Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Andrea Deyerl
Titelfoto: Bastian Schmidt
19. Mai 2015

Grüne Oase erntet Kritik

Die „Terrasse für alle“ in der Obermünsterstraße sticht ins Auge – aber nicht im positiven Sinn. Anwohner kritisieren die Umsetzung.

Anlieger wünschen sich, dass an der Außenwand der „Grünen Oase“ nachgebessert wird.Bastian Schmidt

Regensburg. Des einen Freud ist des anderen Leid. Während die Initiatoren von Transition Regensburg auf ihren neuesten Streich, die „Grüne Oase – Terrasse für alle“ in der Obermünsterstraße stolz sind, regt sich bei Anliegern Unmut.

Die Bürgerbewegung Transition Regensburg hat an der Ecke Steckgasse/Obermünsterstraße aus größtenteils recycelten Materialien und mithilfe von Spenden eine Plattform gebaut, die jeder als Terrasse nutzen darf und soll. Es gibt Sitzgelegenheiten zum Verweilen, Blumen und Gemüse zum Gießen und auch Ernten, eine Biotonne zur gemeinschaftlichen Nutzung und demnächst auch Kühlschränke. Sie werden von den, ebenfalls bei Transition aktiven, Lebensmittelrettern mit gespendeten oder von Supermärkten aussortierten Lebensmitteln befüllt.

Detlef Roßmann, der die Oase mitgebaut hat, erhofft sich, einen Treffpunkt für die Menschen im Obermünsterviertel erschaffen zu haben. Aktuell fehlt, neben Kleinigkeiten, noch ein Geodom als Sonnenschutz. Auch hier wird er wieder auf viele Helfer zählen können – so wie beim gesamten Bau. Daher könnte auch die teilweise eigenwillige und uneinheitliche Optik der Terrasse kommen. „Wir haben voller Aktionismus einfach losgelegt“, erzählt Roßmann.

Zum Ärger von Rosemarie Feucht, Inhaberin des Kinder- und Umstandsmodengeschäfts Zaubergarten, direkt gegenüber: „Es gab Pläne für die Terrasse, demnach wäre sie echt schön geworden. Doch von denen ist nichts übriggeblieben.“ Die jetzt bestehende Terrasse findet sie „schlampert“. Doch für sie steht gleichzeitig fest, dass die öffentliche Terrasse an sich eine gute Sache ist. Caroline Gmachl, Inhaberin des Feinkostladens und Lokals Hexerei ist begeistert von der Idee, wünscht sich an der ein oder anderen Stelle aber noch optische Nachbesserungen. Stephan Mikes, der in der Obermünsterstraße wohnt, ärgert sich darüber, dass fünf Parkplätze weggefallen sind. Sie waren einige der wenigen, die abends für Anwohner kostenlos zur Verfügung standen. Ein Ausweichen ins wiedereröffnete Parkhaus am Petersweg ist Mikes schlicht zu teuer. In der Facebookgruppe „Du bist ein echter Regensburger, wenn...“ werden die fehlenden Parkplätze und auch die Optik hitzig diskutiert. Hier ist sogar von „Sperrmüll“ die Rede.

Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, kann die Kritik nicht nachvollziehen. Transition hätte schon bei mehreren Kooperationen gezeigt, dass die Bürgerbewegung ein verlässlicher Partner ist, weswegen die Stadt die Sondernutzungserlaubnis bis Herbst 2016 für die Fläche erteilt hat. „Die Gestaltung folgt einer Ästhetik, die ungewöhnlich ist. Ob man sie nun schön findet oder nicht, in jedem Fall bringt sie die Vielfalt des Viertels gut zum Ausdruck und liegt auch in dieser begründet“, so Sedlmeier. Außerdem ist er der Überzeugung, dass im Obermünsterviertel umgedacht werden muss: „Um das Obermünsterviertel aufzuwerten, bedarf es anderer Handlungsansätze als sonst. Kritiker können vielleicht ein leichteres Verständnis dafür bekommen, wenn sie sich auf den Diskurs mit den lokalen Akteuren einlassen – zum Beispiel auf der ,Terrasse für alle‘“.

Die „Grüne Oase – Terrasse für alle“ wird am Samstag, 23. Mai ab 15 Uhr offiziell eröffnet. Um 18 Uhr wird Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ein Grußwort sprechen.

Andrea Deyerl