Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Titelfoto: Stina Walterbach
31. Juli 2018

Zweierlei Maß bei Sicherheit

Sperren bei Großveranstaltungen: Stadt lässt klare Linie vermissen.

So sah die Maßnahme zur Terrorabwehr auf dem Fußweg zum Grieser Spitz aus.Stina Walterbach

Thomas Ruhfaß ist auch mehr als eine Woche nach dem „Regensburger Spectaculum“ am Grieser Spitz noch irritiert. Nicht etwa deshalb, weil das von seiner Firma Stadtmaus organisierte Mittelalterfestival ein Misserfolg gewesen wäre. Ganz im Gegenteil: Es waren Tausende Besucher, die sich am vorvergangenen Wochenende auf die abwechslungsreiche Zeitreise begaben. Was den Stadtmaus-Geschäftsführer aber immer noch stört, ist die Umsetzung des städtischen Sicherheitskonzepts.

Beim Spectaculum lief das wie folgt ab: In der Woche vor dem Festival schlug bei der Stadtmaus der offizielle Bescheid auf – mit der Maßgabe, die Zugänge zum Grieser Spitz zu sichern. Auf dem Fahrweg von der Protzenweiherbrücke waren die – von Dult und Christkindmarkt bekannten – Betonwürfel gefordert, die durch ein Stahlseil verbunden sind und immer von einem Sicherheitsdienst-Mitarbeiter bewacht sein müssen. Für den Fuß- und Radweg vom Grieser Steg aus war eine kleinere Sperre verlangt.

Wie bereits erwähnt: Mit diesen Auflagen wurde die Stadtmaus wenige Tage vor dem Spectaculum konfrontiert, obwohl der Genehmigungsantrag für diese Veranstaltung bereits im März bei der Stadt eingereicht worden war. „So etwas kurzfristig noch zu organisieren, ist nicht banal und auch nicht billig“, sagt Ruhfaß, der die Sperren aber brav aufstellen ließ: „Sicherheit geht selbstverständlich vor.“

Jazz ohne Sperren

Was ihn dann aber wirklich verärgerte, war der Blick zum zeitgleich in der Altstadt stattfindenden Jazzweekend. Obwohl es sich hierbei um die ungleich größere Veranstaltung handelt (die Organisatoren gaben dieses Jahr die Besucherzahl mit dem Wert 30 000 bis 50 000 an), gab es nur großformatige Wegweiser zu Notausgängen, aber keinerlei Sperren.

Wie die Rundschau auf Nachfrage erfuhr, setzt die Stadt bei der Beurteilung der Sicherheitsvorkehrungen für einzelne Veranstaltungen nicht auf „eine pauschal vergleichende Betrachtungsweise“. Das heißt: Die reinen Besucherzahlen sind offenbar kein allzu gewichtiges Kriterium, vielmehr sei jede Veranstaltung einzeln zu bewerten. „Maßgeblich ist dabei auch das Verhältnismäßigkeitsprinzip“, so die Stadt.

Gegenüber der Stadtmaus wurde dieser Begriff konkretisiert: So sei es nicht verhältnismäßig, im Sinne der Sicherheit beim Jazzweekend die komplette Stadt zu sperren; dies würde nämlich Anwohner und Lieferanten verärgern, argumentiert die Stadt. Außerdem würde sich auch an einem ganz normalen Samstag eine ähnliche Menschenanzahl wie beim Jazzweekend in der Innenstadt aufhalten – und da würde man ja ebenfalls nicht sperren.

Weil sich aber beim Mittelalterfest weitaus mehr Menschen als gewöhnlich auf dem Grieser Spitz aufhielten, sei dieses Areal potenziell gefährdeter – und müsse gesperrt werden. Dieser Logik des städtischen Ordnungsamts kann und will bei der Stadtmaus niemand folgen.

Stadtspitze im Bilde

Hier sieht man nämlich einen klaren Fall von Ungleichbehandlung, auf den Ruhfaß’ Geschäftsführer-Kollegin Christine Vogel in der vergangenen Woche auch Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ansprach.

Während er gespannt auf eine Antwort aus dem Rathaus wartet, betont Ruhfaß, überhaupt nichts gegen das Jazzweekend zu haben: „Ich wünsche mir lediglich eine klare, nachvollziehbare Linie der Stadt. Es muss Gleichbehandlung für alle Veranstalter herrschen. Entweder es gibt eine Gefährdungslage für alle oder es gibt keine.“