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18. Mai 2019

Aus dem Alltag einer Dult-Bedienung

Arbeiten, wo andere feiern: Julia Glöbl und Julia Gollwitzer sind als Bedienungen auf der Regensburger Maidult im Einsatz. Was ihnen daran Spaß macht und wie viel Maß Bier sie tragen können, erzählen sie im Interview.

Julia Glöbl (li.) und Julia Gollwitzer sorgen auf der Maidult für gute Stimmung. Mit kult haben sie über ihren Job im Bierzelt gesprochen. Fotos: Stina Walterbach

Regensburg. Julia Glöbl arbeitet heuer zum fünften Mal als Bedienung auf der Regensburger Dult Jeden Tag kümmert sie sich im Glöckl-Zelt um hungrige, durstige und feierwütige Gäste. Nebenan im Hahn-Zelt bedient Julia Gollwitzer das Party-Volk. Sie ist in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei. Wie sich die Beiden auf die Dult-Zeit vorbereiten, warum ihnen die Arbeit Spaß macht und wie viel Maß Bier sie tragen können, haben uns die Beiden im Gespräch verraten.

Wolltet ihr schon immer mal als Bedienung auf der Dult arbeiten oder wie seid ihr denn dazu gekommen?

Julia (Glöckl-Zelt): Ich fand Volksfeste schon immer super und war auch früher gern als Gast im Bierzelt. Letztendlich bin ich durch meinen damaligen Freund und jetzigen Mann zum Bedienen gekommen. Der macht das schon wesentlich länger.

Julia (Hahn-Zelt): Es war bestimmt nie mein Lebenstraum als Dult-Bedienung zu arbeiten, aber seitdem ich in der Gastronomie arbeite, wollte ich es unbedingt mal für einen Tag ausprobieren. Danke an dieser Stelle an Flo. Als dann ein Kellner ausgefallen ist, hat er sofort an mich gedacht und mich angerufen. Dass es mir dann so Spaß macht, dass ich jetzt regelmäßig als Dult-Bedienung arbeite, hab ich nicht erwartet.

Welche Eigenschaften sollte man als Bedienung auf einem Volksfest mitbringen?

Julia Glöbl arbeitet schon zum fünften Mal als Bedienung im Glöckl-Zelt.


Julia (Glöckl-Zelt): Man sollte auf jeden Fall gern mit Menschen zu tun haben und ein bisschen was für die bayerische Bierzeltkultur übrig haben. Außerdem sollte man natürlich eine gewisse körperliche Grundfitness mitbringen. Dann macht die Arbeit richtig Spaß und man hat eine super Zeit.

Julia (Hahn-Zelt): Ich würd sagen ein dickes Fell: Als Mädel wird man doch oft von vielen angesprochen, aber mit ein bisschen Humor kann man immer sehr gut kontern und im Nachhinein drüber lachen.

Apropos Spaß: Was ist das Schöne an dem Job und gibt es auch etwas, was euch stört?


Julia (Glöckl-Zelt): Ich liebe die bayerische Musik und finde es toll, dort zu arbeiten, wo andere feiern. Die gute Laune der Gäste ist definitiv ansteckend. Die Arbeitstage sind zwar teilweise sehr lang und anstrengend, aber so kann man sich immerhin das Fitnessstudio sparen.

Julia (Hahn-Zelt): Naja, was heißt schon stören? Mir macht eigentlich so gut wie alles an dem Job Spaß. Ich findet es nur unangenehm, wenn die Gäste in den Gängen stehen und nicht merken, dass man als Kellner da mit den Massen oder dem Essen durch muss. Das kann auf Dauer ganz schön schwer werden.

Wie bereitet ihr euch denn auf die anstrengende Zeit vor?

Julia (Glöckl-Zelt): Ich treibe regelmäßig Sport, gehe schwimmen oder wandern. Spezielle Kraftübungen mache ich nicht. Ansonsten mache ich vorher einen Großeinkauf, da man während der Dult zu sonst nichts mehr kommt.

Nebenan stemmt Julia Gollwitzer zum zweiten Mal die Maßkrüge im Hahn-Zelt.

Julia (Hahn-Zelt): Puuuuuh, ich muss sagen, dass ich mich eigentlich gar nicht auf die Zeit vorbereitet habe, außer was die Uni betrifft. Ich studiere hier in Regensburg Jura und hab im Vorhinein mit meinen Kommilitonen gesprochen, ob sie mir nicht alle wichtigen Unterlagen und Ähnliches mitbringen können. Für die anderen Volksfeste, bei denen ich arbeite, muss man sich im Vorhinein einen Schlafplatz organisieren, das war aber dann schon alles.

Wie läuft dann so ein normaler Dulttag bei euch ab?

Julia (Glöckl-Zelt): Manchmal beginne ich bereits um 10 Uhr, teilweise erst um 17 Uhr zu arbeiten, je nachdem, ob ich für die Früh- oder Spätschicht eingeteilt bin. Der Dienst endet meist so um 23 oder 24 Uhr. Unser Ziel ist es vor allem, den Gästen den bestmöglichsten Service zu bieten. Das bedeutet, wir versuchen alle so schnell wie möglich mit einer frischen Maß und einem leckeren Essen zu versorgen. Zu unseren Aufgaben gehören aber zum Beispiel auch das Eindecken der Tische, das Abräumen der leeren Gläser oder das Aufstuhlen am Ende des Abends.

Julia (Hahn-Zelt): Die Frühschicht beginnt um 10 Uhr und die Spätschicht um 16 Uhr oder bei manchen Veranstaltungen sogar schon um 12 Uhr. Jede Schicht bleibt bis zum Ende, also solange die Band spielt, und dann werden noch die Tische geputzt und die Bänke aufgestuhlt. Unsere Hauptaufgabe ist jedoch die Kunden zu bedienen und zu schauen, dass alles zu vollster Zufriedenheit ist.

Wenn ihr dann zwischen den Reihen unterwegs seid, wie viele Maß Bier könnt ihr auf einmal tragen?

Julia (Glöckl-Zelt): Ich kann zehn Maß tragen, wobei man bei einem vollen Zelt mit acht am besten durch die Menge kommt. Da ich aber hauptsächlich für Essen zuständig bin, überlass ich meinen Teamkollegen das Maßkrug schleppen. Wobei ich auf meinem Schlitten (Tablett) auch bis zu 15 halbe Hendl trage.

Julia (Hahn-Zelt): Ich bin nicht gerade die stärkste, aber neun Massen gehen schon einmal, wenn es sein muss und der Weg nicht allzu lang ist. Lieber lauf ich aber mit weniger Krügen, zum Beispiel mit sieben.

Geht ihr dann in eurer Freizeit überhaupt auch noch auf Volksfeste oder reicht es euch nach der Dult erst mal?

Julia (Glöckl-Zelt): Ich gehe auch privat sehr gerne auf Volksfeste, weil im Bierzelt immer gute Stimmung ist und man sehr viele bekannte Leute trifft. Wobei man sich nach 17 Tagen auch mal wieder auf normale Klamotten freut. Außerdem arbeite ich noch auf anderen Volksfesten, wie zum Beispiel auf dem Gäubodenvolksfest und der Wiesn.

Julia (Hahn-Zelt): Ja doch, ich gehe auch privat schon mal auf Volksfeste. Das liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass ich das Bedienen nicht hauptberuflich mache und nicht auf ganz so vielen Volksfesten dabei bin, wie manch andere Dult-Bedienung. Dann hätte ich vielleicht auch keine Lust mehr.