Bayerisch, wild, voller Träume

Newcomerin Franziska Wanninger aus Regensburg will die großen bayerischen Kabarettbühnen erobern.

Jung-Kabarettistin Franziska Wanninger tourt mit ihrem Programm „Just und Margit“ durch Bayern.

„Just und Margit“ heißt das erste Soloprogramm von Franziska Wanninger, Ende Oktober 2011 hat sie damit Premiere gefeiert. Dieses Jahr stehen schon mehr als 15 Auftritte im Terminkalender der Newcomerin. Doch im Sommer will die 29-Jährige an der Universität Regensburg erst einmal das erste Staatsexamen im Lehramt für Gymnasium machen.

FRANZISKA, IM DEZEMBER 2010 HATTEST DU DEINEN ERSTEN KURZAUFTRITT IM VEREINSHEIM IN MÜNCHEN, KNAPP EIN JAHR SPÄTER FOLGTE DIE PREMIERE DEINES ERSTEN SOLOPROGRAMMS IN DEINER HEIMATGEMEINDE MARKTL AM INN. DU HAST DAS STÜCK „JUST UND MARGIT“ SELBST GESCHRIEBEN, WORUM GEHT ES?

Das Programm handelt von den Problemen der zentralen Bühnenfigur, die auf die Hochzeit ihres Exfreundes aufs Land fährt. Diese Hochzeitsfeier bildet den Rahmen für die Parodie verschiedenster Figuren, von der das Stück lebt. Man könnte sagen, das Ganze ist ein wildes Potpourri bayerischer Skurrilitäten, in dem ich versuche, die Zuschauer in die Untiefen der bayerischen Heimat mitzunehmen. Dabei kommen auch jede Menge gesellschaftskritischer Themen zur Sprache. Es sind Situationen drin, die ich teils selbst erlebt habe oder die so hätten passieren können. Vieles wird ganz klar auch überspitzt dargestellt.

FINDET MAN DICH IN DEM STÜCK WIEDER?

Ja, auf alle Fälle komme ich da auch vor. Vor allem, wenn es um die typischen Probleme einer Frau geht, wie zum Beispiel ums Abnehmen oder um Pärchen- und Singlethemen.

IST ES DENN ÜBERHAUPT NOCH MÖGLICH, SICH ETWAS NEUES AUSZUDENKEN, SPRECHEN NICHT ALLE KABARETTISTEN ÜBER DIE GLEICHEN THEMEN?

Prinzipiell versucht jeder Kabarettist über etwas zu sprechen, mit dem sich das Publikum identifizieren und sich in gleicher oder ähnlicher Situation wiederfinden kann. Ich denke, jeder Kabarettist hat dabei seinen eigenen Stil, die Themen aufzubereiten, auch wenn man Unterschiede teilweise nur in den Feinheiten findet.

MITTLERE REIFE, DIE AUSBILDUNG ZUR FREMDSPRACHENKORRESPONDENTIN, EIN JAHR STIPENDIUM IN DEN USA, DANACH ZWEI JAHRE BERUFSOBERSCHULE. SEIT 2005 LEBST DU IN REGENSBURG UND STUDIERST HIER LEHRAMT FÜR GYMNASIUM MIT DEN FÄCHERN DEUTSCH UND ENGLISCH. WIE PASST DAS ALLES MIT DEM DASEIN EINER KABARETTISTIN ZUSAMMEN?

Eine Kabarettistin zieht ihre Themen ja aus dem Leben und dem Beobachten. Außerdem habe ich schon immer Theater gespielt, in der 1. Klasse hatte ich sozusagen meine erste Sprechrolle. Als ich das eine Jahr in den USA war, habe ich als Wahlfach im Community College den ersten Schauspielkurs gemacht. 2009 ging ich zum Auslandsstudium noch einmal für etwa ein Jahr in die USA. Da habe ich dann am Lee Strasberg Institute in Los Angeles studiert (Anm. der Redaktion: renommierte Schauspielschule, zu deren Absolventen zum Beispiel auch Robert DeNiro, Al Pacino und Julia Roberts gehören) und dort ein Semester lang die sogenannte Summer School besucht. Zusätzlich habe ich privat Stunden bei einem Acting Coach genommen. Als ich dann 2010 wieder nach Deutschland kam, wusste ich: Das will ich machen. Aber auch vorher war ich schon immer in Theatergruppen aktiv, zu Schulzeiten und auch während des Studiums.

WIE KAM ES DANN ZU DEINEM ERSTEN SOLOPROGRAMM?

Ich hatte ja im Dezember 2010 meinen ersten Kurzauftritt, bereits mit Ausschnitten aus meinem jetzigen großen Programm. Mit dem Kurzprogramm spielte ich 2011 über 20 Auftritte. Einige wurden möglich, nachdem ich zu Matthias Matuschik Kontakt aufgenommen hatte und ich so für einige seiner Comedyabende engagiert wurde. Gleichzeitig fragte ich beim Fraunhofer Theater in München an und das bot mir dann gleich mehrere Termine an, allerdings für Soloabende. Zwei Termine habe ich für Ende 2011 zugesagt und so musste ich das Soloprogramm fertig kriegen, an dem ich eh schon eine ganze Weile schrieb.

IM VERGANGENEN JAHR WARST DU ALS NEWCOMERIN SCHON FÜR DIE „GOLDENE WEISSWURSCHT“ UND FÜR DEN „KABARETT KAKTUS“ IM HAUPTWETTBEWERB NOMINIERT. WELCHE ZIELE HAST DU FÜR 2012?

Ich möchte mich gern weiter in der Szene etablieren und vielleicht für den einen oder anderen Preis ins Rennen gehen. Und natürlich wünsche ich mir gutes Feedback von meinem Publikum und dass ich als Kabarettistin vom Publikum weiterhin gut angenommen werde. Dazu wünsche ich mir, dass ich irgendwann an den Punkt komme, wo ich weiß „Jetzt bin ich hauptberuflich Kabarettistin und kann davon leben“.

WELCHE ZIELE HAST DU DARÜBER HINAUS?

Ich will in den nächsten Jahren die „großen“ Kabarettbühnen erobern, die bekannten Bühnen in Bayern. Die Lach- und Schießgesellschaft und das Scharfrichterhaus zum Beispiel. Irgendwann will ich dann auch außerhalb Bayerns spielen.

WELCHE ROLLE SPIELT NEBEN DIESEN TRÄUMEN DEIN STUDIUM?

Das spielt schon eine Rolle, aber tatsächlich nur noch eine Nebenrolle. Ich muss das jetzt fertig machen und werde das schon irgendwie hinkriegen. Ich denk mir immer „Des ham scho viel Bledere gschafft“.

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