Dennis Nicolas Perzl ist 22 Jahre alt und studiert Medienwissenschaft an der Universität Regensburg. Während eines Praktikums beim Turmtheater verband er Theater mit Social Media: Rittmeister Preißl aus dem Stück Schikaneder bekam ein Facebook-Profil und machte so Werbung für das Theater.
Das waren die ersten Gehversuche, der Vernetzung zwischen Theater und Social Media. Dennis Nicolas Perzl geht es darum, „die Einrichtung Theater interessanter zu gestalten und auch Jugendliche zu erreichen“. Nun die Vernetzung weiter: Perzl hat „Cloudtells“ gegründet. Die Langversion lautet: „The Cloud tells me a story“.
Die Idee hinter „Social Media Theater“ ist, ein Stück in Echtzeit (also ähnlich wie die Fernseh-Serie „24“) auf verschiedenen Plattformen stattfinden zu lassen. „Das kann Facebook sein, Twitter, FlickR oder YouTube. Jeder Dienst hat andere Schwerpunkte und so lässt sich das Stück multimedial aufbereiten“, meint Perzl. Soll heißen: Die einzelnen Figuren sind bei Facebook vertreten und der Zuschauer kann sich aussuchen, welche Charaktere er „liken“ will. Zusätzlich werden Fotos über FlickR und Videos per YouTube in die Geschichte integriert. „Das Spannende an der Sache ist, dass man sich bewusst einen Blickwinkel aussuchen kann. Man versteht die Geschichte auch, wenn man zum Beispiel nur einen Charakter bei Facebook verfolgt. Man kann sich alles aus Sicht des Mörders erzählen lassen oder eben allen Figuren folgen: der Phantasie des Zuschauers sind keine Grenzen gesetzt.“
Der Zuschauer fällt somit auch aus seiner passiven Perzeptionsrolle und muss selbst aktiv werden. Er kann sogar Beiträge der einzelnen Charaktere kommentieren und somit auch die Handlung verändern: „Natürlich gibt es ein Drehbuch an das wir uns halten möchten, aber wenn es möglich ist, gehen die Figuren natürlich auf Kommentare ein. Oder wir thematisieren eine Frage zum Beispiel dann in der Fortsetzung der Geschichte.“ Dennis Perzl entwirft das Theater 2.0.
Gleichzeitig ist das auch der wunde Punkt des Social Media Theaters: Kommentare der Zuschauer können nicht nur die Geschichte verändern, sie können die Situation auch zerstören. Eine Gefahr mit der man leben müsse, meint Perzl.
Seit Beginn des Jahres gibt es an der Universität Regensburg eine weitere Theatergruppe: Cloudtells Campus. Voraussichtlich im Mai soll es eine Social-Media-Theateraufführung geben, die sich über mehrere Tage erstrecken wird – in Echtzeit eben. Das Drehbuch ist bereits in Arbeit, nach Akteuren aber sucht Perzl noch. „Jeder ist willkommen. Wir brauchen Schauspieler, wir brauchen Kameraleute, Techniker, Sprecher“.
Doch das ist erst der Anfang, Perzl will noch viel mehr. „Es ist alles vorstellbar: ein Stück, das nur im Internet stattfindet. Ein Stück, das hauptsächlich auf der Bühne gespielt wird, von Figuren im Internet aber begleitet und kommentiert wird. Oder eine Mischung: zwei Figuren verabreden sich im Internet zu einem Treffen im Café, tauchen dann dort auf und spielen die Szene, die Besucher im Café sind Zuschauer, ob absichtlich oder nicht“. Man darf gespannt sein, was im Mai auf uns zukommen wird.

