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02. Juli 2019

Einmal autofrei, bitte!

Die Fridays for Future Bewegung in Regensburg macht mobil, und das ganz CO2-frei. Am 5. Juli stehen gleich elf Demonstrationen und eine autofreie Altstadt auf dem Programm.

Leonie Häge und Ferdinand Klemm von Fridays for Future Regensburg wünschen sich ein Umdenken in der Bevölkerung. Dafür machen sie die Altstadt zwei Stunden lang emissionsfrei. Foto: Stina Walterbach

Regensburg. „Du kommst hier nicht rein“, so oder so ähnlich könnte es am Freitag, 5. Juli Autofahrern ergehen, die nach 15 Uhr in die Altstadt wollen. Die Großdemonstration, bei der es insgesamt zwölf Kundgebungen entlang des Regensburger Grüngürtels geben soll, wird von der Fridays for Future Bewegung Regensburg organisiert. Mit dabei sind aber auch andere Initiativen, wie zum Beispiel der Regensburger Radentscheid, der ADFC und Greenpeace.

Die Forderungen

Das Bündnis fordert: Stadtrat und Kreistag sollen die Forderungen des Bürgerbegehrens Radentscheid sofort übernehmen, einen kosten- und emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr auf Straßen, Schienen und auf dem Wasser, keine großen Investitionen in den motorisierten Individualverkehr und Tempo 30 im Stadtgebiet, einen Plus-Energie-Standard in der Bauleitplanung und eine höhere Sozialquote beim Wohnungsbau, Solaranlagen auf allen Dächern und Parkplätzen, Umrüstung der gesamten Straßenbeleuchtung auf LED bis 2020, mehr Grün- und Wasserflächen sowie essbare Pflanzen in öffentlichen Grünflächen und nachhaltiges Essen in städtischen Kantinen sowie an der Universität und OTH.

Foto: Stina Walterbach

„Die Demonstration soll zeigen, wie Regensburg auch sein kann. Ohne Autos wäre die Altstadt sauberer, grüner und ruhiger“, erklärt Mitorganisator Ferdinand Klemm. Das sieht auch seine Mitstreiterin Leonie Häge so. „Wir wollen niemandem schaden“, sagt der 18-jährige Jurastudent. Der Protest richte sich ausschließlich gegen die Stadtverwaltung und keineswegs gegen den regionalen Einzelhandel, die Hotels oder Anwohner. Ganz im Gegenteil. Angestellte, die seit den Morgenstunden arbeiten und aus der Altstadt einfach nur in ihren wohlverdienten Feierabend wollen, Krankenwagen, Polizei und der Altstadt-Elektrobus haben auch nach der Sperrung um 15 Uhr noch freie Fahrt.

Von der Kleidertauschparty bis zur Jam-Session

Dafür haben sie nach dem Abschlussgespräch mit dem Ordnungsamt vergangenen Woche die Wittelsbacherstraße freigegeben, damit der Verkehr besser abfließen könne, so die Verantwortlichen. Aus den ursprünglich geplanten acht Demos sind mittlerweile zwölf geworden, von denen neun zeitgleich geplant sind. Darunter sind unter anderem einen Kleidertauschparty, eine Jam-Session, eine „Plogging“-Aktion, eine Fahrradwerkstadt und einen nachhaltige Stadtführung. Jede Menge Programm also, das möglichst viele Menschen in die Stadt locken soll. „Wir wollen alle ansprechen“, sagt die 16-jährige Schülerin Häge.

Update: „Da wir als Bewegung das Gefühl haben noch nicht richtig verstanden worden zu sein, haben wir außerdem eine Menschenkette für das kulturelle Erbe der Menschheit im Angesicht der Klimakrise angemeldet. Die Menschenkette wird sich über den gesamten Alleengürtel ausdehnen und der geplante Lückenschluss wird gegen 16 Uhr stattfinden“, geben die Verantwortlichen am Mittwoch, 3. Juli in einer Pressemitteilung bekannt.

Alle Stationen der Großdemo auf einen Blick. Quelle: www.futureforregensburg.de

Eine andere Idee, die zwei Stunden autofreie Altstadt zu genießen, wäre zum Beispiel ein kleines Picknick mitten auf dem Arnulfsplatz. Möglich wäre es auf jeden Fall. „Wir wollen kein politisches, sondern ein gesellschaftliches Statement setzen“, stellt Klemm klar. Wer sich daran noch aktiv beteiligen möchte, kann auch selbst eine kreative Aktione starten. Diese muss allerdings bei den Organisatoren angemeldet werden. Ansonsten heißt es am Freitag, 5. Juli ab 15 Uhr einfach mal genießen und die Stadt von einer ganz anderen Seite kennenlernen.

Zum Abschluss treffen sich dann alle um 18 Uhr zu einer Kundgebung plus Konzert am Domplatz. Hier sollen dann noch mal alle Forderungen benannt und die Aktion erklärt werden. Danach gibt’s Musik von Liquid und Maniac.

Am Ende wünschen sich die Organisatoren vor allem eins: „Klimawandel wird immer als Verzicht dargestellt, mein Wunsch wäre aufzuzeigen, dass die Klimakrise nicht Verzicht, sondern einen massiven Zugewinn von Lebensqualität bedeutet“, sagt Klemm. Er und seine Mitstreiter freuen sich darauf, mit möglichste vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und auch neue Diskussionen anzuregen.

Was: Großdemo von Fridays for Future Regensburg

Wann: 5. Juli, 15 bis 17 Uhr und 18 bis 22 Uhr

Wo: in der Altstadt, ab 18 Uhr am Domplatz

Wer: Ob Klimaschützer, Gegner oder Unentschlossene, alle sind willkommen.

Wie viel: Eintritt ist frei

Alle Infos, Stationen und Änderungen gibt’s auf www.futureforregensburg.de