Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
12. September 2018

Zuhause auf Rädern

Seit Mai bauen Mitglieder vom Verein Transition in einer Scheune im Regensburger Osten eigene Tiny Houses. Jetzt suchen sie nach einem geeigneten Grundstück.

Neben Leon Verhovskij und Katharina Speiser bauen noch drei weitere Pärchen in der Tiny-House-Werkstatt an ihrem neuen Zuhause. Foto: Peter Ferstl

Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer – und das alles auf nur 14 Quadratmetern. Was für viele, die keine Studenten mehr sind, wie ein beengter Alptraum klingt, wird auch für immer mehr Deutsche zum Wohntraum. Seit Januar 2017 trifft sich eine Projektgruppe des Vereins Transition, um gemeinsam alternative Wohnformen für Regensburg zu erarbeiten. Dabei stieß sie schnell auf das Konzept der sogenannten Tiny Houses. Da ein solches Haus auf einem Anhänger verschraubt wird, ist ein Umzug unkompliziert. Im Gegensatz zu Wohnmobilen bietet ein Tiny House dabei weitaus mehr Komfort, unter anderem durch hohe Decken sowie eine voll ausgestattete Küche und ein zwar kleines, aber richtiges Bad.

Nach sehr viel Planung und Recherche wird seit Mai auf dem Gelände von Schloss Pürkelgut ausgemessen, gesägt und geschraubt. Denn dort hat Transition Regensburg eine Scheune für seine Werkstatt gepachtet. Das Skelett des „Übungshauses“ ist bereits fertig, es besteht komplett aus hochwertigem Holz aus der Region, die Dämmung aus einer Mischung aus Hanf und Jute. Jetzt fehlen nur noch die Elektrik, der Boden und die Außenverkleidung. Vier Meter hoch, 2,50 Meter breit und 3,50 Meter lang bietet es genug Platz für eine Küchenzeile – bei Bedarf sogar mit Spülmaschine –, eine Couch, ein Tisch und ein abgetrenntes Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und Komposttoilette. Das Bett soll im Loft, einer Art zweiten Etage über der Hälfte des Wohnraums, untergebracht werden. Bis zum Popkulturfestival im Oktober soll das erste Tiny House fertig sein. Dann zieht es nämlich kurzzeitig auf den Haidplatz um, damit Neugierige einen Blick hineinwerfen können.

Ist das Übungshaus fertig, konzentrieren sich die aktuell vier beteiligten Pärchen auf ihre eigenen Tiny Houses. Das nötige Wissen ziehen sie aus YouTube-Videos und Büchern Da alle berufstätig sind, müssen sie die Bauarbeiten in ihre Freizeit und aufs Wochenende verlegen. Sobald die acht auch damit fertig sind und ein passendes Grundstück gefunden haben, wollen sie nächstes Jahr ihre Minihäuser beziehen. „Unsere Wohnung behalten wir aber erst einmal“, sagt Leon Verhovskij, der mit seiner Freundin an einem der Tiny Houses auf dem Pürkelgut arbeitet. Man müsse schauen, wie man zu zweit auf so engem Raum zurechtkommt. Ihre langfristige Vision ist es, irgendwo im Umland – aber trotzdem in Stadtnähe – ein Grundstück für eine komplette Ökosiedlung zu finden.

Bürgermeister Jürgen Huber befürwortet Transitions Projekt grundsätzlich. Er erklärte ihnen aber auch, dass der Wohnungsnot in Regensburg effektiv nur über Verdichtung, sprich Bau in die Höhe, beizukommen sei. „Ein Eigenheim kann sich heute kaum jemand mehr leisten. Wir wollen zeigen, dass man ökologisch bauen und autark leben kann, ohne auf Komfort zu verzichten. Außerdem sieht man an Tiny Houses, dass individuelles Wohnen auf kleinem Raum möglich ist – das kann man auch auf normale Wohnungen übertragen“, erklärt er.

Dass in Regensburg durchaus Interesse an Tiny Houses besteht, zeigt die Resonanz auf die Workshops, die die Gruppe regelmäßig anbietet. Erst letzte Woche kamen über 30 Leute zu einem Infoabend auf Schloss Pürkelgut. Wer selbst von einem Tiny House träumt, bekommt Unterstützung von Transition und darf auch die Werkstatt nutzen, sobald wieder ein Arbeitsplatz frei wird. Wer Fragen hat oder ein passendes Grundstück weiß, kann sich jederzeit per E-Mail an tinyhouse@transition-regensburg.de wenden.