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Titelfoto: Rainer Wendl
20. Juni 2018

Stadt zieht die Notbremse

Neupfarrplatz-Kiosk: Nach Monaten mit sporadischer Öffnung wurde dem Pächter gekündigt.

Ein Trauerspiel in Grau und Grau: der Kiosk am Neupfarrplatz.Rainer Wendl

Regensburg. Eine Schönheit war er noch nie, doch jetzt gibt der Kiosk in der Toilettenanlage am Neupfarrplatz endgültig ein trauriges Bild ab. Geborstene Scheiben und leere Regale lassen das Grau des ovalen Baus noch trister wirken als sonst. Der einzige kleine Farbtupfer ist das Rot des Stadtwappens auf einem amtlichen Schreiben. Dieses hängt im Fenster und verbietet das Plakatieren. Tatsächlich droht der Kiosk zur Litfaßsäule zu verkommen – seit rund zwei Wochen ist er nämlich komplett verwaist und dauerhaft geschlossen.

Damit hat ein monatelanges Trauerspiel seinen Tiefpunkt erreicht. Schon seit Herbst 2017 hatte der kleine Laden allenfalls sporadisch geöffnet, in diesem Frühjahr dann gar nicht mehr. Dies blieb auch der Stadt als Verpächter nicht verborgen. Immer wieder legte sie dem Betreiber in schriftlicher Form sowie in persönlichen Gesprächen nahe, sich wieder regelmäßig um sein Geschäft zu kümmern.

Noch Mitte April schienen diese Appelle Früchte zu tragen. Da sagte der Pächter zur Rundschau, dass seine „Winterpause“ jetzt zu Ende sei und er ab sofort wieder durchstarten wolle. Doch dieser Elan hatte nur eine sehr geringe Halbwertszeit. So lag die „Sport-Bild“ mit der Frage, ob Niko Kovac neuer Bayern-Trainer werde, noch in der Auslage, als die Antwort schon längst bekannt war. Für den städtischen Geduldsfaden war das eine Zerreißprobe zu viel: „Da auch unter Einbeziehung der gewährten Fristen keine regelmäßige Öffnung des Kiosks erfolgte, sah sich die Stadt Regensburg leider gezwungen, das Pachtverhältnis zum 31. Mai 2018 zu kündigen“, lautet die Information aus dem Rathaus, wo man jetzt „so schnell wie möglich“ einen neuen Pächter finden will.

Wenn sich die Stadt einen schnitzen könnte, wäre dies sicher eine Kopie von Karl-Heinz Huf. Diese hatte den Neupfarrplatz-Kiosk über ein Jahrzehnt lang zu einer Regensburger In-stitution gemacht – durch seine originelle, leutselige Art und natürlich durch zuverlässig eingehaltene Öffnungszeiten ab 7 Uhr in der Früh. „Die Geschäfte um mich herum machen alle erst um acht oder neun auf. Die Leute brauchen aber schon vorher Zeitungen, Buskarten und Zigaretten – die schnapp’ ich alle“, beschrieb der „Heinzi“ einmal sein Erfolgsrezept. Diese „Früher Vogel fängt den Wurm“-Mentalität sollte auch sein Nach-Nachfolger mitbringen.