Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
26. Juli 2019

Das Taracafé sagt Goodbye

Zum Ende des Jahres verabschieden sich Geschäftsführerin Estella Schweizer und ihr Team vom Taracafé Am Brixner Hof 5 mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir haben mit ihr über neue Projekte und schöne Erinnerungen gesprochen.

Um sich wieder mehr eigenen Projekten widmen zu können, verabschiedet sich Estella Schweizer Ende des Jahres von ihrem geliebten Taracafé und seinen Gästen. Foto: Michael Groll

Regensburg. Regensburgs erstes veganes Lokal streicht die Segel. Noch sechs Monate, dann ist Schluss im Taracafé, zumindest für Geschäftsführerin Estella Schweizer und ihr Team. Was danach in die Räume neben dem Yogastudio zieht, ist noch unklar. Ein neuer Pächter mit passendem Konzept wird aber bereits gesucht. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Yoga-Shop mit einer kleinen Café-Ecke, so Schweizer.

Schon vergangene Woche schockte die Nachricht über die Schließung, die das Taracafé-Team auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte, Freunde und Stammgäste.

Für Geschäftsführerin Estella Schweizer ist der Abschied aber kein Grund zur Trauer, sondern eher eine Art Befreiungsschlag. Seit rund vier Jahren ist sie im Taracafé für Konzept, Speisekarte, Events und Mitarbeiterführung verantwortlich. Ein Traum- aber auch ein Knochenjob. 80-Stunden-Wochen seien dabei keine Seltenheit, wie sie im Interview verrät. Trotzdem habe sie es gerne gemacht: „Es war immer schon mein Lebenstraum, ein Café zu betreiben“, sagt die 36-Jährige. Und das sei es noch. Auch wenn sich die Prioritäten derzeit etwas verschoben haben. „Ich bin gerade eher eine Aktivistin, die sich kreativ noch ausleben will“, sagt Schweizer.

Neben ihren Projekten, wie einem eigenen Kochbuch, Kochkursen und anderen Events, will Schweizer auch ihre Kooperationen mit anderen Gastronomen aus ganz Deutschland weiter ausbauen. Ein Plan, den es nicht erst seit gestern gibt. Der aber letztendlich zu scheitern drohte: „Ich hatte die Vision mir ein Kernteam aufzubauen, damit ich das, was mich auch fasziniert, Events zu veranstalten, Kochkurse zu geben, eben kreativ zu sein, verwirklichen kann. Ich hatte immer die Hoffnung, dass ich mich irgendwann ein bisschen aus dem Lokal zurückziehen kann“, sagt Schweizer. Nachdem jetzt aber einige Mitarbeiter gekündigt oder ihre Kündigung in Aussicht gestellt haben, zog sie die Reisleine. „Meine eigenen Projekte sollen wieder an erster Stelle stehen.“

Einen konkreten Plan für die Zukunft habe sie noch nicht: „Ich möchte mehr Kochevents und Kurse geben. Wo genau diese dann stattfinden werden, weiß ich noch nicht genau“, sagt die 36-Jährige. Und auch die Frage, ob die neue Kochwerkstatt vorrübergehend im Tara bleiben könnte, bis die neuen Pächter einziehen, hält sich Schweizer offen: „Vielleicht gehe ich auch wieder nach Freiburg. Da bin ich hergekommen und da zieht es mich vom Herzen her auch wieder hin“, sagt sie.

Allen Gerüchten zum Trotz sei das Café übrigens sehr gut gelaufen. „Viele denken, wir machen zu, weil sich unser Konzept nicht trägt. Das stimmt aber nicht. Es boomt eher“, erzählt sie. Natürlich sei die Gewinnspanne bei einem so hohen Wareneinsatz und Personalkosten nicht ganz so hoch wie vielleicht in anderen Gastronomiebetrieben. Um kleine Rücklagen zu bilden, habe es aber immer gereicht.

Die Nachfrage und Resonanz sei sogar so groß, dass Schweizer und ihr Team bereits gewitzelt haben: „Wir müssen uns hüten, sonst gibt es noch eine Petition und eine Demo.“

Damit es nicht soweit kommt, haben alle Fans noch sechs Monate Zeit, um gebührend Abschied zu nehmen und ihre Gutscheine einzulösen. Das war Schweizer besonders wichtig. Und einige Events stehen ja auch noch auf dem Programm. Wer es dennoch nicht rechtzeitig hinbekommt, kann den Gutschein übrigens auch gegen Yogastunden eintauschen.

„Ich bin sehr dankbar für die letzten vier Jahre, sowohl meinem Team als auch den Gästen. Ich war so überrascht von der Großzügigkeit und Offenheit der Gäste. So ein offenes Publikum zu haben, das bereit ist sich immer wieder einzulassen, begreife ich als eine sehr große Wertschätzung“, sagt Schweizer.

Wer auch 2020 auf dem Laufenden bleiben will, sollte Schweizers Newsletter abonnieren. Darin findet ihr dann zum Beispiel News, wie es mit dem Kochbuch weitergeht, das Estella gerade fertigstellt und wofür sie noch einen Verlag sucht. Darin befinden sich neben den Lieblingsrezepten der Tara-Gäste übrigens auch ein paar Geheimtipps der 36-Jährigen.