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Katharina Harbach
06. Oktober 2019

Abenteuer im Herzen der Natur

Kanada Türkisfarbene Seen zwischen schroffen Bergen, Wälder, soweit das Auge reicht und kaum Menschen – in unserer urbanen Welt ist Kanada zum echten Sehnsuchtsland geworden.

Mit seinen endlosen Straßen ist Kanada prädestiniert für einen Roadtrip. Foto: john9595 - stock.adobe.com

Regensburg. Bären fischen nach Lachsen in reißenden Flüssen, Elche stapfen durchs hohe Gras, auf dem Meer tauchen Wale auf und irgendwo im Wald heult ein Wolf. Was sich anhört wie ein überzeichnetes Naturidyll, ist in Kanada Wirklichkeit. Mit 9.985.000 Quadratkilometern ist es ist das zweigrößte Land der Erde. Gleichzeitig hat es mit etwa 36 Millionen Einwohnern pro Quadratkilometern die zweitniedrigste Bevölkerungsdichte. Wo so wenige Menschen sind, hat die Natur Platz, sich auszudehnen: Wälder, Seen, Tundra- und Bergregionen – wer Abstand vom Alltagstrubel und von Menschenmassen sucht, ist in der Wildnis Kanadas genau richtig.

Weil das Land so groß ist, sollte man sich aber vorher Gedanken machen, welche Regionen man erkunden will. Weitere Strecken zwischen den einzelnen Provinzen kann man zwar mit dem Flugzeug oder mit Überlandbussen überwinden, trotzdem sollte man sich besser für einen Teil entscheiden und den dafür richtig genießen. Viele Orte sind nur mit dem Auto zu erreichen, aber das Land ist wie gemacht für einen Roadtrip. Der deutsche Führerschein ist ausreichend und die Straßen gehören zu den aussichtsreichsten der Welt.

Auf in die Rocky Mountains

An jeder Ecke gibt es traumhafte Postkarten-Landschaften. Foto: Martin MOLCAN- stock.adobe.com

Beliebte Ziele sind die Provinzen British Columbia und Alberta. Hier gibt es auch die berühmten Nationalparks Banff und Jasper in Alberta sowie Yoho in British Columbia an den Rocky Mountains. Die Regionen sind bekannt für ihre Seen, die in herrlichem Smaragdgrün schimmern. Die grüne Farbe entsteht übrigens durch Lichtreflexionen von Steinmehl, Gesteinsabrieb, der über die Gletscher in die Bergseen gelangt. In besonders intensivem Grün leuchtet der Moraine Lake im Banff-Nationalpark. Wer dem Trubel etwas entkommen will, macht einen geführten Ausritt oder schnürt die Wanderschuhe und begibt sich auf den circa zwölf Kilometer langen „Plain of Six Glacier“-Trail im Banff-Nationalpark. Ein weiterer sehr sehenswerter – und wie der Name schon sagt auch wunderbar smaragdgrüner – See ist der Emerald Lake im Yoho-Nationalpark. Erholung nach dem Wandern findet man in den Thermalquellen der Rocky Mountains. Jasper und Banff werden von der Panoramastrecke Icefields Parkway verbunden, die durch die Berglandschaft der kanadischen Rocky Mountains zwischen Lake Louise und Jasper führt und als schönste Fernstraße der Welt gilt. Entlang der Route im Banff-Nationalpark liegt auch das Columbia-Eisfeld sowie zahlreiche Gletscher.

Die Regeln der Natur respektieren

Neben Elchen kann man in Kanada auch Bären und Wale in freier Wildbahn erleben. Foto: Mark - stock.adobe.com

Überall in Kanadas Natur gilt übrigens: „You are in Bear Country!“ Touristen sollten sich also unbedingt so verhalten, dass das Zusammenleben mit den tierischen Bewohnern harmonisch verläuft. Bären schauen vielleicht auf Bildern putzig aus, sind nicht angriffslustig und meiden in der Regel Menschen, sind sogar hauptsächlich Vegetarier; sie können aber gefährlich werden, wenn sie sich oder ihre Jungtiere bedroht fühlen, Beute verteidigen oder von Essensgeruch angelockt werden. Man sollte sich vor seiner Reise unbedingt genauer über die richtigen Verhaltensregeln informieren. Auf jeden Fall gilt: Abstand halten und nicht panikartig wegrennen. Ein Pfefferspray sorgt für mehr Sicherheit im Ernstfall. Viele tragen auch ein Bärenglöckchen am Rucksack, damit der Bär den Menschen früh hört und von selbst einen großen Bogen um ihn machen kann. Wenn man Abenteuer sucht, ist man in Kanada genau richtig. Wer es etwas extremer mag, sollte Whistler nördlich von Vancouver einen Besuch abstatten. Wo 2010 die Olympischen Winterspiele stattfanden, ist heute ein Sportdorf mit gemütlichen Chalets und verschiedensten Sportangeboten. Mit dem Mountainbike die Hügel hinunterrasen oder mit der Zipline über die Baumwipfel fliegen – wenn es einen Ort gibt, an dem man die unterschiedlichsten Outdooraktivitäten auf einem Fleck ausprobieren kann, dann ist das Whistler.

