Lebensinhalt: Bühne!

Ein Interview mit János Kapitany, Schauspieler am Theater Regensburg.

János Kapitany spielte im Kurzfilm „Zone occupée“. Regie: Michael Höllerer, 2010

János Kapitany hat es geschafft! Seit September 2011 genießt der 31-Jährige eine Festanstellung am Theater Regensburg in der Sparte „Schauspiel Kinder- und Jugendtheater“. Der Weg dorthin war aber alles andere als einfach. Wir haben János zu einem Gespräch getroffen, bei dem auch die Zukunft des Theater Regensburg ins Licht gerückt wird.

Du bist seit vier Jahren regelmäßig auf der Bühne zu sehen. Wie hast du deine Liebe zum Schauspiel entdeckt?

Das war eher durch Zufall. In der 11. Klasse hat mich ein Mitschüler gefragt, ob ich im Fach „Dramatisches Gestalten“ mitmachen möchte. „Mirandolina“ von Goldoni stand auf dem Programm. Ich spielte eine Nebenrolle, den Diener, der am Schluss die Liebe der Hausherrin erlangt.

Also war der Erfolg ja schon vorprogrammiert…

Meine Teilnahme an dem Stück war spontan, hat aber mein Leben für immer verändert: Bei dieser ersten Premiere habe ich eine ganz besondere Energie gespürt. Kurz vorm Auftritt nochmal schnell den Text reingepresst und dann mit Adrenalinkick auf die Bühne! Das war ein Orgasmus der besonderen Art, der mir meine wahre Liebe zeigte. (lacht)

Wann hast du mit der professionellen Schauspielerei begonnen?

Von August 2008 bis Juli 2011 genoss ich eine Ausbildung an der Akademie für darstellende Kunst in Regensburg. Während dieser Ausbildung spielte ich, wie auch einige meiner Mitschüler bereits an mehreren Stücken mit. Da war die Teilnahme an den Burgfestspielen Leuchtenberg, wo ich die Hauptrolle in „Romeo und Julia“ übernahm. Am Theater Ingolstadt spielten wir „Unschuld“ von der aufsteigenden Autorin Dea Loher und welches von Regisseur Mike Priebe aus Berlin realisiert wurde. Auch im Theater Regensburg spielte ich noch während der Ausbildung in zwei Stücken: „Richard O’Brians Rocky Horror Show“ und „Donnerwätter“.

Du wirst an der August-Everding-Schule in München für die Saison 2013/14 vorsprechen. Wie knüpfst du damit an die ADK an?

Die ADK ermöglichte mir den Abschluss zum ausgebildeten Schauspieler. Sie wurde vor knapp zwei Jahren umstrukturiert und zwar von einer Berufsfachschule zu einer Fachakademie, das heißt man kann seit 2010 die Ausbildung an der ADK zu einem staatlich anerkannten Schauspiel-Abschluss machen. Ich werde zusammen mit einigen meiner Kollegen in München vorsprechen, was nicht nur persönlichen Erfolg bedeuten könnte. Dadurch besteht die auch Möglichkeit einer zukünftig noch stärkeren Förderung der ADK selbst, die dann in eine bessere Kategorie gestuft werden würde.

Seit September vergangenen Jahres hast du nun eine Festanstellung in der Sparte „Schauspiel Kinder- und Jugendtheater“ am Theater Regensburg. In welchen Stücken spielst du aktuell mit?

Gegenwärtig spielen wir noch „Türkisch Gold“, welches bisher gut lief. Aktuell finden die Proben für „Ein Schaf fürs Leben“ und „Urfaust“ statt. Bald auch für „Sängerkrieg der Haidehasen“, das im Sommer zu sehen sein wird.

Das sind relativ unterschiedlichen Rollen, für die dich das Theater ausgesucht hat. Reizt dich nicht auch die Möglichkeit der freien Figurenwahl?

Durchaus. Allerdings ist man dann völlig auf sich allein gestellt.

Inwiefern?

Auch ich als Schauspieler mit Festengagement arbeite von Vertrag zu Vertrag. Eine wirkliche Sicherheit hast du in diesem Beruf nie. Viele Akteure arbeiten aber ausschließlich selbstständig. Sie können sich zwar theoretisch für jede Rolle bewerben, die ihnen gefällt, aber wenn sie nicht genommen werden, stehen sie mit leeren Händen da. Du merkst, es gibt ein „für“ und „wider“. Im Moment bin ich doch ganz glücklich, dass ich immer wieder in fest geplante Stücke eingeteilt werde.

