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02. Oktober 2019

Von symbolischem Wert

Das Ostentorkino ist eine ganz besondere Institution in Regensburg. Das würdigt jetzt auch der Kulturausschuss.

Mehr als Blockbuster: Neben ausgewählten Filmen bietet das Kino in der Adolf-Schmetzer-Straße auch Musikern, Literaten und anderen Künstlern eine Bühne. Foto: Maria Stich

Regensburg. Fast alle Plätze im Biergarten sind gefüllt. Zwischen den altehrwürdigen Bäumen im Hinterhof des Ostentorkinos schwirren gut gelaunte Gesprächsfetzen auf Deutsch und Englisch in der lauen Luft herum. Ab und zu werden die Gäste von herabfallenden Kastanien unterbrochen, lassen sich davon aber nicht weiter beirren. Mit diesem perfekten Herbstabend ging am vergangenen Sonntag das „Hardline:Festival“ zu Ende, das Filmemacher aus ganz Europa nach Regensburg brachte.

Im November folgt bereits das „Heimspiel Filmfest“ und auch zur „Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg“ gehört das kleine Kino in der Adolf-Schmetzer-Straße jedes Jahr als Spielstätte einfach dazu. 1972 als erstes Programmkino in Regensburg gegründet, ist das Ostentorkino seit fast 50 Jahren ein fester Bestandteil der Kulturlandschaft der Stadt – ebenso wie die dazugehörige Kinokneipe mit Biergarten. Um seine Arbeit zu würdigen, war das Kino für einen der Kulturförderpreise 2019 vorgeschlagen. Für einen der drei mit 2500 Euro dotierten Plätze hat es nicht gereicht. Auf Vorschlag des Kulturbeirats erhält es nun trotzdem eine besondere Anerkennung in Höhe von 1500 Euro, wie im Kulturausschuss am Mittwochabend beschlossen werden soll.

Renommierte Filmfestivals, voller Biergarten, Würdigung durch die Stadt: Von außen betrachtet scheint es gut für das Ostentorkino zu laufen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kultinstitution inklusive Kinokneipe vor wenigen Jahren kurz vor dem Aus stand. Nicht zuletzt wegen des großen Rückhalts der Regensburger konnte das Kino erhalten bleiben, rund 14 000 Unterschriften kamen damals für die Rettung zusammen. 2016 übernahmen Hans Geldhäuser, Martin Haygis und Medard Kammermeier, alle drei bekannte Gesichter in der Regensburger Kulturszene, das Kino. Die neuen Pächter setzten von Anfang an auf ein möglichst interessantes Programm, bei dem nicht nur ausgewählte Filme, sondern auch Konzerte, Lesungen und andere kreative Formate wieder mehr Besucher in den Kinosaal locken sollten – insgesamt stellten sie in den letzten drei Jahren und fünf Monaten 91 Veranstaltungen zusätzlich zum Kinoprogramm auf die Beine. Und trotzdem müssen sie weiter kämpfen. „Wir versuchen zu überleben. Es steht alles auf sehr wackligen Füßen. Finanziell erfolgreich sind wir noch immer nicht wirklich. Die drei Pächter machen es größtenteils aus Liebe zur Sache“, erklärt Bob Meindl, inoffizieller Pressesprecher des Ostentorkinos. Er führt die schwierige Situation aber nicht auf das Konzept des Ostentorkinos zurück, sondern auf den allgemeinen Niedergang des Kinos. Auch in München schließe derzeit ein Programmkino nach dem anderen. „Die Anerkennung durch die Stadt ist deshalb unheimlich wichtig, um zu zeigen, was wir leisten. Mit dem Geld kommt man aber nicht weit. Es ist von rein symbolischem Wert, ein schönes Zeichen der Stadt“, findet Meindl.

Hoffnung, dass es das Kultkino noch eine Weile geben wird, liefern aber nicht nur die gut angenommenen Filmfestivals und Sonderveranstaltungen, sondern auch die Situation der Kinokneipe. Dort wachse gerade eine neue Generation an Barkeepern heran. Vor allem im letzten Sommer habe er gemerkt, dass das Publikum wieder jünger wird, so Meindl. „Kino und Kneipe bilden eine Art Symbiose. Sie befruchten sich gegenseitig“, sagt Meindl.