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17. September 2019

Street-Art mit politischer Botschaft

Wir haben mit Street-Art-Künstler Gato-M über seine Anfänge in der Szene, seine Inspiration und seine Botschaft gesprochen.

Mit seinen Kunstwerken möchte Gato-M immer eine Botschaft vermitteln, sei es nun eine politische oder ein persönliches Anliegen des Künstlers. Fotos: Bianca Schweighofer

Regensburg. Läuft man durch die Regensburger Altstadt, begegnen einem immer wieder Kunstwerke von Gato-M, die ganz plötzlich über Nacht auftauchen und manchmal auch ebenso schnell wieder überstrichen werden. Denn der Street-Art-Künstler arbeitet mit Plakaten, die er zu Hause bemalt und nachts in der Stadt aufhängt. Die Botschaft seiner Kunstwerke ist dabei häufig sehr politisch. Wir haben ihn getroffen und mit ihm über seinen Werdegang, seine Botschaft und Inspiration sowie die Regensburger Street-Art-Szene gesprochen.

Was steckt eigentlich hinter deinem Künstlernamen Gato-M?

Die madrileños nennt man auch „Katzen“, also auf Spanisch „los gatos“. Ich stamme ursprünglich aus Madrid, daher kommt also der erste Teil meines Künstlernamens. Das M steht für Malaga und der Bindestrich bedeutet, dass mich mein Weg von Madrid nach Malaga geführt hat, wo ich das erste Mal seit langer Zeit wieder mit Street Art in Berührung kam.

Und wie bist du dann von Malaga nach Regensburg gekommen?

Wegen der Liebe. Ich habe dort meine Freundin kennengelernt und bin mit ihr nach Deutschland gezogen. Erstmal für ein Jahr nach Nürnberg und anschließend hierher nach Regensburg.

Wie bist du dazu gekommen Street-Art zu machen?

Der Street-Art-Künstler Gato-M arbeitet mit Plakaten, die er zu Hause alle selbst bemalt und nachts in der Stadt aufhängt.

Ich habe bereits als Kind damit angefangen und war so schon recht früh in der Graffitiszene unterwegs. In Malaga habe ich dann mit dem Plakatstil begonnen. Vor allem der Street-Art-Künstler Blek le Rat, der Pionier der Stencilkunst, war dabei eine große Inspiration für mich. Als ich nach Malaga gezogen bin, habe ich eigentlich schon jahrelang keine Kunst mehr gemacht, habe aber dann wieder mit einem Plakat angefangen, auf dem „Maradona, dios existe“ stand – das bereue ich allerdings heute, weil ich mich mit Maradonas Idealen und seiner Haltung überhaupt nicht identifizieren kann. Dieses Plakat habe ich auf die Wand einer riesigen Kathedrale geklebt, natürlich ohne die Kathedrale zu beschädigen. Dort sind jeden Tag unzählige Touristen vorbeigegangen und haben ganz viele Fotografien gemacht. Diese positive Resonanz hat mich inspiriert und ermutigt wieder mehr Street Art zu machen. Inhaltlich habe ich mich also schon ziemlich verändert und meiner Meinung nach auch verbessert. Meine Anfänge waren vor allem Darstellungen berühmter Personen à la Andy Warhol, wie eben zum Beispiel der Fußballspieler Maradona. Irgendwann habe ich mir dann gedacht, dass ich von den Berühmtheiten zu etwas Originellerem übergehen möchte.

Apropos Inhalte: Wie kommst du auf deine Ideen?

Ich mache viele Zeichnungen und Skizzen. Dann lasse ich mich zum Beispiel auch von Fotografien inspirieren und zusammengesetzt aus all dem wird dann mit viel Fantasie und Kreativität ein neues Kunstwerk. Dabei male ich natürlich alles in Handarbeit mit Pinseln, nichts ist ausgedruckt. Man könnte sagen, der ganze Schaffensprozess ist eine Art Evolution. Die Ideen dahinter, zum Beispiel eine implizite Kritik an der Politik, kommen nach und nach, sie entwickeln sich. Allerdings ist es mir immer ein persönliches Anliegen bestimmte Inhalte zu vermitteln.

Was genau möchtest du mit deiner Kunst bewirken?

Also zum einen liebe ich Kunst und insbesondere diesen Kunststil und das möchte ich der Welt auch zeigen. Zum anderen will ich natürlich eine Message rüberbringen, egal ob es um so etwas Schönes wie die Liebe geht oder ob es eine Positionierung gegen Nazis ist.

Wenn die Inhalte schließlich stehen und deine Plakate zum Kleben bereit sind, wie wählst du dann die Plätze für deine Street Art aus?

Wenn man durch die Regensburger Altstadt läuft, begegnen einem immer wieder Kunstwerke von Gato-M.

Ganz oft plane ich das im Voraus. Wenn ich nachmittags spazieren gehe, kommt es häufig vor, dass ich eine Wand sehe, die perfekt geeignet für mein nächstes Motiv ist. Dann komme ich nachts zurück und klebe mein Werk dort an. Manchmal improvisiere ich aber auch, dann bin ich schon nachts unterwegs und nehme einfach eine Wand, die mir geeignet erscheint.

Wie siehst du denn die Regensburger Street-Art-Szene? Bist du mit anderen Künstlern hier in Kontakt?

Ja, Kontakt habe ich schon, insbesondere zu einem Künstler, den ich gleich zu Beginn meiner Zeit in Regensburg kennengelernt habe. Ganz allgemein finde ich aber, dass die Szene hier sehr klein ist. Wahrscheinlich auch, weil die Leute Angst vor eventuellen Strafen haben. Das finde ich sehr schade, kann es aber gut verstehen. Die Plakatkunst, die ich mache, zieht nur kleine Strafen nach sich, da man die Plakate ganz einfach entfernen kann. Graffitis mit Spraydosen hingegen werden deutlich höher bestraft, daher kann ich verstehen, dass man davor eher zurückschreckt. Allerdings finde ich den Umgang mit Street-Art und die harten Strafen hier schon kritikwürdig. Street-Art an leerstehenden und vielleicht heruntergekommenen Häusern stört doch niemanden.

Hast du denn für die Zukunft irgendwelche besondere Projekte in Planung?

Überall in der Stadt, hier zum Beispiel in der Thundorfer Straße, kann man die Plakate des Street-Art-Künstlers entdecken.

Ich bin mit vielen verschiedenen Künstlern aus Malaga in Kontakt und würde gerne etwas auf die Beine stellen, da gibt es aber bisher noch nichts Konkretes. Ansonsten möchte ich natürlich gerne weiter Street-Art machen. Ich bin außerdem auch mit verschiedenen Galerien in Kontakt und werde hoffentlich in naher Zukunft meine Street-Art dort ausstellen können.

Alle Neuigkeiten, die Gato-M betreffen und mehr zu seiner Kunst findet ihr auf instagram.com/gatom.artist/