekt auf mehr als 200 Quadratmetern Fläche gestartet, in wenigen Monaten sollen die Räume erweitert werden. Weil sie nicht alles auf einmal vermieten konnten, sei ihnen die Idee gekommen, einzelne Arbeitsplätze in ihrem Haus anzubieten, erklärt Monika Gommel, wie es zu ihrem Office-Netzwerk kam. Während anfangs viele zu ihr gesagt hätten „Das ist ein super Konzept“, ist die 28-Jährige inzwischen etwas ernüchtert. Sie wünscht sich, dass das Coworking künftig besser angenommen werde als bisher, zumal es aus ihrer Sicht viele Vorteile biete. Einige ihrer bisherigen Mieter – darunter Grafiker, Versicherungsberater, Onlinehändler und Coaches – hätten ihr Recht gegeben. „Außerhalb der eigenen Wohnung schafft man oft viel mehr in kürzerer Zeit, man arbeitet schneller und konzentrierter“, erklärt Monika Gommel die Vorzüge eines flexiblen Arbeitsplatzes im Office-Netzwerk und Coworking Space. Darüber hinaus könne man an einem neutralen Ort Kunden treffen und müsse diese nicht zu Hause empfangen. Weiter brauche man sich um vieles nicht zu kümmern, wie beispielsweise um eine Putzfrau.

Einer der diese und andere Vorzüge des „HAUS Nr.3 schätzt“, ist Armin Bantelmann. „Das hier ist tatsächlich im Umkreis von 50 Kilometern der beste Dienstleister dieser Art“, sagt der Unternehmensberater, der seinen Arbeitsplatz wöchentlich in mehreren Coworking Spaces einrichtet. So macht er regelmäßig in Nürnberg, München und in Regensburg Station. Im „HAUS Nr.3“ mietet er an etwa zwei Tagen pro Woche ein kleines Büro, in dem er seine Klienten berät.

Der 41-Jährige wundert sich, weshalb das Coworking in Regensburg bislang keinen großen Zuspruch findet, zumal es seinen Informationen zufolge rund 12.000 Existenzgründungen pro Jahr in der Stadt gibt. „Für so jemanden ist ein Business-Center Gold wert“, schwärmt er von der neuen Arbeitsform, die jegliche notwendige Infrastruktur inklusive Parkplätze vorm Haus bietet. Armin Bantelmann sei es inzwischen gewöhnt, auch als Einzelunternehmer viel Kontakt zu anderen zu haben. Im „HAUS Nr.3“ hätte er gerne mehr Gleichgesinnte, egal aus welchem Berufsfeld. Inhaberin Monika Gommel fügt hinzu, dass Jeder willkommen ist, solange er keinem anderen in die Quere komme. Dabei spielt sie auf die Anfrage eines Trompeters an, der in dem Office-Netzwerk regelmäßig üben wollte. Ihm musste sie deshalb leider absagen.

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