Das Theater Regensburg bekommt im September einen neuen Intendanten. Welche Veränderungen ergeben sich dadurch?

Jens Neundorff von Enzberg bringt sein eigenes Schauspieler- und Musikensemble mit. Viele der aktuell Beteiligten werden daher das Theater Regensburg verlassen. Generell sind solche Veränderungen von Theater zu Theater unterschiedlich. In diesem Fall bedeutet das auf jeden Fall große Bewegung: Aktuell finden auch viele neue Vorsprechen statt. Das bringt frischen Wind und interessante Neuerungen für das kunstliebende Publikum, aber auch für uns Schauspieler.

Du bekommst neue Kollegen.

Das bringt mir als Schauspieler auch ganz neue Möglichkeiten. Ich bekomme einen weiteren Fokus, kann mich weiterzuentwickeln. Neue Kollegen bringen neue Inspiration. Die Kunst des Schauspiels ist ein immerwährender Prozess für alle Beteiligten.

Wie sieht dein momentaner Tagesablauf in etwa aus?

Aktuell stehen Proben an, die je Stück in der Regel vier bis sechs Wochen dauern. Wir proben von Montag bis Freitag täglich acht Stunden, aufgeteilt in vier Stunden über Mittag und am Abend bis 22 Uhr. Samstag proben wir zusätzlich von 10 bis 14 Uhr, wenn es vom Regisseur gefordert wird. Parallel dazu stehen immer wieder auch aktuell laufende Vorstellungen an, was zur Folge hat, dass man zwischen den Probetagen abends noch auf die Bühne muss.

Ist das nicht purer Stress?

Es ist aber auch schön, weil es Abwechslung mit sich bringt. Es macht immer auch Spaß, in andere Rollen zu schlüpfen. Bei der Zeit von „Frühlingserwachen“ war es besonders stressig. Wir hatten Prüfungen, Proben und Auftritte gleichzeitig – da musste ich bei meinem Nebenjob deutlich kürzer treten.

Du hast noch einen Job?

Wie jeder von uns musste ich mir meine Ausbildung mitfinanzieren. Da die ADK eben keine komplett staatliche Schule ist, sondern eine geförderte Privatschule, bleibt einem nichts anderes übrig. Wiedergespiegelt hat sich dieser Schwebezustand für mich in meiner Rolle und besonders der Schlussszene von „Frühlingserwachen“. Mein Charakter „Melchior“ war innerlich und äußerlich zerrissen. Das Stück ist insofern einzigartig, weil es – wenn auch versteckt – bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal besonders ernsthaft den Kontext zwischen Liebe und Sexualität thematisierte, was allerdings auch in unserer modernen Version mitreißend wirkt.

Welche Rollen interessieren dich?

Jede Rolle ist eine Herausforderung. Keine ist nur leicht oder schwer. Ich mag Figuren mit verschiedenen Facetten. Oft sind dies zerrissene, schwierige Figuren, die mit sich selbst ringen. Oft sind es Rollen, bei denen ich im Alltag selten vorkommende Emotionen und Gedanken ausleben darf. Tragische Figuren, aber auch psychopatische (grinst). Das möchte ich auch später auf jeden Fall ausbauen.

Was ist dein bisher größter Erfolg?

Trotz des Glücks, die Schauspielschule erfolgreich abgeschlossen zu haben und gleich in ein Festengagement überzugehen, fühle ich mich relativ nüchtern. Ich weiß, dass man sich nicht ausruhen darf. Man darf nicht stehenbleiben, muss immer weiter gehen! Das bedeutet auch, seine Kollegen zu respektieren und – noch wichtiger – Professionalität/Fähigkeiten von anderen für sich zu erkennen und daraus auch zu lernen. Der Schauspielberuf allgemein verleitet des Öfteren zu persönlichen Höheflügen, man steht ja permanent im Rampenlicht und muss sich öffentlich behaupten.

Das spielzeitübergreifende Musical „Rocky Horror Show“ war häufig schon lange im Vorfeld ausverkauft. Wie groß war der Druck?

Ich hatte zwar nur eine Nebenrolle, aber da haben immer auch viele Leute auch aus unserer Schule zugeschaut, Dozenten und Mitschüler. Klar, man muss sich dann schon beweisen und zeigen, dass man auch zu Recht auf der Bühne steht. Dieser Druck darf einem aber nie die Atemluft abschnüren, man sollte immer möglichst locker bleiben. Ich habe mich immer gefragt: „Drucksituation! Wie gehe ich damit um?“ Es war doch aber immer das, was ich angestrebt hatte. Und genau das bereitet mir die besondere Freude am Schauspiel.

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