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Titelfoto: Jochen Quast
17. Oktober 2018

Virtuelle Gewalt, echte Gefühle

Bis Mitte Januar zeigt das Theater Regensburg „Die Domäne“ im Theater am Haidplatz. Darin geht es um eine Familie, die an ihrer Trauer zerbrochen ist.

Nach dem Tod ihrer Tochter wird die Mutter (Silke Heise) von Angst und Schuldgefühlen verfolgt.Jochen Quast

Regensburg. Klick. Mutter, Vater, Sohn lächeln für heile Familienfotos in das grelle Licht der Kamera. Klick. Gleichzeitig erfährt der Zuschauer, wie es wirklich in ihnen aussieht; erhält mit den düsteren bis verstörenden Gedanken eine Grundlage, um die späteren Szenen zu verstehen. Klick.

Nach dem tragischen Unfalltod der kleinen Tochter haben sich Vater, Mutter und Sohn voneinander distanziert. Weil die Schule den Verdacht hegt, dass der Sohn seine Mitschüler zu Gewaltspielen im Internet verführt, loggen sich die Eltern selbst in „Die Domäne“ ein. In der Anonymität der Avatare klicken sie sich durch das Spiel, das ironischerweise das Leben einer Familie nachstellt. Alles wirkt zunächst zwar altmodisch, aber harmlos. Bis ein kleines Mädchen, das „Monster“ auftaucht, das mit körperlicher Gewalt bestraft werden muss, um Punkte zu sammeln. „Hätte sie nicht versucht, Essen zu stehlen, hätte ihr Papa nicht auf die Finger geschlagen. Wenn sie stirbt, dann weil sie es so beschlossen hat“, lautet die geltende Logik des Spiels.

Mit der deutschsprachigen Erstaufführung nach dem Original des kanadischen Autors Olivier Choinière bringt das Theater Regensburg ein bizarres Drama auf die Bühne am Haidplatz. Auf der einen Seite sind da die Avatare, die mit eingefrorenem Lächeln ihren Anweisungen folgen, ungelenk über die in verschiedenen Farben aufleuchtenden Würfel staksen und das kleine Mädchen in der virtuellen Welt verletzen. Auf der anderen Seite sind der echte Vater, der echte Sohn, der nur Punkte sammeln will und die echte Mutter, die das Mädchen im Spiel beschützen will – wie sie es bei ihrer echten Tochter nicht konnte.

Auch wenn der Großteil des Stücks verstörend ist, gibt es durchaus lustige Szenen – beispielsweise, als die Eltern zum ersten Mal versuchen, sich in „Die Domäne“ einzuloggen. Zusätzlich zum schlichten, gut durchdachten Bühnenbild, das hauptsächlich mit farbigem Licht arbeitet, glänzen alle Darsteller durchweg mit ausdrucksstarkem Spiel.