Leihen hui, kaufen pfui

E-Carsharing ist ein Riesen-Erfolg, doch städtisches Geld zum Erwerb will fast keiner.

„Sehr gut gebucht“ – der BMW i3 an der Tech-Base

Die prinzipielle Bereitschaft zum Umstieg auf Elektrofahrzeuge ist in Regensburg ganz offensichtlich vorhanden, endgültig festlegen wollen sich aber scheinbar nur wenige. Diesen Schluss lassen die Zwischenbilanzen von zwei Programmen rund ums Thema E-Mobilität zu.

Da ist zum einen das von den Stadtwerken Regensburg (SWR) initiierte E-Carsharing-Projekt „Earl“. In dessen Rahmen stehen seit Mitte November an der Tech-Base am Galgenberg zwei Elektroautos (ein BMW i3 und ein Renault ZOE) zum Ausleihen parat – und das Echo auf dieses Angebot übertrifft alle Erwartungen. „Das Projekt läuft extrem erfolgreich“, berichtete Bürgermeister Jürgen Huber in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umweltfragen, Natur- und Klimaschutz.

SWR-Geschäftsführer Manfred Koller kann dies nur bestätigen: „Wir sind überrollt vom Erfolg, die beiden Fahrzeuge sind sehr gut gebucht.“ So haben die beiden neu angeschafften Wagen nach nicht einmal einem halben Jahr schon jeweils 12 000 Kilometer auf dem Tacho. Fast noch erstaunlicher: Zu den Nutzern des Angebots zählen nicht nur – wie ursprünglich erwartet – Studenten und junge, technikaffine Mitarbeiter der Tech-Base, sondern durchaus auch ältere Semester.

Nicht nur für Junge

„Die fahren mit dem Bus zum Galgenberg und leihen sich ein E-Auto aus“, berichtet Koller von der Breitenwirkung des Projekts, das in Kürze sowohl örtlich (auf einen zweiten Standort im Candis-Viertel) als auch inhaltlich (auf gewerbliche Nutzer) ausgeweitet wird.

Eben diese gewerblichen Nutzer zeigen der Stadt bislang aber bei einem anderen Programm zum Thema E-Mobilität die kalte Schulter: Bereits seit Anfang 2016 winkt Taxiunternehmern beim Kauf eines Elektrofahrzeugs ein städtischer Zuschuss von 6000 Euro. Obwohl dieser Bonus im ersten Dreivierteljahr nur von einem Taxler wahrgenommen wurde, beschloss der Stadtrat im Herbst, die Finanzspritze auch Handwerksbetrieben und Sozialdiensten anzubieten. Die Resonanz blieb aber weiterhin ernüchternd; zum Zeitpunkt der bereits erwähnten Sitzung des Ausschusses für Umweltfragen, Natur- und Klimaschutz konnte Bürgermeister Huber lediglich von vier beantragten Zuschüssen für E-Autos berichten.

„Mentale Hürden“

SWR-Chef Koller vermutet, dass diese Zurückhaltung auch auf „mentale Hürden“ zurückzuführen ist. „Taxler sind Dieselfans“, sagt er, glaubt aber zugleich an einen baldigen Bewusstseinswandel, beschleunigt durch weitere technische Fortschritte in der E-Mobilität: „Ich bin überzeugt, dass dieser Markt in ein, zwei Jahren ganz anders aussehen wird.“

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