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28. Juli 2019

„Der Schöpfer“ ist zurück

Jörg Andreas Heilmair ist einer der letzten seiner Zunft: In seiner Papiermühle am Brixener Hof zeigt er die alte Handwerkskunst.

Jörg Andreas Heilmair hat ein Museum für die Papierherstellung eröffnet. Foto: Aniko Ligeti

Regensburg. Gut fünf Gehminuten vom großen Bayern-Museum am Donaumarkt hat ein weiteres, ganz Kleines eröffnet: Heilmair Jörg Andreas, der aus bayerischer Tradition den Familiennamen immer zuerst erwähnt, hat am Brixener Hof 7 mit der „Papiermühle“ der traditionellen Handwerkskunst des Papierschöpfens ein Museum geschenkt.

„Sechs bis acht Schritte braucht es, um aus Naturmaterialien wie etwa klein geschnittenen Leinen einen Bogen Papier herzustellen“, erklärt der 44-jährige Papiertechnologe. Dabei sind auch andere Reststoffe und Naturmaterialien wie Kakaoschalen und Elefantendung denkbar. Wie das Endprodukt dann aussieht, ist auch in der weltberühmten Papierfibel, die im Schaufenster ausgestellt ist, zu bestaunen. Mehr als 800 Seiten Unikate sind darin zu finden, 21 Exemplare hat der Experte für Papier dazu beigetragen.

Vor zehn Jahren bereicherte Heilmair schon einmal das Regensburger Stadtbild. Als „Der Schöpfer“ hatte der Papiermacher seine Produktionsstätte im Herzen der Altstadt. Lukrative Angebote lockten ihn in die Schweiz, wo er für die Herstellung von Sicherheitspapier als Experte zuständig war. „Back to the roots“ ist Heilmair nun wieder in Regensburg, wie er sagt, um Wissenschaft und Wissensweitergabe in seiner Papiermühle zu zeigen.

Hierzu hat der Experte auch den Verband der Deutschen Papierindustrie mit ins Boot geholt. „Auf einem Bildschirm wird die technische Papierherstellung auf modernen Papiermaschinen zu sehen sein. Hier in diesen Räumen werde ich die traditionelle Herstellung der Papierherstellung vorführen“, erklärt der Regensburger. Dafür gibt es in seiner Papiermühle auch mehrere Stationen, wie etwa eine riesige Wanne, in der die aufgeweichten Reststoffe zu einem Stoff-Wasser-Gemisch weiterverarbeitet werden oder etwa auch eine historische Presse, um das Papier gleichmäßig zu walzen.

„Wenn die Türe offen ist, einfach mal reinschaun“, lacht der Papier-Experte und freut sich auf viele interessierte Besucher. Die nächsten Ideen schmiedet der Unternehmer zudem: „Neben Workshops, Ausstellungen und Gigs, die hier am Brixener Hof 7 stattfinden werden, bin ich dabei, ein Handwerksmuseum der historischen Gewerke unter einem Dach zu präsentieren. Denn viele der Traditionsberufe gibt es nicht mehr. In der Papiermühle kann man bereits einen kleinen Einblick erhalten, wie die Jahrtausende alte Tradition noch per Hand hergestellt wird“, so Heilmair.