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18. August 2019

Keine weiteren Zapfstellen

Andernorts gehören Trinkwasserbrunnen immer mehr zum Stadtbild, Regensburg verzichtet lieber.

Detlef Staude (li.) und Philipp Seitz erfrischten sich am Trinkbrunnen in Brixen, in Graz oder Nürnberg sind sie auch an der Tagesordnung – in Regensburg nicht. Foto: Staude

Regensburg. Was kostet die Kugel Eis? Wie lange dürfen die Freisitze am Abend offen haben? Wo kann man sich kostenlos eine Erfrischung holen? Das sind einige der Themen, die in jedem Sommer in der Stadt aufs Neue aufploppen. Bei der letztgenannten Frage, also der nach öffentlichen Trinkwasserbrunnen, hat man sich an diesen Zustand gewöhnt: Gibt es in Regensburg fast nicht, wird von der Stadt auch nicht forciert. Wer dann im Urlaub ganz selbstverständlich solche Brunnen vorgefunden hat, fragt sich nach seiner Rückkehr: Warum ist das eigentlich so?

Einer Reisegruppe des Stadtjugendrings ging es kürzlich nicht anders. Unter Leitung des Vorsitzenden Philipp Seitz und seines Stellvertreters Detlef Staude waren die Jugendlichen in der Südtiroler Partnerstadt Brixen unterwegs. Eine Auffälligkeit dieses Ausflugs fasste Staude in einem offenen Brief an Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und die Stadtratsfraktionen so zusammen: „Wir haben an mehreren Orten in der Stadt öffentlich zugängliche Trinkwasserbrunnen gefunden, an denen unsere Jugendgruppe Wasser direkt getrunken oder Trinkflaschen mit frischem Wasser gefüllt hat.“

Leider gebe es in Regensburg diese Möglichkeit nicht, bedauert Staude. Er bittet die Bürgermeisterin daher, das Anliegen zu prüfen und zumindest probeweise einen Trinkwasserbrunnen in der Altstadt zu schaffen.

In Nürnberg gibt’s 17

Ganz richtig ist der Einwurf des Stadtjugendring-Funktionärs freilich nicht. Es gibt im Regensburger Zentrum bereits einen Trinkwasserbrunnen, nämlich am Kassiansplatz. Der ist zwar derart unscheinbar, dass ihn nur Insider kennen. Dennoch macht er der Stadt offenbar mehr Mühe als gedacht. Da Trinkwasserbrunnen der Trinkwasserverordnung unterliegen, müssen über das Gesundheitsamt Vorgaben wie wöchentliche Reinigung und Desinfektion eingehalten werden.

„Die regelmäßige Beprobung der Trinkwasserzapfstelle am Kassiansplatz hat trotz aller Sorgfalt immer wieder zu hygienischen Beanstandungen geführt“, lässt die städtische Pressestelle wissen. Der Brunnen habe deshalb nicht abgeschaltet werden müssen, aber die Keimbelastung sei mitunter „grenzwertig“ gewesen.

Wer nun meint, dass die Hygienevorschriften hierzulande strenger sein könnten als am Beispielort Brixen, dem sei der Blick ins nahe Nürnberg empfohlen: Hier gibt es aktuell in Fußgängerzone und Parks 17 Trinkbrunnen, Tendenz steigend.

Weniger Plastik

Staude zweifelt auch den mit den Brunnen verbundenen Aufwand gar nicht an, hält die Vorteile aber für gewichtiger: „Das Regensburger Trinkwasser ist geschmacklich sehr gut. Die Kosten von Leitungswasser sind im Vergleich zu Wasser aus Trinkflaschen extrem niedrig. Die in Geschäften käuflichen Flaschen sind zudem fast ausschließlich aus Plastik und werden in den allermeisten Fällen weggeworfen. Man könnte also viel Plastik sparen und Müll vermeiden“, argumentiert er und fügt hinzu: „Außerdem wird es Jahr für Jahr heißer.“

Wie die Diskussion über die Brunnen laufen wird, kann man Staude aber bereits vor Eingang der ersten Antwort prognostizieren. Als die ÖDP-Stadtratsfraktion im Vorjahr im Umweltausschuss den Antrag stellte, dass an Orten mit hoher Fußgängerfrequenz die Installation von Trinkwasserbrunnen geprüft werden sollte, erhielt sie eine Abfuhr. Die Pressestelle führt in diesem Zusammenhang auch die Kosten auf: Weil jede weitere Trinkwasserzapfstelle mit rund 20 000 Euro bei der Anschaffung und 5000 Euro jährlich im Betrieb zu Buche schlage, werde darauf verzichtet.