Wie rettet man die Welt?

Die Transition-Town-Bewegung steht in Regensburg in den Startlöchern und will die Welt verbessern.

Birgit Kociper ist verantwortlich für die Urban-Gardening-Pflanzaktion am Eisernen Steg.

Mit einer unkonventionellen Aktion machte die Transition-Town-Initiative auf sich aufmerksam. In Guerilla-Manier wurden auf dem Eisernen Steg unzählige Tetrapacks, in denen Gemüse wächst, angebracht. Hinter der „Urban Gardening“-Idee steckt eine Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Krisenfestigkeit der Region zu stärken. Initiatorin der sogenannten Transition-Town-Bewegung in Regensburg ist Birgit Kociper.

Die 27-jährige Studentin ist überzeugt von der Bewegung, die seit 2006 weltweit immer mehr Anhänger findet. „Transition Town ist eine durchdachte Methodik, um den Wandel, den wir brauchen, auszulösen“, erklärt sie. Dass sich im Bewusstsein der Bürger etwas ändern muss, fiel ihr auf, als sie Bücher des Club Rome über die Grenzen des Wachstums gelesen hat. „Dabei wurde mir bald klar, dass man nicht nur politisch oder beim einzelnen, sondern vor allem auf der regionalen Ebene in Gemeinschaften etwas bewegen muss. Nach der Beschäftigung mit vielen Lösungsansätzen hat mich die positive Herangehensweise der Transition-Bewegung am meisten begeistert. In der ,Es geht immer weiter und alles passt schon‘-Mentalität sehe ich das Problem. Die Erde als unsere Lebensgrundlage gibt irgendwann den Geist auf. Auch der weltweite Mittelstand wird in absehbarer Zeit zusammenbrechen, weil weiteres Wachstum der globalen Finanz- und Warenmärkte auf der wachsenden und schleichenden Ausbeutung des Mittelstands beruht.“

Mit kreativen Ideen will die Transition Town-Bewegung nicht weniger als die Welt retten. „Die Transition-Bewegung ist das am schnellsten wachsende soziale Experiment weltweit – Bürger in tausenden Städten haben sich der Graswurzelbewegung angeschlossen.“ Dazu gehört eben auch das Urban Gardening, die Nutzung von öffentlicher Fläche zur Anpflanzung von Gemüse.

Aber auch Tauschnetzwerke und das Überdenken des Mobilitäts-, Wohn- und Konsumverhaltens sind von wesentlicher Bedeutung. „Der reale Blick auf die Welt ändert langfristig den Lebenswandel und steigert durch dieses Umdenken und das Aufbauen von Gemeinschaften auch noch die Lebensqualität“, meint Birgit Kociper. Die Transition-Town-Bewegung ruft dazu auf, lokale Struktur aufzubauen und Probleme miteinander zu lösen.

Im Transition-Town-Vorzeigestädtchen Totnes in Südengland hat sich ein Großteil der 8000 Einwohner der Bewegung angeschlossen. Dort plant man gemeinsam, bis 2030 unabhängig von Erdöl zu leben. Der Wirtschaftskreislauf dreht sich in Totnes zu einem wichtigen Teil inzwischen auf lokaler Ebene. Eine weitere umgesetzte Idee ist eine Schlosswiese im Ort, die der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde – zur privaten Gemüseproduktion.

Das alles kann sich Birgit Kociper auch in Regensburg vorstellen. Mitstreiter sucht sie gerade. Wenn sich genügend zusammengetan haben, gibt es den offiziellen Startschuss für die „Transition Town Regensburg“. Schon jetzt gibt es erste Bestrebungen für weitere Untergruppen, die sich mit Themen wie integratives Wohnen, Regionalgeld, Gesundheit oder dem Abschied von der fossilen Energie widmen. Ideen und Möglichkeiten gibt es unzählige. Ein Verein soll aus gutem Grund nicht gegründet werden, „weil man zwar Strukturen braucht, aber Hierarchien vermeiden will“, so die engagierte Studentin.

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