Leerstand am Pranger!

Die Initiative „Recht auf Stadt“ hat einen Leerstandsmelder für Regensburg ins Netz gestellt.

Kurt Raster in der Keplerstraße vor einem der im Leerstandsmelder aufgeführten Häuser

Größere Wohnungen oder gar ganze Häuser sind auf dem angespannten Regensburger Immobilienmarkt absolute Mangelware. Trotzdem gibt es gar nicht wenige Objekte, die ihre Eigentümer absichtlich leer stehen lassen. Zum Teil über viele Jahre, bis dann irgendwann doch die Luxussanierung erfolgt. Die Mitglieder der Initiative „Recht auf Stadt“ empfinden dieses Vorgehen im Wortsinn als asozial und haben jetzt eine Art Online-Pranger mit ungenutzten Wohnungen errichtet: den Leerstandsmelder für Regensburg.

„Wohnungen leer stehen zu lassen, obwohl andere verzweifelt Obdach suchen, ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Initiator Kurt Raster und verweist auf die im Grundgesetz verankerten Prinzipien, dass Eigentum verpflichte und sein Gebrauch zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen solle. „Doch Eigentümer und Politik scheren sich oft wenig ums Allgemeinwohl. Darum wollen wir mit der öffentlichen Anprangerung von Leerstand diesbezüglich nachhelfen.“

Über 20 Häuser, vielfach echte Schmuckstücke und verteilt über das gesamte Stadtgebiet, sind zum Start aufgelistet, eines davon ist trotz bester Altstadtlage seit 30 Jahren unbewohnt. Wie kann das sein in einer Stadt, in der Wohnraum heiß begehrt ist und ständig im Wert steigt?

Raster vermutet Erbstreitereien oder auch die Überforderung mit dem manchmal sanierungsbedürftigen Eigentum als häufigen Grund und hat in seine Liste als kleinen Gag auch das Schloss St. Emmeram mit folgendem Text aufgenommen: „Über 500 Zimmer stehen fast komplett leer. Nur wenige Räume werden von der vierköpfigen Familie Thurn und Taxis gelegentlich bewohnt.“

Ganz ernsthaft hat er sich mit dem Eigentümer einer der prominentesten Leerstandsimmobilien unterhalten. Im Gespräch mit Erhard Adler hat er diesem für seinen stadtbekannten Schandfleck in der Thundorferstraße ein Ratenkaufmodell durch einen zu gründenden Hausverein vorgeschlagen. Mit dem entsetzten Ausruf „Das sind ja lauter Grüne!“ habe Adler die Diskussion aber beendet.

Als zielführender würde Raster die Maßnahme der Zwangseinmietung bewerten. „In anderen Städten gibt es das“, sagt er und verweist auf das Beispiel Hamburg. Auf Nachfrage erklärt die Regensburger Stadtverwaltung jedoch, dass es keine griffige gesetzliche Handhabe für so ein Vorgehen gebe – schließlich sei durch das Gesetz in erster Linie das Eigentum geschützt. Außerdem sei ein gewisser Leerstand auch die Voraussetzung für einen funktionierenden Wohnungsmarkt. Erst komplett leer geräumte Häuser könnten einer umfassenden Sanierung zugeführt werden.

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