Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
11. Juli 2018

Finanzwelt: Nachhilfe für Frauen

Es gibt ein Thema, das alle betrifft, aber wenige juckt: Finanzen. Vor allem Frauen kümmern sich zu wenig darum, obwohl sie es dringend brauchen. Finanzblogs für Frauen wollen es ändern.

Wenn es um Geldanlage geht, fehlt es oft an Wissen. Dabei würden viele Frauen gern Geld an der Börse anlegen. Foto: foxyburrow – adobe.stock.com

Regensburg. Geldanlage und Vorsorge – wie öde! Wer das Thema im Freundes- oder Kollegenkreis anspricht, erntet wenig Begeisterung. Vor allem Frauen sprechen nicht nur selten mit anderen über das Thema, sie kümmern sich auch nicht um ihre Finanzen, wie die aktuelle TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigt. 29 Prozent der Frauen lassen demnach Finanzthemen kalt. Die Folgen sind fatal: drohende Altersarmut und Abhängigkeit vom Partner.

Dabei muss man sich gerade jetzt um Geldanlagen kümmern, denn Sparbuch und Tagesgeldkonten bringen nichts ein und lassen das Geld eher schmelzen. Also muss eine clevere Strategie her, die das verdiente Geld vermehren soll. Eine Möglichkeit sind Aktien. Je früher man damit anfängt – und es geht schon ab 25 Euro pro Monat – desto besser ist es. Allerdings sind zum Beispiel Fonds, mit denen man das Geld für sich arbeiten lassen kann, eher eine langfristige Anlage. Und man muss geduldig sein und Einbrüche der Aktien aushalten. Dafür wird man aber langfristig mit satten Gewinnen belohnt.

Aber zuvor muss man sich Wissen aneignen. Ja, es ist nicht die beste Freizeitbeschäftigung, aber es muss auch nicht oberlangweilig sein. Denn zahlreiche Finanzblogs für Frauen erklären auf verständliche und witzige Art die Finanzwelt: Unter den Namen Fortunalista, MyMoneyMind, Klunkerchen, Madame Moneypenny oder Geldfrau räumen Finanzexpertinnen mit Vorurteilen in Bezug auf Geld auf, klären auf und zeigen konkrete Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit. Und die Finanzbloggerinnen haben auch Instagram-Accounts. Sie erklären komplexe Geldanlagen wie börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds beziehungsweise ETFs) in drei Schritten oder Vor- und Nachteile von Immobilienkauf in kurzen Einträgen. Andere bedienen sich gern der „Frauenthemen“ und drücken etwa die Erträge durch eine clevere Investition in Jimmy-Choo-Schuhen aus.

Sehr hilfreich ist auch die geschlossene Facebook-Gruppe von Madame Moneypenny: Dort tauschen sich ausschließlich Frauen über Geldanlagen, Wohnungskauf oder Altersvorsorge aus. Hier gilt das Motto „Dumme Fragen gibt es nicht“, der Ton ist höflich und unterstützend. Ob es um Details beim Erwerb von ETF geht, Fragen zum Autokauf oder Indexmietverträgen – jede Frage wird beantwortet. Auch junge Frauen mitten in der Ausbildung holen sich gern Rat von älteren Zeitgenossinnen, um möglichst früh ein Finanzpolster zu schaffen. Als Motivation schwebt über allem: Mit 40 nicht mehr arbeiten müssen.

Im Winter startet außerdem die erste Online-Investment-Plattform für Frauen in Deutschland: Unter dem Namen FinMarie wollen Finanzberaterin Karolina Decker und promovierte Volkswirtin Kamila Danilowicz-Gösele Frauen in Sachen Geldanlage und Vorsorge unterstützen. Für sie ist klar: Jede Frau muss sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen, bisher werden sie aber auf dem Finanzmarkt nicht angesprochen. Dabei sind sich die beiden Expertinnen sicher, dass Frauen bei Investitionen die besseren Entscheidungen treffen.