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Veronika Königer
30. November 2018

Goodie-Bags statt Gewissen

Zum Semesterstart reißen sich an der Uni viele Studenten um Campustüten in verschiedensten Ausführungen. Eines haben sie alle gemeinsam: jede Menge Verpackungsmüll.

Campus Tüten landen nach kurzer Freude im Müll - doch es geht auch anders! Foto: Veronika Königer

Regensburg. Proteste gegen Einwegbecher und in Plastik verpackte Sandwiches. Jubel über die neuen Pfandeinweckgläser in der Mensa und die „Happy Half Hour“ in den Cafeterien, bei der in der letzten halben Stunde der Öffnungszeiten Frischeprodukte mit 30 Prozent Preisnachlass verkauft werden, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Nachhaltigkeit wird bei den Studenten also großgeschrieben – zumindest solange es nichts umsonst gibt.

Dienstag, 23. Oktober, 12 Uhr. Vor dem Sammelgebäude hat sich eine lange Schlange gebildet. Besser gesagt, vor dem Tisch, an dem Goodie-Bags verteilt werden. Wer eine davon ergattert hat, macht sich auf in Richtung Bus oder wieder zurück auf den Campus – und schon auf dem Weg fliegt so mancher unerwünschter Inhalt der Tüte „zufällig“ auf den Boden oder wird in einen der bereits überfüllten Mülleimer gestopft. Was außer der ungeliebten Werbung zurückbleibt, ist karg: ein Schokoriegel, Instantnudeln und eine Probierpackung Kaffeepulver. Enttäuschung macht sich auf den Gesichtern breit – und Hoffnung: „Morgen gibt es ja die anderen Tüten noch, ich hoffe, da ist was Besseres drin“, meint eine Studentin zu ihrer Freundin und stopft gleich die ganze Tüte außer dem Schokoriegel in den Müll.

Offenbar tritt das Umweltbewusstsein bei vielen in den Hintergrund, wenn man ihnen Geschenke vor die Nase hält. Eine traurige Bilanz – denn Goodies gibt es an der Uni auch ohne Umweltverschmutzung. Der AK Ökologie verteilte auch dieses Wintersemester wieder alternative Campustüten, besser gesagt Campusjutebeutel. Den Inhalt konnte sich jeder selbst zusammenstellen. Dabei gab es viele verschiedene Sachen zum Einpacken, teils aus Geschäften in der Innenstadt, vor allem aus regionalen Läden und Biomärkten, teils aus dem Internet. Darunter zum Beispiel Mehrwegbecher, Waschmittel, vor kurzem abgelaufenes Bier oder Mützen und Schals vom Secondhandladen Peacehand. Der Andrang war groß – und das, obwohl die Beutel extra nicht mitten auf dem Campus verteilt wurden, wo jeder vorbeikommt. „Wir haben das Ganze oben im Asta veranstaltet, damit die Leute nicht einfach kommen und Sachen mitnehmen, weil es gratis ist, sondern, weil sie sich damit auseinandergesetzt haben“, erklärt Astrid Heindel vom AK Ökologie. Die Taktik scheint aufgegangen zu sein: „Wir hatten wirklich das Gefühl, dass die Leute nur das genommen haben, was sie wollten und was sie auch gebraucht haben!“

Eine gute Alternative zu den üblichen Goodie-Bags, die immer mehr Fans bekommt. Und das Beste: Drin ist nur, was man auch wirklich braucht oder zumindest selbst ausgesucht hat. Wer trotzdem nicht auf die guten alten Campustüten verzichten will, kann die leere Tüte beim Secondhandladen Peacehand abgeben und so trotzdem noch was für die Umwelt tun. Daumen hoch für diese coole Aktion.

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Veronika Königer