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Bastian Schmidt
Titelfoto: MFA+
09. Januar 2012

„Ich suche die Herausforderung"

Zur Deutschlandpremiere ihres neuesten Films „Der atmende Gott“ (Regie: Jan Schmidt-Garre) war Marieke Schroeder zu Gast im Andreasstadel.

„Der atmende Gott“ wurde in Indien gedreht.

Die Filmemacherin wurde 1970 in Regensburg geboren und lebt mittlerweile mit ihrem Mann und drei Kindern in München. kult.de hat mit ihr über Regensburg, ihre Ziele und Erfolg gesprochen.

Wie sind Sie zum Beruf der Filmproduzentin gekommen?

Ich bin ja sowohl Produzentin, als auch Regisseurin. Während meines Studiums der Kommunikationswissenschaften in München hatte ich das klare Ziel Auslandskorrespondentin zu werden. Es war die große Zeit der Magazinbeiträge und wir haben während des Studiums sehr, sehr viel gearbeitet und verschiedene Praktika bei Fernsehsendern gemacht. An einem Nachmittag habe ich drei Beiträge angeboten. Einen über Jim Jarmusch, einen über die Rückkehr von Clementine auf den Bildschirm und ein drittes, ähnlich dumpfes wie „Clementine“. Der Bericht über Jarmusch wurde kein einziges Mal gekauft, die beiden anderen drei- oder viermal. Als Reaktion bin ich zu meiner Professorin gegangen und habe um ein möglichst kompliziertes Thema für meine Magisterarbeit gebeten. Das habe ich dann mit der „Filmpropaganda des Deutschen Flottenvereins von 1901 bis 1907“ auch bekommen. Ein Knochenthema. Aber es hat mich befriedigt und da habe ich gemerkt, dass vielleicht der Film meine Sache ist. Ich brauche Herausforderungen.

Der Auslandskorrespondent war damit abgehakt?

Ich habe einfach gemerkt, dass mir die intensive Beschäftigung mit einem Thema für einen Film sehr liegt. Außerdem wollen sehr viele Menschen Auslandskorrespondenten werden und geben tut es dann doch nur sehr wenige. Das war mir zu heikel. Außerdem habe ich einen Platz im „Intensiv Film Program“ der New York University bekommen. Hier wurde einem in extrem arbeitsintensiven vier Monaten das Handwerk des Filmemachens näher gebracht. Das hat mich begeistert und ich wollte es weitermachen.

Was war dann Ihre erste Arbeit?

Ich habe mir eine Regieassistenz gesucht und die bei Jan Schmidt-Garre gefunden. Das erste Projekt war eine 13-teilige Serie über die Tenöre der Schellackzeit. Mein großes Glück war, dass jeder der Tenöre an einem anderen Ort der Welt gedreht wurde. Jan hatte irgendwann keine Lust mehr auf ständiges Reisen und so habe ich einige der Filme alleine vor Ort drehen dürfen und müssen. So bin ich schnell immer weiter reingewachsen.

Was war Ihr erstes eigenes Projekt?

Das war ein Geschenk des Regensburgers Thomas Hausner, für das ich ihm bis heute dankbar bin. Hausner hat sehr viele Dokumentarfilme für die ARD gemacht und ich hatte zu der Zeit bereits als Regieassistent mit ihm gearbeitet. Dann bekam er den Auftrag für die ARD Reihe „20 Tage im 20. Jahrhundert“ einige Teile zu produzieren. Irgendwann merkte er, dass es ihm zu viel wurde und er boxte bei den ARD Verantwortlichen durch, dass ich einen Teil in Eigenregie machen durfte. So kam ich zu meinem ersten eigenen 45-Minüter in der ARD.

Woher kam die Idee zum Film „Der atmende Gott“?

Das war Jans Thema. Wir haben fast zeitgleich mit Yoga angefangen und er hat schon immer gesagt, dass er gerne etwas über Yoga machen würde. Jetzt gibt es unendlich viel Literatur über Yoga, aber fast nichts über die Anfänge, was einer Überprüfung standhält. Wenn man genauer recherchiert stellt sich heraus, dass die Anfänge des modernen Yogas bei Krishnamacharya liegen, um den es in diesem Film unter anderem geht.

Wie lange haben Sie an dem Film gearbeitet?

Fünf Jahre. Natürlich nicht ausschließlich, denn dann hätte man zu viel Leerlauf. Ich habe in dieser Zeit bei fünf weiteren Filmen Regie geführt.

Warum feiert Ihr Film Premiere in Regensburg?

Ich komme immer noch gerne hierher, meine Eltern leben hier. Aber Geschäfte habe ich noch nie mit Regensburg gemacht. Jetzt kenne ich Christian Meinke (Anm.d. Red.: Geschäftsführer der MFA+ Film Distribution) schon so lange, dass wir gedacht haben, das machen wir einfach mal.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Mein direktes Anschlussprojekt geht um Countrymusik und den Seelenzustand Amerikas. Auch eine sehr interessante Geschichte.

Sie machen überwiegend Dokumentationen. Reizt Sie der Spielfilm nicht?

Oh doch, aber bei Dokumentationen kenne ich das Terrain. Es gibt natürlich ein paar Stoffe, die ich gerne im Spielfilm verarbeiten würde. Allerdings habe ich noch keine ausgereifte Idee, wie ich diese Themen anfassen möchte.

Haben Sie einen beruflichen Traum?

Mein Traum wäre es, immer weiter Filme machen zu können ohne mir Sorgen um die Finanzierung machen zu müssen.

Wann ist für Sie ein Film ein Erfolg?

Ehrlich gesagt, wenn ich ihn nach der Fertigstellung das erste Mal sehe und er mir gefällt. Wenn ich ihn dann ein Jahr später noch mal sehe und immer noch zufrieden bin, dann ist der Film gefühlt ein Erfolg, auch wenn er vielleicht nicht das große Geld eingespielt hat.

„Der atmende Gott“ läuft im Regensburger Ostentor-Kino.

Bastian Schmidt