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Titelfoto: Stina Walterbach
17. Januar 2017

Neues Zuhause für alte Bücher

14 Studenten der OTH präsentieren Regensburgs ersten Bücherschrank am Künstlerhaus Andreasstadel.

Von der Telefonzelle zur Minibibliothek: Jetzt hat auch Regensburg einen Bücherschrank.Stina Walterbach

Regensburg. Früher ein Ort der Kommunikation, ist die alte Telefonzelle in Stadtamhof jetzt ein Treffpunkt für Leseratten.

Im Zuge eines Seminars sind Sophia Müller und Marina Oswald auf die Idee zum Bücherschrank gekommen. „Marina hat mich in München besucht und dabei den Bücherschrank bei mir um die Ecke entdeckt. Mir ist er gar nicht mehr aufgefallen, weil es das in München schon lange gibt, aber in Regensburg eben nicht“, erzählt Müller.

Was in Städten wie Augsburg, München und Würzburg längst alltäglich ist, soll nun auch in Regensburg funktionieren. Seit Samstag ist der neue Ort für alte Bücher geöffnet. Vorm Künstlerhaus Andreasstadel hat die ausgediente Telefonzelle, in der künftig ausgelesene Bücher neue Besitzer finden sollen, ein Zuhause gefunden.

„Zwischen Weihnachten und Neujahr auf die Schnelle ein Fundament zu gießen und alles zu regeln, war gar nicht so einfach. Aber ich bin sehr froh, dass wir es trotzdem geschafft haben“, sagt Oswald Zitzelsberger, der sein Grundstück für das Projekt zur Verfügung stellt. Die alte Telefonzelle haben die Studenten übrigens in Potsdam gefunden: „Da gibt es einen Schrottplatz mit ganz vielen alten Telefonzellen, genau das Richtige für uns“, erzählt Müller. Damit sich der Bücherschrank gut in seine neue Umgebung einfügt, hat Graffiti-Künstler Marius Dominic Altmann, auch bekannt als „Madhu“, Hand angelegt und der Zelle einen neuen Anstrich verpasst. Jetzt ziert ein großer Baum mit Ästen, an denen Bücher hängen, den neuen Schrank.

Für Müller und Oswald, die unbedingt etwas schaffen wollten, hinter dem sie zu 100 Prozent stehen und das der Allgemeinheit dient, ist dies eine perfekte Lösung. Beide studieren „International Relations and Management“ an der OTH Regensburg. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen arbeiteten sie lange an der Umsetzung. Die schwierigste Aufgabe dabei war der Standort, so Müller. „Wir haben von Dachauplatz bis Bismarckplatz alles versucht, aber keinen geeigneten Ort gefunden.“ Der Andreasstadel war ein echter Glücksgriff für beide Seiten: „Ich bin sehr froh, das Projekt hier zu haben. Gerade für unsere jungen Künstler ist es ein guter Ort, um Kontakte zu knüpfen“, sagt Zitzelsberger. Neben dem Standort fehlte den Studenten aber auch ein Auftraggeber. Diese Aufgabe übernahm Elisabeth Mair-Gummermann, Leiterin der Stadtbücherei Regensburg, gerne: „Solche Ideen gab es schon lange, aber niemand hat es bisher so weit geschafft und ist am Ball geblieben.“ Denn die Auflagen sind hoch und auch der finanzielle Aufwand nicht zu unterschätzen. Doch mithilfe von Sponsoren haben es die Studenten geschafft und ihre Idee verwirklicht.

Dank der Spitalbrauerei, der Raiffeisenbank und der Rewag Kulturstiftung steht er jetzt, Regensburgs erster Bücherschrank, in dem künftig jeder Regensburger 24 Stunden täglich schmökern, tauschen oder einfach nur mal vorbeischauen kann. Damit alles seinen geregelten Gang geht, übernimmt der Verein Kultür die Betreuung des Bücherschranks. „Sie passen auf, dass unsere Regeln eingehalten werden und nichts kaputt gemacht wird oder Müll im Schrank landet“, sagt Müller, die demnächst ebenso wie ihre Kommilitonen ein Auslandssemester absolvieren wird. Dafür, dass der Schrank nie leer wird, will auch Mair-Gummermann sorgen: „Wir werden immer mal wieder vorbeischauen und Restbestände aus der Bücherei mitbringen.“

Ob der Bücherschrank ein Erfolg wird, hängt jetzt also vor allem von den Nutzern ab. Eines ist aber schon mal sicher: Der Andreasstadel hat eine neue Attraktion dazugewonnen, die nicht nur gut aussieht, sondern auch nachhaltig ist.