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Titelfoto: Rainer Wendl
14. März 2018

2,8 Millionen für Entgiftung

Die stadteigene Immobilie in der Maxstraße, die einst als Hotel gedacht war, wird immer teurer.

2,8 Millionen Euro muss die Stadt investieren, um dieses Haus in der Maxstraße wieder vollständig nutzbar zu machen.Rainer Wendl

Ende 2014 wurde Oberbürgermeister Joachim Wolbergs in einem Wirtshaus zusammen mit einem Kelheimer Unternehmer gesichtet. Diesem gehörte damals das Geschäfts-, Büro- und Wohnhaus an der Ecke Maximilianstraße/Grasgasse. Wenige Tage später wurde bekannt, dass die Stadt das Gebäude gekauft hat. Unter anderem deshalb, weil es im Zuge der Planungen fürs Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) am nahen Ernst-Reuter-Platz für einen Umbau zum hochwertigen Tagungshotel in Frage kam.

Ob das Stadtoberhaupt und der Unternehmer damals wirklich beim gemeinsamen Bier handelseinig wurden, ist nicht überliefert. Ein Alleingang des OB war es ohnehin nicht, denn der Kauf des Gebäudes wurde und wird von einer breiten Stadtratsmehrheit begrüßt. Allerdings kristallisierte sich im Lauf der Zeit heraus, dass dieser Immobilienerwerb für die Stadt erst nicht ganz billig war und jetzt immer teurer wird.

Der öffentlich kolportierte und von städtischer Seite nie dementierte Kaufpreis von 13 Millionen Euro wurde von Experten nämlich von jeher als überhöht eingeschätzt. Während dies angesichts der Lage und Bedeutung des Hauses noch verschmerzbar wirkte, gibt es bis heute ärgerliche Mehrkosten.

Luft und Wasser pfui

Denn die 280 000 Euro, die die Stadt bereits 2015 in die brandschutztechnische und bauliche Ertüchtigung des Gebäudes stecken musste, waren noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Bei Messungen im Jahr 2016 wurden in der – zwischenzeitlich von verschiedenen städtischen Ämtern genutzten – Immobilie teils erhebliche Überschreitungen der von der Weltgesundheitsorganisation vorgegeben Richtwerte für Formaldehyd festgestellt. Was aus den Wasserleitungen kam und bis heute kommt, ist nicht weniger desaströs: Hier sind die Werte für Keime, Blei und Eisen viel zu hoch.

Detailliert vorgelegt wurden diese Ergebnisse in der Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses am gestrigen Dienstag. Hier standen die Schadstoffsanierung Formaldehyd, die Sanierung der Trinkwasserinstallation sowie Umbauten in dem Gebäude auf der Tagesordnung. Kostenpunkt: insgesamt 2,8 Millionen Euro. Von einer möglichen Hotelnutzung ist übrigens längst keine Rede mehr, künftig soll hier das Amt für Integration und Migration residieren.

Ämter zogen aus

Zu den Dienststellen, die zwischenzeitlich der Formaldehydbelastung ausgesetzt waren, gehörte das Umweltamt. Als diese und weitere Dienststellen Ende 2016 in den einstigen IT-Speicher in der Bruderwöhrdstraße umzogen, schwärmte dessen Eigentümer Oswald Zitzelsberger davon, dass die städtischen Mitarbeiter jetzt frische Luft genießen könnten.