Freundliche Menschen, hippe Städte

Die Royal Canadian Mounted Police, oder auch „Mounties“ genannt, sind die nationale Polizei Kanadas und besonders berühmt für ihre Paradeuniform. Foto: Spiroview Inc. - stock.adobe.com

Neben dem Naturgenuss sollte man es nicht verpassen, auch die Menschen in Kanada kennenzulernen. Denen wird nämlich nachgesagt, ausgesprochen freundlich zu sein. Sie sind sehr hilfsbereit gegenüber Touristen – sei es am Bahnhof oder wenn man auf der Suche nach dem richtigen Weg ist. Typisch nordamerikanisch ist auch der gute Service, sei es im Restaurant, im Supermarkt, beim Shopping oder im Flughafen. Als besonders junge und hippe Stadt gilt Vancouver. Sie liegt im Westen der Provinz British Columbia, auf dem schmalen Küstenstreifen zwischen Pazifik und den schneebedeckten Coast Mountains. Wer hier Halt macht, sollte sich ein Fahrrad leihen und mindestens um den Stanley Park fahren, besser noch gleich weiter über die Burrard Street Bridge und die schöne Küstenpromenade entlang. Spätestens hier wird klar, warum Vancouver zu den zehn lebenswertesten Städten der Welt gehört. Von Vancouver aus kann man per Fähre nach Vancouver Island übersetzen. Manche behaupten, auf Vancouver Island gebe es die Vielfalt Kanadas ganz kompakt – von schneebedeckten Gipfeln bis hin zu Regenwäldern. So kann man beispielsweise den Pacific Rim erkunden, der als Geheimtipp unter den Nationalparks gehandelt wird. Hier wächst nicht nur ein beeindruckender Küstenregenwald, man kann auch wunderbar Wale beobachten. Die größte Stadt auf Vancouver Island und Hauptstadt der Provinz British Columbia ist Victoria. Besonders sehenswert ist hier der Hafen. Schon mal tanzende Boote gesehen? Jeden Samstag und Sonntagvormittag führen die Wassertaxis eine Choreografie mit Musik im Hafen auf. Wenn man in Kanada ist, sollte man auch unbedingt das Nationalgericht probieren: Poutine. Dahinter verbirgt sich eine etwas gewöhnungsbedürftige und nicht gerade gesunde Mischung aus Pommes Frites, Käse und Bratensoße.

Die Niagarafälle sind ein Muss für jeden Kanada-Trip. Foto: surangaw - stock.adobe.com

Die meisten der etwa 36 Millionen Kanadier leben in den großen Städten, allen voran im südlichen Toronto an der südlichen Staatsgrenze, die das Land von den USA trennt. Zwar ist Ottawa die Hauptstadt, dafür ist Toronto aber die größte mit den meisten Einwohnern und der Wirtschaftsmotor des Landes. Einwanderer aus über 100 Ländern machen Toronto zum echten Multikulti-Ort, wobei ganz Kanada ein Einwanderungsland mit großer kultureller und ethnischer Vielfalt ist. Wenn man eher im Süden Kanadas rund um Toronto unterwegs ist, sollte man unbedingt den nicht weit entfernten Niagarafällen einen Besuch abstatten. Die sind zwar zugegebenermaßen sehr von Touristen überlaufen, doch wenn das Wasser aus 57 Metern in einen schäumenden Kessel hinabstürzt, ist das dennoch ein spektakuläres Naturschauspiel. Niagara liegt direkt an der Grenze zwischen dem amerikanischen Bundesstaat New York und der kanadischen Provinz Ontario. Es gibt eine amerikanische Seite und eine kanadische, wobei die kanadische durch ihre außergewöhnliche Hufeisenform häufig als die schönere Seite bezeichnet wird. Um dieses beeindruckende Naturschauspiel in seiner vollen Schönheit ganz nah zu erleben, kann man per Aufzug auf Aussichtsplattformen fahren. Auch Bootstouren zu den Fällen werden angeboten, was ein sehr einzigartiges, aber auf jeden Fall auch nasses und nicht gerade günstiges Erlebnis ist. Für Adrenalinjunkies bietet sich das Spanish Aero Car an, bei dem man an einer Seilbahn über den Wirbeln des mächtigen Niagara-Flusses hängt.

Wo Geschichte spürbar wird

Kanadas Besiedlung begann vor rund 12.000 Jahren durch die First Nations und später auch die Inuit. Seinen Namen – ursprünglich war „Canada“ der Name eines Irokesendorfes – bekam es im Rahmen der Kolonialisierung durch die Engländer und Franzosen, die ab 1600 die Ostküste des Landes in Beschlag nahmen. Die Ostküste, vor allem die Provinz Québec, ist auch heute noch die am meisten von Europa geprägte Region Kanadas. Gerade in der Stadt Montreal ist sowohl der französische als auch der englische Einfluss spürbar. Das dort gesprochene Französisch unterscheidet sich dabei sehr von dem europäischen, doch man kommt auch mit Englischkenntnissen gut zurecht. Die Hauptstadt der Provinz, Québec City, in der nur 600.000 Einwohner wohnen und damit eine Million weniger als in Montreal, versprüht mit ihrer verschachtelten Altstadt europäischen Charme. Die Stadt thront auf einem hohen Fels über dem St.-Lorenz-Strom.

Ein Urlaub in Kanada lohnt sich das ganze Jahr über. Die Hauptsaison ist von Juni bis August, der lange, kalte und schneereiche Winter dauert von Oktober bis April. Aber auch die schneebedeckte Landschaft Kanadas ist reizvoll, zudem kann man dort beim Skifahren nachts in den nördlicheren Gegenden sogar Nordlichter beobachten, wobei die sich teilweise auch ganzjährige zeigen. Die Seite www.aurorawatch.ca gibt Auskunft über die Wahrscheinlichkeit, dieses Naturschauspiel zu sehen. Ein absolutes Highlight ist auch der Herbst, in dem man in Kanada einen einmaligen „Indian Summer“ erleben kann.

Katharina Harbach