Rum und Erde für Sieger

Das Runde muss ins Eckige. So lautet auch die Devise beim Ravernsport, einer neuen Sportart made by Regensburgern. Der Unterschied: Statt Leder und Tor dreht sich dabei alles um Stein und Schubkarre.

Ein Ravernalist bereitet sich auf seinen Wurf vor.

Für Außenstehende mag es schon etwas seltsam wirken. Eine Gruppe junger Leute steht auf einer Wiese in der Nähe des Prüfeninger Schlossgartens und starrt gebannt auf eine Schubkarre. Als der Regensburger Franziskus Rupp plötzlich ausholt und einen Kieselstein klappernd in der Wurfschale versenkt, brechen alle in Jubel aus. Was wie ein Treffen von durchgeknallten Kleingärtnern wirkt, könnte bald ein neuer Regensburger Trendsport werden. „Prinzipiell ist es eine sehr simple Sache“, sagt Rupp. Der 32-jährige Regensburger ist einer der inzwischen fast 50 Ravernalisti, wie sich die Spieler selbst nennen.

Alles was man benötigt, ist eine Schubkarre (im Dialekt auch Rawern genannt) und einen Sack voller Steine. Ziel ist es, mit den Steinen aus verschiedenen Entfernungen in die metallene Mulde zu treffen. Erlaubt ist auch ein sogenannter Groundhit. Das heißt, der Stein darf vor dem Treffer auf dem Boden aufkommen. Je nach Entfernung, die längste Distanz beträgt 25 Meter, werden Punkte verteilt, die am Schluss addiert werden. Der Ravernsport vereint Einzelwettbewerb und Teamsport, denn die erzielten Punkte gehen sowohl in eine Einzel- als auch Gruppenwertung ein.

Ravernsport: Eine bierernste Sache

Wie es bei vielen Erfindungen der Fall ist, entstand auch der Ravernsport durch Zufall. Bei einem Mallorca-Urlaub mit Freunden gelang es dem Regensburger Lukas Graf, aus weiter Entfernung mit einem Stein in eine Schubkarre zu treffen. Das war der Startschuss. Der Wettbewerbseifer war entfacht. Der neue Sport machte in seiner Clique, die über ganz Bayern verteilt ist, schnell die Runde. Seitdem werden jedes Jahr vier Cups in den Heimatstädten der Ravernalisti ausgetragen. Die Wettkämpfe, die in Sinzing, Prüfening, Bad Kötzting und München stattfinden, werden mit immer größerer Ernsthaftigkeit betrieben. Die ursprüngliche Regel, dass nicht nüchtern angetreten werden darf, wurde längst gestrichen. „Erst denkt man sich es ist völliger Blödsinn. Wenn man aber kurz vor dem Wurf an der Linie steht, wird das Ganze auf einmal bierernst“, erzählt Roland Kittel, der im Gegensatz zu Rupp nicht für das Prüfeninger, sondern für das Sinzinger Team wirft.

Trotz Wettkampfsituation wird der Zusammenhalt unter den Spielern großgeschrieben. Jedes Mitglied bringt seine Fähigkeiten und Talente ein. Während Rupp und Kittel mithelfen, die Cups zu organisieren, ist ihr Münchner Spielerkollege Johannes Zettel der Mann der Optik. Er hält die besten Würfe fotografisch fest und fängt die schönsten Momente mit der Videokamera ein.

Eine Ladung Rum und Erde über das Haupt des Siegers

So simpel der Wettkampf klingt, so ausgeklügelt ist das Regelwerk. Jedes noch so kleine Detail hat seine eigene Benennung: Der Wurfplatz ist das Ravernodrom, das Wurfgerät der Torgel, die Weltmeisterschaft auf Mallorca die Ravernale. Zu den genormten Steinen aus dem Baumarkt besitzt jeder Spieler einen sogenannten Permanent-Torgel, den er bei jedem Wettkampf nur einmal verwenden darf. Manche schwören auf eckig und klein, andere auf rund und groß. Auch tritt fast jedes Team mit seinen eigenen Fanartikeln an. Caps mit Hochhauslandschaft tauchen dabei ebenso auf wie Handtücher mit Hubschrauber-Print. Beides kann bei der Siegerehrung durchaus nützlich sein. Denn dort bekommt der Gewinner eine Ladung Rum und Erde über den Kopf.

Wer Lust hat, sich einem Team anzuschließen oder selbst ein eigenes Team zu gründen, ist jederzeit willkommen. Von 13. bis 15. August steigen in Santa Margalida, Spanien, übrigens wieder die Weltmeisterschaften im Ravernsport - mit dabei sind natürlich auch die Regensburger. Roland Kittel ist übrigens amtierender Vize-Weltmeister, es wird also richtig spannend ...

  • Hier gibts ein Video von den Ravernalisti

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