Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
21. Juli 2019

„Keine Brücke für Stadtamhof“

Trotz aller Kritik: Die Stadtverwaltung hält unverändert am Holzgartensteg fest.

Der Holzgartensteg soll den Grieser Spitz (Bildmitte) mit dem Maria-Beer-Platz (oben) verbinden. Eine Verlängerung zum Unteren Wöhrd (unten) hält die Stadt nicht für praktikabel. Foto: Stefan Effenhauser, Stadt Regensburg

Regensburg. Seit mehr als 20 Jahren ist in städtischen Bebauungsplänen eine Fußgänger- und Radlerbrücke eingezeichnet, die den Grieser Spitz mit dem gegenüber liegenden Neubaugebiet an der Paarstraße verbindet. Fast genauso lange schien klar, dass das Projekt bekannt und allseits erwünscht, teilweise sogar ersehnt ist. Eine Fehleinschätzung, wie man bei Stadtverwaltung und Stadtrat seit einigen Monaten weiß. Nachdem der Holzgartensteg im Herbst 2018 erstmals Gegenstand einer konkreten Beschlussfassung geworden war, regte sich vor allem in Stadtamhof massiver Widerstand. Dieser dürfte nicht leiser werden, denn im Planungsausschuss am vergangenen Dienstag ging es um den nächsten Schritt auf dem Weg zur Brücke.

Die Empfehlung der Verwaltung an die Stadträte war eindeutig: Es soll der seit jeher favorisierte Brückenschlag vom Maria-Beer-Platz in Weichs zum Grieser Spitz werden. Andere Varianten – vor allem eine Verlängerung des Stegs zu verschiedenen Anlandepunkten am Unteren Wöhrd – wurden zwar in den vergangenen Monaten auf Anregung von Bürgern nochmals geprüft, aber letztlich verworfen. Deutlich höhere Kosten, größere Eingriffe in die Natur, mehr notwendige Rampen sowie die Tatsache, dass die Grundstücke am Unteren Wöhrd nicht der Stadt gehören, sprechen aus Sicht der Verwaltung gegen eine längere Brücke.

Kein Bau vor 2022

Vorbehaltlich der Zustimmung der Stadträte soll nun ein Planungswettbewerb ausgelobt werden, dessen Ergebnisse Mitte nächsten Jahres vorliegen sollen. Ein Bau scheint frühestens ab 2022 möglich. Angesichts dieses noch weiten Weges stellt Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann fest: „Wir sind in einem sehr, sehr frühen Planungsstadium.“

Dass die kritischen Stimmen derweil nicht weniger werden und die Notwendigkeit der Brücke von den Gegnern des Projekts generell in Abrede gestellt wird, ficht die Referentin nicht an. Vielmehr sieht sie den Holzgartensteg als zentrales Puzzleteil einer attraktiven Nord-Süd-Verbindung für den Radverkehr, dessen Förderung von allen Seiten gefordert wird. „Der Stadtnorden wird in einer ganz anderen Qualität an die Altstadt angebunden“, ist Schimpfermann überzeugt. Für andersdenkende Anlieger aus Stadtamhof hat sie zwar Verständnis, doch andererseits ist ihre Ansage unmissverständlich: „Das ist eine Brücke für die Gesamtstadt, nicht für Stadtamhof.“

Doch vor allem in diesem Stadtteil bleibt die Skepsis groß. Die für 2020 angepeilte Neuplanung des Grieser Stegs macht sie nicht kleiner. Um hochwasserfest zu sein, muss die Brücke zwischen Stadtamhof und Unterem Wöhrd nämlich deutlich höher gebaut werden.

2000 Radler pro Tag

Die optischen Auswirkungen auf das Vorfeld des Andreasstadels und auf die Proskestraße sowie die Frage, ob dieser Bereich dank Holzgartensteg 2000 Radfahrer pro Tag verträgt, treibt die Gegner um.

Thomas Großmüller, der Radverkehrskoordinator der Stadt, rät hingegen zu Gelassenheit und verweist auf das Beispiel Schillerwiese: Hier seien bis zu 4500 Radler pro Tag unterwegs, ohne dass es zu Konfliktsituationen mit Fußgängern und anderen Nutzern komme.