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Titelfoto: Johannes Gatzka
06. August 2018

„On fire“ in die neue Saison

SSV-Coach Achim Beierlorzer erzählt im Interview, warum der Jahn vor dem Start gegen den FCI weiter ist als vor einem Jahr.

Achim Beierlorzer (2. v. li.) beim Feiern mit dem Team vor den FansJohannes Gatzka

Gleich mit dem Nachbarschaftsduell gegen den FC Ingolstadt 04 beginnt für den SSV Jahn am Samstag um 15.30 Uhr das zweite Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga. Vor diesem Auftaktkracher hat sich kult mit Trainer Achim Beierlorzer unterhalten.

Herr Beierlorzer, bislang lautete das offizielle Jahn-Motto „Historisches leisten“. Wie lautet das neue, nachdem erstmals der sportliche Klassenerhalt geschafft wurde?

Achim Beierlorzer: Das Motto wurde ja für das gesamte Jahr 2018 ausgerufen, insofern brauchen wir kein neues. Insgesamt gilt natürlich, dass die Bestätigung eines Erfolgs schwieriger ist als diesen Erfolg einmal zu erreichen. Und dann gibt es noch diesen Satz, dass das zweite Jahr in einer Liga stets schwieriger sei als das erste – den wollen wir widerlegen.

Bleiben wir noch kurz bei Slogans: Ein teaminternes Motto hieß „All in“. Das kann man ja auch weiterhin gelten lassen, oder?

Vom Inhalt her auf jeden Fall. Um weiterhin in dieser Liga zu bestehen, müssen wir auch künftig in jedem Spiel und auch in jedem Training alles investieren. Ich habe in meiner Mannschaft genug Typen, die das ganz genauso sehen. Und die werden es niemals zulassen, dass bei dem einen oder anderen Spieler die Tendenz entsteht, einmal nicht den Gegenspieler anzusprinten, einmal nicht aggressiv zu sein oder einmal nicht zu laufen. Die Mannschaft erzieht sich da selber ganz gut.

Gilt das auch schon für die Neuzugänge?

Absolut. Die sind alle bereits voll integriert und passen bestens in unsere Gruppe. Alles freundliche, offene, gut erzogene Leute. Das ist uns bei Neuverpflichtungen sogar noch wichtiger als die Frage, ob uns jemand sportlich weiterhelfen kann.

Wobei Sie auch in sportlicher Hinsicht zufrieden wirken und schon beim Trainingsauftakt betont haben, dass der Kader nun qualitativ deutlich breiter aufgestellt sei. Hat sich dieser Eindruck verfestigt?

Ja. Wir haben eine sehr hohe Qualität und eine sehr hohe Intensität im Training, da ist wirklich jeder in jeder Einheit on fire. Das schürt auch den Konkurrenzkampf und sorgt dafür, dass jeder noch eine Schippe drauflegt. Insgesamt sehe ich noch bei fast jedem Spieler in unserem Kader das Potenzial, einen Schritt nach vorne zu machen. Unterm Strich sind wir heute zum Saisonstart aber schon viel weiter als vor einem Jahr.

Allerdings wird den Jahn nach Platz fünf in der Vorsaison niemand mehr auf die leichte Schulter nehmen. Befürchten Sie nicht, dass die Gegner die Spielweise des SSV dechiffriert haben könnten?

Unterschätzen wird uns sicher niemand mehr, das stimmt. Auch unsere Spielweise kann man natürlich durchschauen – aber es bleibt schwierig, sich auf unsere Art von Fußball einzustellen. Durch unser ständiges Anrennen und Attackieren werden wir immer ein unangenehmer Gegner sein.

Ändert sich im zweiten Jahr 2. Liga also nichts am Jahn-Stil?

Grundsätzlich nicht, in Nuancen schon. Es ist zum Beispiel unser klares Ziel, nicht erneut 53 Gegentore zu kassieren. Ein Detail, bei dem wir noch Verbesserungspotenzial ausgemacht haben, ist, Positionierungen im eigenen Ballbesitz noch bewusster wahrzunehmen. Das gilt insbesondere für die Außenverteidiger und die beiden Sechser, die für die Organisation unserer Restverteidigung besonders wichtig sind. Da wird künftig einer deutlich defensiver positioniert sein. Wir sagen zwar nicht, dass der dann gar nicht mehr nach vorn darf. Aber wir wollen einfach nicht mehr so viele Konter bekommen. In den Tests gegen Zwickau und Unterhaching hat das bereits sehr gut funktioniert, auch zuletzt gegen Sandhausen haben wir aus dem Spiel heraus fast nichts zugelassen.

Sie haben vorher betont, wie geerdet Ihr Team ist. Im Umfeld dürfte hingegen nicht jedem klar sein, dass am Ende der neuen Saison auch Platz 15 ein riesiger Erfolg wäre. Wie gehen Sie mit der gestiegenen Erwartungshaltung um?

Grundsätzlich ist es legitim, wenn Fans Wunschträume haben. Die öffentliche Meinung kommt aber auch bei den Spielern an und beeinflusst sie. Daher ist es meine Aufgabe, den Spielern immer wieder zu sagen, dass wir am Boden bleiben müssen. Außerdem: Die aktive Fanszene auf der Hans-Jakob-Tribüne hat ja bereits deutlich signalisiert, dass sie unser Saisonziel genauso mitträgt – auch wenn Phasen kommen sollten, in denen die Ergebnisse einmal nicht stimmen. Dieser Rückhalt ist und bleibt für mich und das Team enorm wichtig.

Dieser Rückhalt ist gleich im ersten Spiel gefragt. Volles Haus gegen Ingolstadt – wie finden Sie das?

Das ist absolut super, ein Top-Start in die Saison! Wir freuen uns auf das Spiel und wollen gleich voll da sein. Genau wie nach der Winterpause, als wir in Nürnberg und ebenfalls gegen Ingolstadt zwei Hammerspiele hatten und vier Punkte holten.