Dafür wurde er bereits mit dem Kulturförderpreis der Stadt Regensburg und der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet. Wäre er nur ein Duden-Autor unter vielen, wäre sein Wissen zur Orthographie zwar immer noch beachtenswert, doch Stang ist gewissermaßen ein Exot unter den Sprachwissenschaftlern. Weder Abitur noch ein Germanistikstudium hat der 36-Jährige vorzuweisen. Stattdessen hat er nach der mittleren Reife eine Ausbildung bei der Deutschen Post absolviert und sich als Postobersekretär verdient gemacht.
Herr Stang, wie fühlt es sich an, als Rechtschreibpapst zu gelten?
Der Titel ist natürlich von der Presse geprägt. Ich halte ihn für etwas übertrieben. Ein Papst sollte ja unfehlbar sein und das kann ich von mir nicht behaupten. In komplizierten sprachlichen Zweifelsfällen muss auch ich in den einschlägigen Werken nachschlagen.
Wo herrscht denn der größte Beratungsbedarf bei der Rechtschreibung?
Hier ist sicherlich zunächst die s-Schreibung zu nennen. Seit der Rechtschreibreform sind nicht wenige verunsichert und neigen dazu, alles mit „ss“ zu schreiben, was vorher mit „ß“ geschrieben wurde. Das ist natürlich falsch. Dazu kommt die Interpunktion – und hierbei im Besonderen die Kommasetzung. Diese ist im Deutschen nicht immer einfach, vor allem, wenn ich beispielsweise an Infinitiv- und Partizipialgruppen denke. Auch die Groß- und Kleinschreibung sowie die Getrennt- und Zusammenschreibung wirft immer wieder Fragen auf. Im letzten Bereich ist hier das Regelwerk auch nicht ganz konsequent: Warum schreibt man „Auto fahren“ getrennt, aber „eislaufen“ zusammen?
Die Groß- und Kleinschreibung ist ein gutes Stichwort. Oft wird gefordert, sie ganz abzuschaffen, wie sehen Sie das?
Davon halte ich wenig. Die Groß- und Kleinschreibung sollte bewahrt werden. Sie dient vor allem zum Erkennen der Satzstruktur. Deutsche Sätze sind um einiges komplizierter aufgebaut als zum Beispiel englische. Insofern sind die Vergleiche mit der englischen Sprache, die ja keine Groß- und Kleinschreibung im vergleichbaren Sinn kennt, aus meiner Sicht nicht sinnvoll. Natürlich gibt es aber auch im Deutschen Fälle, über die man diskutieren kann. Ich denke nur an den Fall „des Weiteren“.
Wie stehen Sie zur neuen Rechtschreibung?
Die neue Rechtschreibung hat in einigen Teilbereichen durchaus positive Seiten; in anderen Teilbereichen – wie bei der bereits erwähnten Getrennt- und Zusammenschreibung – kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein, ob die Reform tatsächlich zu einem leichteren Schreiben beziehungsweise Schreibenlernen geführt hat - und dies war ja das Hauptziel der neuen Orthographie.
Wie darf man sich Ihre Zusammenarbeit mit dem Duden-Verlag vorstellen?
Ein Schwerpunkt dieser Zusammenarbeit liegt auf der Autorentätigkeit, die ich ausführe. Eine zielgruppengerechte Aufbereitung der Rechtschreibregeln, nicht so trocken und bieder präsentiert, sondern aufgelockert mit lustigen Beispielen und Cartoons – genau das liegt mir am Herzen. Ich interessiere mich jedoch nicht nur für die Orthographie im engeren Sinne. Auch typographische Themen machen wir Spaß. Es ist beispielsweise immer wieder erstaunlich, wie oft allein Bindestrich und Gedankenstrich verwechselt werden.
Die Rechtschreibung ist eine Art Dauerbrenner. Zuletzt ist zum Beispiel Bastian Sick in den Bestsellerlisten mit diesem Thema vertreten gewesen.
Ja, ich finde es gut und wichtig, dass sich die Bevölkerung mit der Sprachnormen auseinandersetzt ... und die Art, mit der Bastian Sick die Massen begeistern kann – immerhin hat er ganze Hallen mit dem Thema gefüllt – ist einmalig und bemerkenswert. Allerdings sind manche seiner Aussagen eben fachlich angreifbar. Ich denke hierbei vor allem an seine Ausführungen im Bereich der Grammatik.

