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Titelfoto: Maria Stich
03. Januar 2017

Mit Algen Leben retten

Regensburger Studenten starten Hilfsprojekt in Kenia, um gegen den Hunger anzukämpfen.

Hilfe zur Selbsthilfe, wo die Unterernährung am größten ist: Biologiestudent Alexander Zacharuk und seine Projektgruppe „Thriving Green“ wollen in Kenia Leben retten.

Regensburg. Sie ist giftgrün, voller Nährstoffe und wächst dort, wo andere Lebewesen verenden: Die Algensorte Spirulina. Mit ihrer Projektgruppe „Thriving Green“ wollen Regensburger Studenten den Anbau dieses Superfoods in einer der ärmsten Regionen der Welt vorantreiben.

„Im Sommer habe ich nachts zufällig eine Dokumentation über die Turkana-Region auf Phönix gesehen. Die Landschaften sind wunderschön, aber es ist auch die ärmste Region Kenias. Jedes fünfte Kind dort ist von Unterernährung betroffen“, erzählt Alexander Zacharuk. Als Biologiestudent und Mitglied der weltweit tätigen Non-Profit-Organisation Enactus begann er zu überlegen, wie man den Menschen vor Ort sozial und ökonomisch sinnvoll helfen könnte. Seine Idee: Zwar ist das Wasser des Turkana-Sees aufgrund des hohen Salzgehaltes für viele Pflanzen und Nutztiere tödlich. Für das Wachstum der sogenannten Spirulina-Alge – in Deutschland aufgrund ihres hohen Protein- und Nährstoffgehaltes einigen als Superfood bekannt – sind aber genau diese Voraussetzungen optimal. Mit ihrem Anbau wäre die Bevölkerung, die sich größtenteils von Fisch sowie Ziegenmilch und -fleisch ernährt, auch in Dürreperioden nicht mehr von Nahrungsspenden durch Hilfsorganisationen abhängig.

Zacharuk experimentierte zunächst ein wenig mit der Alge herum, züchtete sie selbst und testete Bedingungen wie Licht, Wasserqualität und Erträge auf einem Grundstück, das die Stadt zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hat. Gemeinsam mit sieben anderen Studenten gründete er dann im Juni 2016 die Projektgruppe „Thriving Green“ (zu deutsch: Grün, das gedeiht). Neben Biologie sind auch die Studienrichtungen BWL und interkulturelle Europastudien vertreten, sodass sie vom Finanzierungsplan über die Betreuung ihrer Website bis hin zur kulturellen Verständigung alles selbst in der Hand halten. Trotz der relativ kurzen Zeit seit der Gründung fand ihr Engagement bereits einige Anerkennung; So sind sie für den GreenTec-Award 2017 nominiert und schafften es beim Biogründer-Preis immerhin bis in die Finalrunde.

Im März folgt dann der wohl wichtigste Schritt: Zu dritt werden sie für zwei bis drei Wochen nach Kenia fliegen, um das Konzept zu erklären. Gemeinsam mit Bauern in Nariokotome, einem Dorf am nordwestlichen Ufer des Turkana-Sees, werden sie die ersten Algenfarmen aufbauen. „Ich freue mich darauf. Es ist bestimmt spannend, dieses neue Lebensmittel der Bevölkerung nahezubringen,“ so Zacharuk. Vor Ort ist der Kontakt bereits hergestellt – ein Priester aus Paderborn, der vor 25 Jahren durch einen Missionsauftrag nach Kenia gelangte, stellt das nötige Land für die Pflanzbecken zur Verfügung und hilft, die Sprachbarriere zu überwinden. „Thriving Green“ hat sich das Ziel gesetzt, dauerhaft mindestens 400 Menschen regelmäßig mit Nahrung zu versorgen. Dabei bleiben alle Einnahmen im Projekt, das sich somit selbst refinanzieren kann. „Zwar ist das langfristige Ziel, die Organisation komplett an die Bauern vor Ort zu übergeben, Stichwort ``Hilfe zur Selbsthilfe. Allerdings steckt schon jetzt so viel Herzblut und Zeit in dem Projekt, dass ich es nicht ganz verlieren möchte und sicherlich in Kontakt bleiben werde.“ Läuft die Testphase in Nariokotome gut, soll das notwendige Know-how auch weiter verbreitet und in andere Dörfer gebracht werden.