Es hätte etwas mehr sein dürfen

Sind sie das neue herausragende Elektropop-Duo oder doch nur zwei von Millionen, die durch keine besonderen Kennzeichen auffallen?

Eva Croissant und Felix Räuber sind Zwei von Millionen. Nach mehreren Verschiebungen erscheint nun ihr selbstbetiteltes Debütalbum.

Als Soundtrack zum Leben in unserer digitalen Welt wird das Debüt von Felix Räuber und Eva Croissant überschrieben. Das Konzept ist erkennbar. Erkennbar ist aber auch eine Verschlagwortung des Themas, vom gestöhnten „Akku leer“ bis zu altbackenen Songtiteln wie „Leben 2.0“. Dann ist da „Mensch aus Glas“, ein hypnotisches Stück mit viel Durchschnitts-Hitpotenzial. Sehr tanzbar ist die musikalische Plattitüde „Alle Farben“. Textlich stärker sind Zwei von Millionen, wenn es um privatere Themen geht wie bei „Unperfekt vollkommen“. Man macht sich als Hörer auf die Suche nach Inhalt, da musikalisch sehr viel Vorsicht über allem schwebt - es gibt wenig wirklich Interessantes, alles wirkt technisch verspielt und bruchstückhaft - um es mit einem anderen Song aus dem Album „Zwei von Millionen“ zu sagen: „Das geht besser“!

Dabei hatte man gehofft, dass endlich gut wird, was lange währt. Seit März wurde das Debüt mehrmals verschoben. Doch wenn es die Angst vor der eigenen Courage gibt, gibt es vielleicht auch die Angst vor der Mutlosigkeit, mit der man dieses Album gestaltete. Felix Räuber und Eva Croissant erfinden nichts am Elektropop neu, sie fügen keinerlei persönliche Einsprengsel hinzu, dabei sind da insgesamt drei Kreative am Werk, die durchaus für Qualität stehen könnten.

Neben Songwriterin Eva, der sympathischen Kandidatin von „The Voice Of Germany“, ist vor allem Felix Räuber als Frontmann von Polarkreis 18 kein Unbekannter. Die Dresdner, mittlerweile seit fünf Jahren Geschichte, hatten mit „Allein Allein“ einen introvertierten und gleichzeitig wunderbar exzentrischen Hit. Hinzu kommt Jovanka von Wilsdorf, was jeden langjährigen Deutschpop-Fan lächeln lässt, denn sie war die weibliche Hälfte des längst aufgelösten Popduos Quarks.

Von Wilsdorf und Räuber, beide mit Indie-Wurzeln, sind in der elektronischen Musik zu Hause. Die ersten Songs für Zwei von Millionen schrieben sie, noch bevor Eva Croissant dabei war. Gerade weil da zwei mit Vergangenheit aktiv wurden, hätte es dann etwas mehr sein können als die kurzen, aufgeregten Streicherversatzstücke und das ewige Wechselspiel aus verträumt und nachdenklich. Bemüht man den Vergleich mit Glasperlenspiel, sind Zwei von Millionen ätherischer, oft aber auch sehr viel enervierender.

Ab 1. September gibt es das Debütalbum „Zwei von Millionen“ im Handel.

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