Bundesliga als Familientradition

Regensburger Handballtalent Nils Lichtlein wurde in Berlin zweifacher deutscher Meister und wandelt auf den Spuren seines berühmten Onkels.

Regensburgs talentierteste Linkshänder: Nils Lichtlein feuerte Anfang August U19-Nationalspielerin Franzi Peter bei der Handball-EM in Slowenien an.

Im August 2016 entschloss sich der damals gerade erst 14 Jahre alt gewordene Regensburger Schüler Nils Lichtlein dazu, seinen Traum vom Profihandball bei den Füchsen Berlin näherzukommen. Der Wunsch verwundert nicht, denn Handball liegt den Lichtleins im Blut. Opa Artur hütete in der Bundesliga beim TV Großwallstadt das Tor, Onkel Carsten Lichtlein ist Welt- und Europameister und schickt sich beim VfL Gummersbach an, Rekordspieler der DKB Handball Bundesliga zu werden.

Der deutsche Vorzeigeklub in Sachen Jugendhandball, aus dessen Nachwuchs unter anderem die beiden olympischen Bronzemedaillengewinner von Rio Paul Drux und Fabian Wiede entstammen, hatte wie viele andere seine Fühler nach dem Ausnahmetalent vom ESV 1927 Regensburg mit dem berühmten Familiennamen ausgestreckt. Das Füchse-Gesamtpaket hat nicht nur den Linkshänder, sondern auch seine Eltern überzeugt. Mutter Silke, Lehrerin für Mathematik und Sport am Von-Müller-Gymnasium und früher für die HG Regensburg in der 2. Bundesliga aktiv, pendelt nun regelmäßig nach Berlin, um die Spiele ihres einzigen Sohns zu verfolgen. „Natürlich war und ist das manchmal nicht einfach für mich, aber es war eben Nils‘ großer Wunsch. Deswegen war das für mich keine Frage.“ Nils Lichtlein bestätigt: „Die Chance bei den Füchsen zu spielen, bekommt man vielleicht nur einmal und deswegen wollte ich sie unbedingt ergreifen.“ Seitdem besucht er als Internatsschüler wie rund 1500 andere Sportler das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB). Insgesamt kommt Nils Lichtlein so auf bis zu acht Trainingseinheiten die Woche.

„Alles richtig gemacht“

Ein Jahr später können die Lichtleins stolz rekapitulieren: „Alles richtig gemacht“. Nils Lichtlein gewann – als eigentlich noch C-Jugendlicher – mit seinen Füchse-Teamkollegen die Deutsche Meisterschaft bei den B-Junioren und wurde obendrein mit dem noch Deutscher Schülermeister – gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Schul-Weltmeisterschaft in Katar 2018. Einzig im Länderpokal reichte es nicht ganz für den Spitzenplatz, doch Rang zwei mit dem Berliner Handball-Verband zeugen von einer weiteren starken Leistung.

Füchse-Geschäftsführer und in Personalunion auch A-Jugend-Trainer Bob Hanning ist ein großer Fan des Oberpfälzers und attestiert ihm sogar das gleiche Talent wie Drux und Wiede: „Nils ist sportlich und charakterlich eine Eins Plus. Wir werden ihn in Ruhe entwickeln.“ Hanning zieht den Gerade-erst-B-Jugendlichen in der Saison 2017/2018 in die A-Jugend hoch, damit Lichtlein in der Jugend-Handball-Bundesliga weitere wertvolle Erfahrungen für den Karriereweg sammeln kann. Auch die Jugendnationaltrainer des Deutschen Handballbundes haben den Namen Nils Lichtlein schon in den Notizbüchern vermerkt, bislang war das Talent aber schlichtweg noch zu jung für eine Nominierung.

Gleiches Talent wie die Stars

Den kurzen Urlaub vom Handballalltag in Berlin genießt Nils Lichtlein in der Heimat, wo er bei seinen ehemaligen Mitspielern des ESV 1927 im Training vorbeischaut und Bälle wirft. Seinen 15. Geburtstag am 31. Juli verachte er mit Familie und Freunden bei der Europameisterschaft der Juniorinnen in Slowenien, wo die 18-jährige Regensburgerin Franziska Peter den Bundesadler trägt. Davon träumt auch Nils Lichtlein: „Ich hoffe, dass ich auch einmal so viele Turniere wie Franzi spielen kann.“ Wundern täte es in Handballdeutschland nicht viele, denn der Karriereweg scheint trotz der jungen Jahre vorgezeichnet. Doch zunächst steht erstmal wieder eine schweißtreibende Vorbereitung an: Bob Hanning bittet am 9. August zum Trainingsauftakt. Und dass der Erfolgstrainer nichts dem Zufall überlässt ist bekannt. „Nach der Deutschen Meisterschaft hatten wir zwei Tag frei und im nächsten Training durften wir zur Belohnung sechsmal 1000 Meter laufen“, lacht Nils Lichtlein. Doch diese Opfer ist der 15-Jährige bereit zu geben – angesichts der Erfolge und Ziele ist das aber ja auch nachvollziehbar.

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