Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Andrea Deyerl
Titelfoto: Matthias Jobst
Matthias Jobst
Titelfoto: Matthias Jobst
27. September 2012

Große Kunst auf kleinem Raum

Sita Angelika Völkel ist mit ihrer kleinen Galerie am Ölberg auf dem Weg nach oben.

15 Regensburger Galerien öffneten beim jährlich stattfindenden Galerieabend ihre Pforten.Matthias Jobst

Regensburg. „Künstlerin bin ich keine“, sagt Sita Angelika Völkel, die lieber als „Kreative“ betitelt werden will. Doch sie scheint auf dem besten Weg dahin zu sein.

Völkl, die „wie die Jungfrau zum Kind“ zu ihrer eigenen Galerie kam, hat sich eingeklinkt, als ihr Sohn Benjamin Eder 2005 mit der Galerie startete. Mittlerweile hat sie sich und die Galerie in die Kunstszene integriert. Vernissagen sind gut besucht, Künstler fragen regelmäßig an, nicht selten werden Werke verkauft. Es läuft also gut. Kein Wunder, denn Völkel liegt das Netzwerken. Und die Kunst.

„Es ist mein Ausgleich. Manchmal muss ich einfach ausbrechen“, erzählt Sita Angelika Völkel, die eigentlich an der Uni einen Bürojob hat. Um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, wagte sie sich auch erst kürzlich an ihr eigenes Werk. „Datenträger umgarnt“, eine Kunstinstallation ist entstanden.

Doch auch wenn ihre Galerie auf dem Vormarsch ist und Anfragen bis ins kommende Jahr reichen, bleibt sie bescheiden. „Zum Künstler fehlt mir das Handwerk. Aber ein gutes Aquarell erkenne ich sehr wohl.“ So beurteilt sie Bilder nach Farbgebung, stützt ihre einleitenden Worte bei Vernissagen auf (Familien-)Geschichten, die sie vom Künstler weiß, und hängt ihr Lieblingsbild ins Schaufenster.

Die Galeristin verlässt sich, dort wo das Kunsthistorikerwissen fehlt, auf ihr Bauchgefühl. Was aber nicht schadet! Denn was Kunst ist entscheidet nach wie vor der Betrachter. Und vielleicht ist da ein Bauchgefühl entscheidender als das Wissen um Technik.

Dennoch: „Die Galerie ist mein eigenes kleines Kunststudium.“ Sita Angelika Völkel liest sich ein, lernt von Künstlern, lernt von Kollegen. Früher oder später wird die kreative Frau, die schräge Sachen liebt und Anleitungen hasst, eine echte Kunstkennerin und Kunstversteherin geworden sein. Bleibt zu hoffen, dass dabei ihr sympathisches Bauchgefühl nicht verloren geht. Aktuell ist in der Galerie am Ölberg die Ausstellung „Europäische Landschaften“ zu sehen. Ernst F. Kager zeigt seine Aquarelle und Lithographien. Geöffnet ist die Galerie immer freitags von 15 bis 19 Uhr. So einzigartig Sita Angelika Völkel auch ist, sie ist nicht allein. In der Altstadt tummeln sich viele Galerien. 15 davon öffneten am Samstagabend von 18 bis 24 Uhr ihre Pforten für die vielen interessierten Besucher.

Viele Galerien nahmen den Abend zum Anlass, um eine Ausstellung zu eröffnen und Gespräche mit den Künstlern zu ermöglichen, wie zum Beispiel die Galerie Dr. Edel Verlag, wo Karl Eichinger seine Kunstwerke vorstellte und erklärte. Im Kunstkabinett und in der Galerie Hammer fanden Einführungen von Dr. Herbert Schneidler und Niels Bach statt.

Der Kunst- und Gewerbeverein begeisterte die Gäste zudem mit Live-Jazzmusik, in der Kleinen Galerie in der Gesandtenstraße wurden die Besucher mit Gitarrenklängen von Samuel Krügel empfangen. Der Regensburger Galerienabend hat sich inzwischen zur jährlichen Institution gemausert, die vom Publikum begeistert aufgenommen wird.

Andrea Deyerl
Matthias Jobst