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20. November 2019

Aus für zwei „Idiotenkreisel“

Domplatz und Fröhliche-Türken-Straße: Koalition schafft vor der Wahl noch schnell zwei Tatsachen.

Hier greift eine der Sofortmaßnahmen der Koalition: Um die Erreichbarkeit der Obermünsterstraße zu verbessern, ist künftig auch an dieser Stelle die Einfahrt in die Fröhliche-Türken-Straße erlaubt. Foto: Rainer Wendl

Regensburg. 16 Jahre lang hat sich niemand mehr an das Thema „Verkehrsberuhigter Domplatz“ gewagt – und jetzt soll es auf einmal ganz schnell gehen. Noch im Dezember will die Rathaus-Koalition einen Stadtratsbeschluss durchsetzen, demzufolge Autos weitestgehend aus dem Bereich rund um das wichtigste Wahrzeichen der Stadt verbannt werden sollen.

Rückblende: Im August 2003 hatte es zu genau diesem Thema bereits einen Bürgerentscheid gegeben, bei dem das Anliegen der Initiatoren zwar die Mehrheit der Stimmen erhielt, wegen zu geringer Beteiligung aber nicht umgesetzt wurde. Die damalige Stadtregierung war nämlich kein Freund einer sofortigen Verkehrsberuhigung und hatte den Entscheid daher auf einen Termin in den Sommerferien gelegt. Dieser taktische Kniff ging auf, da in der Urlaubszeit nicht die notwendige Anzahl an Bürgern mitstimmte.

Schon 2003 stellte sich die Frage, wie bei einem Verbot der Durchfahrt am Domplatz weiterhin die Tiefgarage im Bischofshof erreicht werden kann. Die Antwort war und ist einfach: durch eine Umdrehung der Einbahnrichtung in der Straße Unter den Schwibbögen. „Auch beim Eck beim ehemaligen Picasso gibt es keine Probleme für den Verkehr, das haben wir bereits prüfen lassen“, sagt SPD-Fraktionschef Klaus Rappert.

Teil einer Strategie

Er führt weiter aus, dass dieser doch spektakuläre Plan drei Monate vor der Wahl kein Schnellschuss, sondern Teil einer Gesamtstrategie sei: „Wir gehen zweigleisig vor. Einerseits wollen wir in einem Beteiligungsprozess mit allen betroffenen Gruppen ein Konzept für den Verkehr in der Altstadt insgesamt erstellen, andererseits setzen wir einige Sofortmaßnahmen um.“ Neben dem autofreien Domplatz zählen dazu die Verringerung des Durchgangsverkehrs in der Maxstraße sowie eine Neuregelung im südlichen Teil der Fröhliche-Türken-Straße. Hier soll die bislang bestehende Einbahnregelung aufgehoben werden, damit man auch vom Petersweg aus zur Obermünsterstraße fahren kann. „Das dient der besseren Erreichbarkeit der Obermünsterstraße. Bisher kam man dorthin ja nur über den Brixener Hof und die Schäffnerstraße“, erklärt Rappert. Für das nötige Mehr an Platz in der künftig in beiden Richtungen befahrbaren Fröhliche-Türken-Straße soll die Streichung von vier Parkplätzen sorgen.

Kein Grünen-Zuckerl

Mit den beiden Sofortmaßnahmen werden zwei viel genutzte „Idiotenkreisel“ in der Altstadt stillgelegt, freut sich der SPD-Fraktionschef. Gleichzeitig betont er, dass es sich dabei um kein Zugeständnis an den grünen Koalitionspartner handle, dem erst neulich die Beibehaltung der kostenfreien ersten Stunde in den Parkhäusern sauer aufgestoßen war.